Ein großer Tag für Gengenbach

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Fr, 25. Januar 2019

Ortenaukreis

Schülerforschungszentrum eingeweiht / Bundestagspräsident und Nobelpreisträger zu Gast.

GENGENBACH. Ein großer Tag für Gengenbach: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sowie der Medizin-Nobelpreisträger von 2008, Harald zur Hausen, waren am Donnerstag der Einladung der Stadt zur Einweihung des neuen Schülerforschungszentrums Xenoplex gefolgt, öffentlichkeitswirksamster Teil eines dreigliedrigen Bauprojekts, das auf dem Erhard-Schrempp-Schulzentrum, in Nachbarschaft zu dem 2013 zusammen mit der Hochschule eröffneten "Bildungscampus", eröffnet wurde. Die Baukosten für den Bildungscampus betrugen 9,5 Millionen Euro. Auch diesmal wurde laut Bürgermeister Erny viel Geld in die Hand genommen, nämlich 3,3 Millionen Euro.

In dem neuen Gebäude befinden sich neben dem Forschungszentrum auch eine auf 140 Gäste ausgelegte, deutlich erweiterte Mensa sowie eine moderne Mediathek, in welche auch die Stadtbücherei eingezogen ist. Sie wird ihren Betrieb am neuen Ort am kommenden Montag aufnehmen.

Natürlich waren Schäuble und Zur Hausen zuvorderst wegen des Schülerforschungszentrums angereist. Bereits vor ein paar Jahren hatten Jugend-forscht-Preisträger aus Gengenbach Schäuble eingeladen, eines Tages bei der Einweihung dabei zu sein. Der sagte zu – und hielt Wort. "Wir müssen die Kinder fördern", sagte er zu den 200 Gästen, dazu bedürfe es "der Liebe und der Zuwendung", aber auch der "Bildung und Forschung". Wissen sei Deutschlands wichtigster Rohstoff, das herauszubilden müsse stets Ambition sein. Gengenbach werde "mit dem heutigen Tag als Bildungsstandort noch wertvoller". Gewiss, es gebe auch "gebildete Ignoranten", dennoch gelte der Grundsatz: "Je gebildeter Menschen sind, desto weniger sind sie anfällig für einseitige Parolen."

Schäuble: "Französisch bleibt bei uns wichtig"

Gut auch für ein Land wie Deutschland, wenn ihre Bürger eine oder mehrere Fremdsprachen beherrschen. Französisch – und dabei richtete sich Schäuble direkt an den anwesenden Staatssekretär im Kultusministerium, Volker Schebesta – "bleibt bei uns wichtig". Damit wandte er sich gegen die Bestrebungen des Ministeriums, Französisch am Oberrhein aus den Grundschulklassen 1 und 2 abzuziehen. Schebesta nahm den Ball nicht auf. Er widmete sich ganz Xenoplex: "Wir wollen in Gengenbach die Talentquellen zum Sprudeln bringen."

Landrat Scherer sagte: "Wenn ich an Gengenbach denke, denke ich an das Ruhrgebiet. Was dort mal die Kohle war, war hier Hukla." Doch die Gengenbacher hätten sich nicht hängenlassen und voll auf die Karte namens "Bildung" gesetzt. Das sei dem Kreistag sogar eine jährliche Förderung von 40 000 Euro wert. Lob für das Forschungszentrum auch von Regierungsvizepräsident Klemens Ficht, der gerne auf seine familiäre Verwurzelung hinwies: "Gengenbach ist für mich ein Stück Heimat." Von einer "großartigen Sache" sprach Nobelpreisträger Harald zur Hausen. Der 82-Jährige war quasi als Motivator für die anwesenden Schülerinnen und Schüler geladen. Lebenslanges Forschen könne durchaus spannend sein: So treibe ihn auch die Frage um, ob durch Ernährung mit Rindfleisch beim Menschen Krebs entstehen kann.

Laut Erny habe der erkrankte Vorstandschef von "Jugend forscht", Sven Baszio, ausrichten lassen, dass er sehr erfreut darüber sei, dass in Baden-Württemberg ein weiteres Schülerforschungszentrum an den Start gehe. Mit dem Xenoplex verfüge die Region künftig über ein exzellentes Förderangebot für MINT-interessierte Jugendliche. Das Xenoplex sei "ein Sportverein für MINT-Athleten". MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die Räume des Schülerforschungszentrums stehen während der Unterrichtszeiten ausschließlich der schulischen Nutzung zur Verfügung, außerhalb, wie auch am Wochenende, jungen Forschern aus der Ganzen Region. Schlusswort Schäuble, der John F. Kennedy zitierte: "Es gibt nur eines, das auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung!"

Deborah Martiny und Erwin Schmidt spendeten den Segen, die Big-Band des Gymnasiums und die Band "Unknown" der Werkreal- und Realschule lieferten pfiffige Töne.

An diesem Samstag, 26. Januar, findet von 14 bis 17 Uhr ein Tag der offenen Tür statt.