Fotografie

Zwei Offenburger sind mit ihren Fotos auf Instagram sehr erfolgreich

Judith Reinbold

Von Judith Reinbold

So, 13. Januar 2019 um 09:23 Uhr

Offenburg

Facebook war gestern, Instagram ist heute. Das zumindest sagen die Nutzer-Zahlen. Die Offenburger Fabian Hübner und Marvin Walter haben Faszination von Instagram früh erkannt – und mittlerweile Zehntausende Follower.

Instagram ist eine Plattform im Internet, auf der Nutzer Bilder hochladen können – am Strand, in London oder beim Lesen eines besonders schönen Buches, ganz egal. Anfangs war Instagram als Austausch-Ort für Kreative gedacht. Als Nutzer kann man nun anderen Profilen folgen, damit ist man deren Follower und bekommt auf seiner Startseite die neuesten Bilder eben dieser Profile angezeigt. Ein durchschnittlicher Privatnutzer hat dadurch etwa 100 bis 500 Profile, die ihm folgen. Christiano Ronaldo, derjenige mit den meisten Followern, hat momentan 150 Millionen Follower. Die Reichweite eines Beitrags ist dadurch maßgeblich von diesen Zahlen bestimmt.
Weitere Fotos von Fabian Hübner und Marvin Walter

2015 machten Fabian Hübner und Marvin Walter am Grimmelshausen-Gymnasium ihr Abitur. Inzwischen studiert der 21-jährige Marvin an der Offenburger Hochschule Medien- und Informationswesen, während Fabian in Hamburg lebt und dort in der Werbebranche tätig ist. Doch eines hat sich seit der Schulzeit nicht verändert: Jeden freien Tag nutzen die beiden Offenburger, um zusammen Touren zu machen, so nennen sie das. Sie fahren dann für mehrere Tage oder Wochen in die Schweiz, nach Skandinavien – oder eben in der Region herum. Dabei entstehen jedes Mal neue Bilder.

"Wir hatten durch unsere Herkunft Optionen, von denen es schade gewesen wäre, sie nicht zu nutzen", beschreibt Fabian unter anderem eine Motivation hinter der Instagram-Tätigkeit. Damit spielt er auf das Lothar-Denkmal an, das der Vater des 23-Jährigen gebaut hat. Instandhaltungsmaßnahmen und das damit verbundene Wohlwollen von Jägern und Förstern ermöglichte es ihnen früh, auch unberührte Orte im Wald mit Fabians Land Rover Defender zu erreichen. "Hier im Schwarzwald wächst man mit der Natur auf", findet auch Marvin. "Bestimmte Momente, Nebel, Stimmungen möchte man manchmal einfach festhalten, da liegt die Fotografie am nächsten."

Repräsentanten des Schwarzwalds

Eines ist beiden deutlich anzumerken: Wenn sie sich in der Instagram-Welt ein bisschen als Repräsentanten des Schwarzwaldes sehen, dann weil sie sich hier so wohl und zu Hause fühlen. Die erste Tour, auf die Marvin und Fabian gestartet sind, um gezielt für Instagram Bilder zu machen, war eine zum Bernina-Pass Ende 2016. Seitdem waren sie auf großer Tour in Skandinavien, weitere Male in der Schweiz – aber in den Schwarzwald und vor allem zum Lothar-Denkmal kehren sie immer wieder zurück.

Doch es sind nicht ihre Instagram-Seiten, die sie dazu motivieren, große Reisen zu unternehmen, im Auto zu schlafen und ganze Tage lang zu wandern. Es ist die Natur. "Wenn man auf einen Berg wandert, dann ist der Antrieb irgendwann nicht mehr das Foto, sondern den Anstieg schaffen zu wollen", sagt Fabian. Marvin nickt. Es ist ihnen anzusehen, dass sie ganz bestimmte Orte im Kopf haben, wenn sie so reden. "Das mit eigenen Augen zu sehen, dieses Gefühl, das ist der eigentliche Antrieb", bekräftigt Marvin, worum es eigentlich geht.

"Manchmal sträuben wir uns ganz bewusst gegen Instagram-Trends." Fabian Hübner

Auf ihren Aufnahmen sind Menschen deshalb oft nur sehr klein oder zur Inszenierung der Natur eingesetzt. "Manchmal sträuben wir uns ganz bewusst gegen Instagram-Trends", erklärt Fabian. Damit meint er neben dem hohen Selbstinszenierungspotential der Plattform auch bestimmte Motive, die nur vor die Linse kommen, weil klar ist, dass sie sehr beliebt sein werden. "Wir wollen lieber was Eigenes machen, was man so noch nicht gesehen hat", sagt Marvin. Dafür planen sie ihre Touren vorher gut und lassen die Ereignisse doch einfach auf sich zukommen. Vorher suchen sie sich Orte aus, an die sie unbedingt fahren wollen, am Ende schaffen sie oft nur die Hälfte, weil sie auf dem Weg andere geeignete und schöne Stellen gefunden haben. Damit haben sie Erfolg. Denn schließlich würden sich ihre Touren nicht lohnen, wenn sie jedes Mal mehr Geld investieren würden, als am Ende bleibt. "Legt man es darauf an, kann man etwa ab 100 000 Followern von seiner Instagram-Tätigkeit leben", so Fabian.

Sponsoren helfen, die Touren zu finanzieren

Das könnte dann zum einen über Sponsoren laufen, die Autos oder Ausrüstung zur Verfügung stellen und später für ein Bild bezahlen, auf dem das eigene Produkt zu sehen ist. Eine andere Möglichkeit sind gezielte Fotografie-Aufträge von anderen Seiten oder Firmen. Den Umgang mit dem Foto-Bearbeitungsprogramm haben Fabian und Marvin sich selbst beigebracht und perfektioniert. "Wir können jedes Bild so aussehen lassen, dass man genau sieht: Es ist von uns", erklärt Marvin. "Solch eine Marke ist das, was Firmen wiederum anspricht", ergänzt Fabian.

Im Alltag bedeutet das Pflegen einer solchen Instagram-Seite allerdings vor allem eines: viel Arbeit. Denn jeden Tag möchte ein Bild bearbeitet werden, warten die Follower auf einen neuen Upload und die Kommentare unter dem hochgeladenen Bild auf Antwort. Wie viel Zeit das beansprucht? Marvin und Fabian schauen sich an, zucken mit den Schultern. "Vielleicht so drei bis fünf Stunden am Tag?" schätzt Marvin. Komme halt immer darauf an, wie schnell das Bild das gewünschte Aussehen habe, das dauere am längsten. "Man muss eben Prioritäten setzen", sagt Fabian. "Und dann diszipliniert sein."