Mit der Axt auf Juwelenjagd

Axel Veiel, dpa und AFP

Von Axel Veiel, dpa & AFP

Fr, 12. Januar 2018

Panorama

Nach dem spektakulären Überfall auf das Hotel Ritz in Paris sind drei von fünf Verdächtigen gefasst.

PARIS. Nach einem bewaffneten Raubüberfall auf das Pariser Luxus-Hotel Ritz sucht die Polizei intensiv nach zwei flüchtigen Tatverdächtigen. Drei Verdächtige wurden rasch festgenommen und kamen in Polizeigewahrsam. Die millionenschwere Beute wurde sichergestellt.

Die vornehme Place Vendôme erinnert nach massiver Aufrüstung an einen Hochsicherheitstrakt. Dennoch ist der Platz erneut Schauplatz eines Raubzuges geworden. Das Hotel Ritz hat sich als Schwachstelle erwiesen. Fünf Gangster haben in dem Hotel Schmuck und Luxusuhren im Wert von mehr als vier Millionen Euro erbeutet. Die Beute fanden Polizisten später in einer Tasche wieder – wie am Donnerstagabend aus informierten Kreisen bekannt wurde, befanden sich darin alle entwendeten Schmuckstücke. Die Polizei glaubt das Geschehen mittlerweile weitgehend rekonstruiert zu haben.

Demnach haben drei der fünf Männer den festlich erleuchteten Hotelpalast am frühen Mittwochabend in wenig festlicher Montur durch den Hintereingang betreten. Während draußen ein Dutzend Weihnachtsbäume Lichterglanz verbreitete, schimmerten drinnen die Schäfte der von dem Trio mitgebrachten Äxte. Nicht zu vergessen die Faustfeuerwaffen, mit denen sie die Gäste zur Zurückhaltung ermahnten. Mit Axthieben zertrümmerten die Räuber Glasvitrinen in der Hotelhalle, in denen Pariser Spitzenjuweliere Arbeitsproben ausstellen.

Als sie durch den Hinterausgang fliehen wollten, war dieser verschlossen. Die Beute warfen die drei Männer offenbar aus dem Fenster, zwei Komplizen warteten draußen. Einer der beiden suchte im Auto das Weite. Der andere schwang sich auf ein Moped, was er insofern bereut haben dürfte, als auf der Flucht der von der Polizei sichergestellte Sack mit der kompletten Beute verloren ging. Das Fluchtauto wurde später verbrannt im Pariser Umland gefunden.

Die drei Festgenommenen im Alter um die 30 Jahre stammten aus der Region und seien der Polizei einschlägig bekannt, berichteten der Radiosender Franceinfo und andere Medien.

Nachdem 2014 auf der Place Vendôme binnen sieben Monaten fünf Juweliergeschäfte am helllichten Tag überfallen worden waren, hatten die Anrainer umfassende Abwehrmaßnahmen getroffen. Man müsse schon tollkühn sein, um hier erneut auf Raubzug zu gehen, hatten Sicherheitsexperten wissen lassen. Tollkühn war es auch, gegen 18.30 Uhr, also zur Hauptverkehrszeit, vor fassungslosen Augenzeugen mit Äxten in einem der nobelsten Pariser Hotels zu wüten.

Als kühn erwies sich laut Frankreichs Innenminister Gérard Collomb auch die Polizei. Er sprach den Ordnungskräften per Twitter höchste Anerkennung aus. Kaltblütig, professionell und ehrenhaft seien sie zur Tat geschritten.

Dem Hotelpalast bleibt der Trost, dass der Überfall das Zeug zur Legende hat. Und an Legenden ist der Pariser Palast nicht arm. Die Modeschöpferin Coco Chanel hat hier fast 40 Jahre lang residiert. Der Hotelbesitzer ist Mohammed al-Fayed, Vater des früheren Lebensgefährten von Prinzessin Diana, mit dem sie 1997 nicht weit vom Hotel bei einem Autounfall ums Leben kam.