Zugtechnik: Ortenau wird Pilotregion

Michaela Gabriel

Von Michaela Gabriel

Mo, 28. Mai 2018

Ortenaukreis

Bis Ende 2022 sollen wasserstoff- oder batteriebetriebene Züge die bisherigen Dieselantriebe bei der Ortenau-S-Bahn ersetzen.

ORTENAU. Eine große Innovation im Schienenverkehr bahnt sich an: Statt der heutigen Regio-Shuttles mit Dieselantrieb sollen auf der Achertalbahn, im Renchtal und weiteren Bahnstrecken der Region Ende 2022 wasserstoff- oder batteriebetriebene Züge rollen. Die Ortenau wird Pilot-Region des Landes für den Einsatz neuer klimafreundlicher Technologien im Bahnverkehr.

Künftig soll die Energie für den Antrieb der heutigen Ortenau-S-Bahnen komplett aus regenerativen Quellen kommen. Aus dem Verkehrsministerium in Stuttgart ist zu hören, dass 29 Regio-Shuttles, drei Triebwagen des Typs NE 81 und zwei vom Typ X-Ter 73900 durch mindestens 15 neue Züge ersetzt werden sollen. "Sie werden über mehr als doppelt so viele Sitzplätze verfügen wie die Regio-Shuttles", erklärt Pressesprecherin Julia Pieper. Vor allem aber sollen sie keinerlei Abgase ausstoßen – "lokal emissionsfrei" nennt sie das.

Klimafreundlicher Betrieb auf 90 Schienen-Kilometern

Erster Schritt auf dem Weg zu einem klimafreundlichen Betrieb auf 90 Kilometern Schienennetz der nördlichen Ortenau war die Gründung der Trapico GmbH mit Sitz in Lahr im Dezember 2017. Sie besteht bisher aus zwei Geschäftsführern. Einer von ihnen ist Mathias Laber. Er wird seine Erfahrung mit dem Betrieb von Eisenbahnnetzen einbringen. "Wir befinden uns im Aufbau", sagt er. Sobald die Technologie feststehe, mit der die neuen Züge fahren werden, könne man die Planungen konkretisieren. Derzeit laufe das Vergabeverfahren für mögliche Hersteller der neuen Züge, die auch langfristig für Wartung und Instandhaltung Verantwortung tragen sollen.

Vor einem halben Jahr wurde in Wolfsburg (Niedersachsen) der weltweit wohl erste Brennstoffzellen-Regionalzug vorgestellt. Einziges Abgas der Lok ist Wasserdampf. Gebaut wird er in einem Werk der französischen Firma Alstom in Salzgitter. Dass diese Technik möglicherweise auch im Ortenaukreis erprobt werden soll, sieht der Verkehrsreferent des Landesnaturschutz-Verbandes (LBV), Stefan Frey, positiv. Er sagt: "Grundsätzlich einverstanden! Zu begrüßen ist insbesondere die Vorgabe, dass der Wasserstoff mit Hilfe regenerativer Energie hergestellt wird. Der Verkehr trägt mittlerweile 30 Prozent zu den klimaverändernden Treibhausgasen bei. Man muss sich aber auch die Gesamtenergie-Bilanz und den Ressourcenverbrauch genau anschauen."

Dass das Verkehrsministerium umweltfreundliche Mobilität anstrebe und dem öffentlichen Verkehr den Vorrang gebe, sei gut. Positiv sei auch, dass man "technikoffen" sei, so der Sprecher des Naturschutzverbandes. Das Land habe noch nicht festgelegt, ob die neuen Züge mit Batterien oder mit Brennstoffzellen betrieben werden. "Ideal von den Betriebsabläufen her wäre natürlich wie in der Schweiz die möglichst flächendeckende Elektrifizierung", weiß Stefan Frey. Verkehrsminister Winfried Hermann habe dazu ein klares Konzept, doch die vom Land und vor allem vom Bund zu erwartenden Mittel seien kaum ausreichend. Das Schienennetz zwischen Achern, Ottenhöfen, Kehl Freudenstadt und Oberharmersbach gehört zum Netz 8 des Landes und heißt "Ortenau". Auf der Hälfte der Strecken gibt es keine Oberleitungen und sie sollen wohl auch nicht kommen. Den Einsatz von Dieseltriebwagen will das Land dennoch künftig vermeiden. Sie sollen aber noch bereit gehalten werden, wenn die neuen Züge im Dezember 2022 in Dienst gestellt werden. "Falls es größere Probleme mit der neuen Antriebstechnologie geben sollte", so das Verkehrsministerium.