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04. August 2009 19:47 Uhr

Freiburger Krankenhaus

Orthopäden bauten fehlerhafte Hüftgelenke ein

Mindestens 29 Patienten wurde im Freiburger Loretto-Krankenhaus ein fehlerhaftes künstliches Hüftgelenk eingebaut. Um eine Schädigung des umliegenden Knochens zu vermeiden, werden die Betroffenen erneut operiert.

  1. Diese Prothese kann ein natürliches Hüftgelenk ersetzen. Foto: Michael Bamberger

Weitere 849 Patienten, denen das Team um den Orthopäden Marcel Rütschi eine ähnliche Prothese eingesetzt hat, werden nun zu einer Nachuntersuchung eingeladen.

"In den letzten 16 Jahren habe ich in Freiburg drei- bis viertausend Hüften operiert und fast alle sind extrem gut gelaufen" , Marcel Rütschi, der Cheforthopäde des Freiburger Loretto-Krankenhauses, ist ein selbstbewusster Chirurg, der bisher stolz war, dass er nur selten eine selbst eingesetzte Prothese wieder austauschen musste. Im Promillebereich habe sich die Zahl der Fälle bewegt, bei denen seine Patienten erneut im OP-Saal landeten, weil ein künstliches Gelenk nicht fest genug saß oder schmerzte.

Vor zwei Jahren wurde aber auch der selbstsichere Rütschi plötzlich stutzig; gleich viermal musste er im Laufe des Jahres einem Patienten eine solche Hüft-Totalendoprothese, kurz Tep, ausbauen – eine Operation, die kein Orthopäde schätzt. Sie spricht nicht nur für einen eigenen Misserfolg, die mehrstündige Operation gilt auch als sehr belastend für den Patienten. Zudem sitzt der Ersatz oft weniger stabil als das Original.

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Rütschi schob die Probleme zunächst auf eine Allergie, möglicherweise vertrugen die Patienten das Prothesenmaterial nicht. Inzwischen weiß es der 54 Jahre alte Mediziner besser. 29 Allergiefälle in vier Jahren, das erschien auch ihm zu viel. Nun steht fest: Das seit 2004 verwendete Prothesenmodell war schuld. Ende 2007 hat es der Chefarzt aus dem OP verbannt.

Seit Anfang Juni weiß auch der Hersteller von den Problemen und hat inzwischen eingeräumt, dass es bei der Produktion zu Ungenauigkeiten gekommen ist. Die Firma Zimmer, die ihren Hauptsitz in Freiburg hat, wollte sich gestern auf Anfrage jedoch nicht zu den Vorkommnissen äußern. Eine Auskunft, ob das entsprechende Modell in anderen baden-württembergischen Kliniken ebenfalls zum Einsatz kommt, konnten die zuständigen Überwachungsbehörden nicht geben.

Insofern sind bisher nur weitere 849 Patienten aus dem Loretto-Krankenhaus bekannt, die ebenfalls das Modell Durom im Körper tragen. Weil bei dieser Metallprothese in Einzelfällen der Kopf nicht richtig auf dem Schaft sitzt, reibt sich Metallstaub ab. Dieser wurde von den Abwehrzellen als Fremdkörper erkannt und entsorgt, die dabei Löcher in den Knochen frästen. Beschwerden für den Betroffenen verursacht dies in der Regel wenig. Zwar zieht es manchem in der Leiste, aber das Gelenk bleibt stabil. Kritisch auswirken kann sich der Knochenfraß allerdings, wenn nach 15 bis 20 Jahren ein Austausch des Ersatzteils nötig wird.

Alle entsprechenden Patienten werden nun per Post in das Loretto-Krankenhaus zur Nachuntersuchung eingeladen, dessen Geschäftsführer Helmut Schillinger die Probleme sehr bedauert. Sollten die Röntgenaufnahmen eine fehlerhafte Prothese zeigen, wird ihnen ein Austausch empfohlen. Weil sich bisher nur ein Teil der überprüften Durom-Teps als tatsächlich fehlerhaft erwiesen hat, geht Rütschi davon aus, dass der Eingriff nur auf wenige Patienten zukommen wird. Bereits innerhalb der nächsten drei bis vier Monate sollen alle Betroffenen operiert sein.

Warum es so lange gedauert hat, bis die Probleme öffentlich wurden, erklärt die Klinik so: Man habe erst die schriftliche Bestätigung des Herstellers abwarten wollen, so Rütschi. Diese liegt zwar noch immer nicht vor, aber inzwischen hätten sich die Beweise erhärtet. Nun müsse man nicht mehr befürchten, die Patienten unnötig zu verunsichern.

BZ-Interview: Der Orthopäde Marcel Rütschi über die fehlerhaften Prothesen

Autor: Michael Brendler