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15. November 2017

Angst um die Stellplätze: Dauercamper machen mobil

Der Gemeinderat von Achern will noch in diesem Jahr über die Zukunft des Campingplatzes am Achernsee entscheiden.

  1. Die Zukunft des Campingplatzes am Achernsee ist offen. Foto: spe

ACHERN (mimo). "Dicker Hund", "Schweinerei", "Traurig" und "Geht gar nicht". Das sind nur vier Kommentare auf der Facebook-Seite der Camperinitiative Achern. Unter der Überschrift "Die Stadt will uns los werden – wir Camper wehren uns" machen die Dauercamper Front gegen Pläne der Stadt Achern zum Verkauf des Campingplatzes am Achernsee.

Der Gemeinderat soll noch 2017 über die Zukunft der Einrichtung entscheiden. Eine Option ist eine Verpachtung, die andere der Verkauf an den als Investor für Campingplatz und Seehotel auftretenden Kehler Investor Jürgen Grossmann. Was die Dauercamper besonders umtreibt, ist die Befürchtung, dass der Investor ihre Plätze kündigt, um seine Vorstellungen für die Zukunft der Anlage zu verwirklichen. Er möchte unter anderem Mobilhomes und Tiny-Häuser aufstellen.

"So wie es nun aussieht, nehmen Oberbürgermeister Klaus Muttach und die Gemeinderäte in Kauf, dass den Familien die Pachtverträge gekündigt werden. Das heißt, alle Familien müssten den Platz leer räumen", heißt es bei der Camperinitiative, "in liebevoller Arbeit haben hier über 350 Familien zum Teil sehr schöne und auch hochwertige Feriendomizile errichtet." Dabei gehe es um Investitionen in beträchtlichem Wert: Zum Teil hätten die Familien weit mehr als 60 000 Euro in die Ausstattung ihrer Parzellen investiert.

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Auch wenn klar ist, dass die Plätze unter Wahrung bestimmter Fristen jeweils zum Jahresende gekündigt werden könnten, die Initiative sieht OB und Gemeinderat nicht zuletzt moralisch in der Pflicht: "Warum sollen wir Camper nun unmenschlich ausquartiert werden, obwohl viele von uns schon bis zu 40 Jahren treue Pächter sind?" Und weiter: "Warum nehmen Sie in Kauf, dass viele von uns Campern in den finanziellen Ruin getrieben werden? Es sind viele Familien vor Ort, die einen Rückbau gar nicht alleine stemmen könnten. Sie würden nicht nur alles Investierte verlieren, sondern zusätzlich noch Geld für einen Abbau."

Im Übrigen beklagt die Initiative zweifelhafte Methoden seitens der Stadt: Diese habe die Camper bislang nicht über ihre Verkaufsabsichten informiert.

Am 22. November Gespräch mit den Betroffenen

"Das schlägt große Wellen": Heidi Wollitzer von der Initiative ist überrascht von den vielen Reaktionen auf die Facebookseite der Camper. Dass viele Menschen den Text gelesen oder sogar geteilt haben, zeigt ihr, dass man einen Nerv bei den Bürgern getroffen hat. Reagiert hat auch die Stadtverwaltung: Sie veröffentlichte jetzt eine Presseerklärung, in der eine Info-Veranstaltung für den 22. November angekündigt wird. OB Klaus Muttach verwies auf Anfrage einmal mehr auf die vereinbarte Kündigungsfrist, zeigte aber auch Verständnis für die Belange der Dauercamper: "Damit müssen wir uns auseinandersetzen." Muttach kündigte an, dass die Entscheidung über die Zukunft des Campingplatzes spätestens am 18. Dezember in einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats gefällt werden soll. Diese Frage steht, wie die Stadtverwaltung betonte, im Zusammenhang mit der Entscheidung darüber, ob notwendige Investitionen über den Eigenbetrieb der Stadt vorgenommen und damit im nächsten Doppelhaushalt veranschlagt oder im Verkaufsfall von privater Seite getätigt werden.

Ob der Verkauf des Campingplatzes überhaupt eine Option ist, ist nach Auskunft von Muttach völlig offen. Mit den potenziellen Pächtern seien seitens der Stadt die Gespräche abgeschlossen, ein möglicher Pachtvertrag sei bereits ausgehandelt. In den kommenden Tagen wolle die Stadtverwaltung mit einem potenziellen Käufer klären, ob dieses Kaufinteresse sich überhaupt mit den Vorstellungen der Stadt vereinbaren lässt.

Die Entscheidung über die Form der Weiterführung des Campingplatzes in der bisherigen Struktur oder als Verpachtung oder Veräußerung an einen Privaten wird im Gemeinderat in öffentlicher Sitzung beraten und auch entschieden. Zuvor findet das Gespräch mit den Dauercampern statt. Bis dahin sollen alle relevanten Gespräche abgeschlossen sein. Großmann selbst hat eigenen Angaben zufolge noch nicht endgültig über den Erwerb des Campingplatzes zu den von der Stadt festgelegten Bedingungen entschieden.

Autor: mimo