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21. März 2017

Kita Kehl-Straßburg fehlt es an deutschem Personal

Knackpunkt an der deutsch-französischen Krippe ist das Gehalt.

  1. Seit drei Jahren gibt es die deutsch-französische Krippe. Foto: archivfoto: kehl

KEHL/STRASSBURG (hrö). Bei der Eröffnung im April 2014 herrschte eitel Sonnenschein. Sogar Baden-Württembergs Europaminister Friedrich war angereist, um die deutsch-französische Kinderkrippe im Straßburger Hafenviertel freizugeben: "Wenn wir es ernst meinen mit einer weitreichenden Mobilität in den Grenzräumen, dann sind eine frühzeitige Investition in die Sprachkompetenz und das interkulturelle Verstehen entscheidend." Damit das gelingt, haben die Städte Kehl und Straßburg, das Land und das Département Bas-Rhin mit Unterstützung der EU 4,4 Millionen Euro investiert. Das Besondere an der Einrichtung: Bei 60 Plätzen werden stets gleich viele Kinder aus Straßburg und Kehl aufgenommen. Halbe-Halbe sollte es auch beim Team zugehen: je acht Erzieher/innen aus Deutschland und Frankreich.

Doch die anfangs heile Welt hat angeblich nur kurze Zeit angehalten, wie einem Schreiben des siebenköpfigen Elternbeirats zu entnehmen ist. "Leider ist festzustellen, dass diese Personalverteilung bisher nicht umgesetzt werden konnte. Seit Gründung fehlt deutsches Personal. Seit Januar 2017 arbeiten in der Einrichtung nur noch zwei deutsche Erzieherinnen." Der französische Verein AASBR, für das Personal zuständig, habe fehlende deutsche Mitarbeiter häufig durch die Rekrutierung französischer Mitarbeiter aufgefangen. Wie könne hier von "Zweisprachigkeit", die von allen Beteiligten so gewünscht ist, die Rede sein?

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Ohnehin sei die Fluktuation in der Einrichtung enorm hoch, wie Lydia Tawredu aus Straßburg, Mutter einer Tochter, auf Anfrage mitteilte: "Vom gesamten Gründungsteam sind nur noch zwei Erzieher in der Krippe tätig." Die meisten Kündigungen seien durch deutsches Personal erfolgt. Sie wisse aus Gesprächen, so Lydia Tawredu, dass viele Erzieherinnen die Arbeitszeiten kritisierten und zudem rasch feststellen mussten, dass sie in deutschen Kindergärten erheblich mehr verdienen würden als in der deutsch-französischen Straßburger Einrichtung, die nach französischem Recht agiert. Seit vergangenem Herbst habe sich die "Welle von Rücktritten" noch beschleunigt. Inzwischen verlasse auch französisches Personal das Boot – erschöpft von der Situation: Beklagt würden von diesen, neben der Fluktuation, auch die (zu) vielen Arbeitsstunden und die hohe psychische Belastung. Celine Duval aus Kehl pflichtet ihrer Kollegin aus dem Elternbeirat bei.

Annette Lipowsky, Sprecherin der Stadt Kehl, räumte auf Anfrage ein, dass das Nettogehalt der deutschen Erzieherinnen der Krippe in der Vergangenheit geringer gewesen sei als das ihrer deutschen Kolleginnen in rechtsrheinischen Kitas, doch habe sich die Stadt Kehl zusammen mit der Stadt Straßburg mehrfach um einen fairen Ausgleich bemüht, auch durch Prämienzahlung. Auch habe man sich mit dem Elternbeirat getroffen und nach Lösungen gesucht. Man habe jetzt eine gefunden, von der man überzeugt sei, mit ihr die Kuh vom Eis zu bekommen: Die deutschen Erzieherinnen werden ab April bei der Stadt angestellt sein und somit nach deutschem Recht bezahlt. Das dürfte die Personalnot beseitigen helfen.

Dass die Krippe grundsätzlich eine tolle Einrichtung sei, beteuerten unisono Celine Duval und Lydia Tawredu: "Das Projekt muss am Leben bleiben."

Autor: hrö