"Sie benehmen sich nicht anders"

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Do, 12. Oktober 2017

Ortenaukreis

Revierleiter Peter Dieterle über "Flüchtlinge und Kriminalität".

OFFENBURG. Als "abgewogene Stellungnahme" bezeichnete Heribert Schramm von der "Flüchtlingshilfe Rebland" die Ausführungen des Leiters des Polizeireviers Offenburg, Peter Dieterle. Dieser hat auf Einladung der Flüchtlingshilfe und der Ortsverwaltungen von Fessenbach, Rammersweier und Zell-Weierbach über "Flüchtlinge und Kriminalität aus Sicht der Polizei" referiert.

In seinem einstündigen Vortrag in der Johannes-Brenz-Gemeinde vermied Dieterle Wertungen, sondern stellte vor allem Statistiken vor. Doch er beließ es nicht bei den reinen Zahlen, sondern lieferte die notwendigen Erklärungen mit, so dass die Zuhörer tatsächlich etwas lernen konnten für zukünftige Diskussionen über die Kriminalität in Offenburg. Dieterle betonte, dass die Zuhörer die Schlüsse aus seinen Erläuterungen selbst ziehen müssen. Sein von einem Zuhörer eingefordertes Fazit lautete allerdings schlicht: "Flüchtlinge benehmen sich nicht anders als alle anderen auch." Keineswegs wolle er aber verharmlosen, betonte Dieterle. Dass es in Offenburg, anders als in Freiburg, bislang keinen schweren Fall von Gewaltkriminalität durch einen Flüchtling gegeben habe, garantiere selbstverständlich nicht, dass das so bleiben wird.

Manche Verstöße nur Bagatelldelikte

Im Gegenzug sage die Zahl der Straftaten – auf 100 000 Einwohner hochgerechnet – nicht viel über die tatsächliche Gefährdung der Offenburger aus. Hier lag die Stadt zusammen mit Freiburg im Jahr 2016 an der Spitze in Baden-Württemberg. Doch schon wenn die 1200 "ausländerrechtlichen Verstöße" wie "illegale Einreise" und "illegaler Aufenthalt" abgezogen werden, liege Offenburg wieder im Mittelfeld.

Als Flüchtlinge bezeichnete Dieterle "alle, deren Asylverfahren nicht abgeschlossen ist oder die geduldet sind". Alle Flüchtlinge, die aufgegriffen werden, "werden polizeilich registriert, von jedem werden Fingerabdrücke genommen und mit Eurodat überprüft", erläuterte Dieterle. Auch wenn die Flüchtlinge ohne Pass kämen, seien sie so eindeutig zu identifizieren. Ziehe man die ausländerrechtlichen Verstöße ab, seien die häufigsten Straftaten (142) von Flüchtlingen im vergangenen Jahr Diebstähle gewesen, davon 102 einfache Ladendiebstähle und 40 Einbrüche, "diese in der Regel innerhalb der Flüchtlingsunterkunft".

Mit etwa 90 Rohheitsdelikten (Schlägereien) und 22 Rauschgiftdelikten (von insgesamt 400 in Offenburg) treten die Flüchtlinge polizeilich in Erscheinung. Sieben Sexualdelikte wurden von Flüchtlingen begangen (Offenburg gesamt: 42), aber keine Vergewaltigung.

Dieterle verwies allerdings auch auf die unterschiedliche Wahrnehmung von übergriffigem Verhalten. "Stellen Sie sich vor, dass ein Flüchtling eine junge Frau hochhebt, mit sich schleppt und mit einem Klaps auf den Po einige Meter weiter wieder absetzt. Und dann überlegen Sie bitte, was ist, wenn das ein Hästräger macht." An Fasnacht. Die Zahl der aufgedeckten Ladendiebstähle begleitete Dieterle mit dem Hinweis darauf, dass ausländisch aussehende Kunden vom Personal häufig stärker beobachtet werden.

Auch wenn die Zahlen das nicht hergeben, gebe es bei vielen Bürgern ein Gefühl der Unsicherheit und Bedrohung, die es ernst zu nehmen gelte, so Dieterle. "Das hat mit objektiver Sicherheit nichts zu tun." Dieterle berichtete von einer jungen Frau, die sich nicht mehr alleine traue auszugehen, weil sie sich von Flüchtlingen bedroht und belästigt fühle. Auch hier stellte Dieterle einen Vergleich an: "Die Urlaubsinsel Mallorca kämpft gegen Touristen, die sich völlig daneben benehmen, und zugleich gibt es dort wie hier einen Verdrängungswettbewerb um preiswerten Wohnraum."

Von den 890 Opfern von Straftaten in 2016 seien 56 Flüchtlinge gewesen. Meist habe es sich um Streitigkeiten untereinander oder um Diskoschlägereien gehandelt. Dass die Flüchtlinge der Polizei dennoch viel Arbeit machen, zeige die Zahl von 500 Einsätzen in Flüchtlingsunterkünften im Jahr 2016 – in diesem Jahr bislang 211. Brandalarme, Fehlalarme, Streitigkeiten seien die Gründe gewesen: All dies stelle aber keine Straftaten dar.