Eine Kinzigtäler Co-Produktion

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Mi, 15. November 2017

Ortenaukreis

In Hausach bauen neun Kommunen ein Ganzjahresbad.

HAUSACH. Während andernorts aus Kostengründen Bäder geschlossen werden, gehen in der Ortenau die Uhren anders: Nach Offenburg, wo im Juli das Freizeitbad Stegermatt eröffnet wurde, wird bald auch in Hausach gebaut. Dort werden insgesamt 14,8 Millionen Euro in den Bau eines neuen Ganzjahresbads und die Modernisierung des Freibads investiert. Es ist ein interkommunales Projekt von neun Städten und Gemeinden, mit gehöriger Unterstützung durch Land und Ortenaukreis.

Bürgermeister, Landrat und MdL Marion Gentges stiegen hinab ins leere Schwimmbecken des in die Jahre gekommenen, 1974 eingeweihten Hausacher Hallenbades, griffen nach den dort liegenden Schaufeln und fingierten einen ersten Spatenstich – mit bereits vorher zertrümmerten Fliesenteilen des Beckenbodens. Ein symbolischer Schaufelschwung – und schon sprach Landrat Frank Scherer im Beisein zahlreicher Gäste von einem "guten und für das Kinzigtal und die Ortenau sogar historischen Tag". Fürwahr: In Zeiten von "Einlage- und Umlage-Denken" der 51 Städte und Gemeinden, die den Ortenaukreis zu einem Gutteil über die Kreisumlage finanzieren, sei es "nicht so einfach", ein regionales Projekt wie das neue interkommunale Ganzjahresbad in Hausach finanziell zu unterstützen. Doch dieses passe voll in das System von "Leuchtturmprojekten", von denen nicht nur der jeweilige Standort profitieren soll, sondern die nähere Region. Das kommende Ganzjahresbad, erst recht in Kombination mit dem daneben liegenden Freibad, sei ein wichtiges Puzzle für den Wirtschaftsstandort Kinzigtal. Viele Fachkräfte berücksichtigten bei ihrer Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz auch Kriterien wie "Freizeitangebote in der Region". Auch in touristischer Hinsicht dürfte das Bäder-Duo ein Plus darstellen. Natürlich seien Planung und Baugespräche ein "Kraftakt" gewesen, doch eine Kommune allein hätte das Projekt niemals stemmen können. Er sei "froh", dass Ortenauer Städte und Gemeinden zu solcher Co-Produktion imstande seien. Der Kreiszuschuss von 1,7 Millionen sei gewiss gut angelegtes Geld.

"Im Kinzigtal geht’s voran", sagte Johannes Dreier vom Regierungspräsidium in Freiburg, auch im Hinblick auf die immer besser werdende Straßeninfrastruktur. Der vierspurige Ausbau der B 33 sei erst neulich im vorderen Bereich freigegeben worden, am 11. Dezember stehe der Erörterungstermin für den weiteren Abschnitt bis Gengenbach-Süd an. Dass das Land ein Ganzjahresbad für das Kinzigtal für sehr wichtig erachte, zeige sich an dem "außerordentlich hohen Landeszuschuss von 1,82 Millionen Euro".

Für Manfred Wöhrle ist es eine ganz besondere Genugtuung, dass jetzt, kurz vorm Jahresende, noch der erste Spatenstich möglich wurde. Seit 43 Jahren bei der Stadt Hausach beschäftigt, die letzten 16 Jahre als Bürgermeister, kann er, der Motor des "Kinzigtalbades", nun wenigstens noch das Ende einer fast zehnjährigen Info- und Planungsphase erleben, ehe er in den Ruhestand tritt. Im März 2008 fand auf seine Einladung hin ein erstes Gespräch mit allen 23 in Frage kommenden Bürgermeistern statt. Die Wirtschaftskrise habe die Planung jäh gestoppt. Erst 2011 sei bei einer Wanderung mit Landrat Scherer wieder Bewegung ins Spiel gekommen, das gewiss kein leichtes war. 14 Rathauschefs hätten mehr oder weniger früh abgewunken, "ein ganz harter Rückschlag" sei das Nein der Hornberger beim Bürgerentscheid von Juli 2013 gewesen. Kostensteigerungen waren auch nicht gerade förderlich, so viele Kommunen wie möglich zur Mitfinanzierung zu bewegen. Neun sind es letztlich, neben Hausach noch Fischerbach, Gutach, Haslach, Mühlenbach, Oberwolfach, Schiltach, Steinach und Wolfach. Das Ganzjahresbad kommt auf 11,35 Millionen Euro, wobei die Hauptlast (4,6 Millionen) bei Hausach liegt. Die Kosten für den Umbau des angrenzenden, inzwischen 52 Jahre alten Freibads – 3,2 Millionen Euro – stemmt Hausach alleine; hierfür gibt es immerhin 250 000 Euro aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum.

Gunnar Lehmann von Lehmann Architekten in Offenburg räumte ein: "Wir Bauherren und Planer haben es uns nicht leicht gemacht." Die Sinnhaftigkeit von Neu- und Umbau von Hallen- und Freibad sei öfters in Frage gestellt worden: "Dafür gibt es jetzt aber ein modernes Kombibad für den Freizeit- und Schulsport und für alle Generationen." Im Juli 2019 "werden wir hoffentlich Eröffnung feiern".