Extremlauf

Beim Braveheartbattle durch die Schlammhölle gehen

dpa

Von dpa

Mo, 10. März 2014 um 07:52 Uhr

Panorama

Matsch statt Marathon: Vielen Sportlern reichen 42 Kilometer nicht mehr als Herausforderung. Sie gehen stattdessen in Extremläufen an ihre Grenzen – und kämpfen sich durch Matsch, Eiswasser oder Feuer.

Jährlich nehmen in Deutschland Tausende Sportler an Extremläufen wie Tough Mudder oder – wie jetzt am Wochenende – am Braveheartbattle im unterfränkischen Münnerstadt teil. Sind die alle irre?

"Es geht immer darum, an seine Grenze zu kommen", sagt der Sportpsychologe Andreas Marlovits von der BSP Business School Berlin Potsdam. "Es geht um die Frage: Kann ich mich gegen einen heftigen Widerstand durchsetzen?" Ein Marathon, bei dem Sportler rund 42 Kilometer zurücklegen, sei ein vergleichsweise sauberer und eintöniger Lauf. "Irgendwann wird das relativ langweilig."

Der Eintönigkeit entkamen die 2900 Läufer in Münnerstadt zum Beispiel in einer metertiefen Schlammgrube. Beim Braveheartbattle legen sie zwar "nur" 28 statt 42 Kilometer zurück, dafür müssen sie aber 50 fiese Hindernisse überwinden. Neben Schlammgruben sind das zum Beispiel Dornenhecken oder ein steiniger Fluss. Durchmogeln kann sich niemand: "Pussylanes – also einfachere Routen – gibt es nicht", betont Veranstalter Joachim von Hippel. Der schnellste Läufer absolvierte das Rennen am Samstag in zwei Stunden und 18 Minuten. Es gab allerdings auch Verletzungen. Eine Sprecherin des Veranstalters berichtete von einem gebrochenen Unterarm und einem Steißbeinbruch sowie von Verkühlungen. Neben dem Braveheartbattle organisiert der ehemalige Soldat von Hippel auch andere Extremläufe wie den Limes Run und den Cherokee Run: "Dem Läufer muss man etwas bieten. Er sucht die Herausforderung."

Die Teilnehmer helfen einander

Von Hippels Einschätzung nach macht die Fitness bei solch einem Rennen nur etwa 40 Prozent aus, der Rest sei Willensstärke. "Jeder Läufer geht für sich durch die Hölle", sagt der Veranstalter. "Aber man kämpft zusammen, um die Strecke zu bewältigen." Anders als beim Marathon müssen die Teilnehmer bei vielen Extremläufen einander helfen, um ans Ziel zu kommen.

Genau das schätzt der 31-jährige Christian Förnges aus Frankfurt am Main, der am Tough Mudder teilgenommen hat. "Ein Marathon ist eine sportliche Herausforderung, Tough Mudder hat eher Eventcharakter", findet er. Der Matsch-Lauf, der mittlerweile sogar in mehreren Städten ausgetragen wird, spielt bewusst mit Ängsten. Dunkle Tunnel, Schlammkäfige mit wenig Platz zum Atmen und brennende Hindernisse sind nur ein paar Beispiele. Auch mit Stromstößen müssen die Teilnehmer rechnen. Vor allem null Grad kaltes Wasser zu Beginn des Laufs habe er als hart empfunden, erinnert sich Förnges. "Insgesamt habe ich es aber eher als Spaß gesehen." Genau das kann Sportwissenschaftlern zufolge bei Untrainierten problematisch werden. Da viele solche Läufe eher als Spaßveranstaltung sähen, muteten sie sich möglicherweise zu viel zu, warnt Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Beim Zugspitzlauf beispielsweise starben vor einigen Jahren zwei Teilnehmer an Erschöpfung und Unterkühlung, weitere Läufer mussten ins Krankenhaus. Trotz schlechter Wettervorhersage waren viele der etwa 600 Sportler in kurzen Hosen und T-Shirts zu dem 16,1 Kilometer langen Rennen durch dichtes Schneetreiben auf die 2962 Meter hohe Zugspitze gestartet. Bei Wettkämpfen wie dem Braveheartbattle könne laut Froböse der ständige Wechsel der einzelnen Belastungen den Körper auch bei fitten Teilnehmern stark fordern.

Um Läufern etwas Neues zu bieten, setzen Veranstalter aber nicht nur auf Schlamm und Stromstöße: Der Renner ist derzeit der sogenannte Color Run, bei dem sich Teilnehmer mit Farbe bewerfen und schließlich kunterbunt ins Ziel kommen. Weniger schmutzig geht es indes beim Gourmetlauf in Fürth zu: Dabei besteht die Schwierigkeit für Läufer darin, trotz vollen Magens anzukommen – sie werden auf der Strecke mit Leckereien verköstigt.