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16. Oktober 2014 00:05 Uhr

Mailand

Straßenkünstler nimmt mit Werken die Politiker aufs Korn

Ob Berlusconi, Monti oder Renzi: Der Mailänder Straßenkünstler Beast nimmt mit seinen Werken regelmäßig Politiker aufs Korn. Und das immer in Nacht-und-Nebel-Aktionen.

  1. Inspiriert von einer Shampoo-Werbung: das jüngste Werk des Mailänder Straßenkünstlers Beast Foto: Affaticati

MAILAND. In seinen Nacht-und-Nebel-Aktionen hängt der Mailänder Straßenkünstler Beast seit fünf Jahren Italiens Politiker, gleich welcher Couleur, an die Mauer. Und jedes Mal woanders. Seine letzte Blitzaktion fand in der Nacht vom 9. zum 10. Oktober statt, in dem an das Künstlerviertel Brera grenzenden Corso Garibaldi.

Am Morgen danach machte jeder, der bei Hausnummer 110 vorbeiging, große Augen. Da hing ein in Goldrahmen gefasstes Bild, das den italienischen Regierungschef Matteo Renzi in einem barocken Salon, in mehrfacher Darstellung zeigte: als Teenager mit Riesenteddy, als Witzbold, als Partyfreak und schließlich als seriösen jungen Mann, der dem Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi die Hand gibt.

Neben Renzi steht die blondlockige, sehr attraktive Maria Elena Boschi, Ministerin für Reformen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sitzt als Einzige und betrachtet amüsiert die Szene. Titel des Werks "I am Me, We are Us and That’s All". Seit fünf Jahren spielt Beast mit den Mailändern Katz und Maus. Immer wieder gibt es Meldungen über ein neu erblicktes Tableaux vivant von ihm – und immer woanders. Wer Beast ist, wissen jedoch nur seine engsten Freunde, alle anderen, Journalisten inbegriffen, müssen sich mit E-Mail-Kontakt begnügen.

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"Man soll über die Bilder sprechen, nicht über mich". Na gut, dann sprechen wir gleich über das letzte Werk, auf dem auch die deutsche Kanzlerin zu sehen ist. "Inspiriert hat mich die Werbung von einem Shampoo. Dort hält ein junger Mann um die Hand seiner Freundin an." Und da in Beasts Werk die Auserwählte die Reformministerin ist, heißt das also, dass Renzi Papà Draghi und Mutti Merkel darum bittet, sein Reformpaket abzusegnen. "Wir Italiener haben über unsere Verhältnisse gelebt und müssen jetzt die Gunst von Merkel gewinnen."

Angefangen hat es mit Silvio Berlusconi

Renzi ist aber nur der letzte einer langen Reihe von Politikern, die Beast künstlerisch verewigt. Angefangen hat es mit Silvio Berlusconi. Das letzte Bild von ihm (es hing in Porta Ticinese, im Navigli Viertel) zeigte ihn, nach der im April kundgegebenen Verurteilung zum Sozialdienst in einem Altersheim, strickend in einer Biedermeierwohnung. Natürlich wurden auch Mario Monti und Enrico Letta, die Nachfolger von Berlusconi, von Beast verewigt. In einem Bild sieht man sie alle drei in einem schrottreifen grün-weiß-roten Fiat Ritmo, ohne Räder und mit der Schrift "Let’s go!"

Beast geht es dabei nicht unbedingt um politische Statements, "aber mal ehrlich, die italienischen Politiker sind doch ein einmaliges Sujet". Und verdienen will er auch nichts daran: "Ich freue mich, wenn ich jemanden damit zum Lächeln bringe." Und in der Tat, wenn man die Leute beobachtet, dann sieht man, dass sie zuerst verblüfft, gleich danach aber amüsiert reagieren und sofort das Handy für ein Foto zücken. Manche finden sie so toll, dass sie selber eine Nacht-und-Nebel-Aktion organisieren, um sie mit nach Hause zu nehmen.

Und was sagt die Stadt zu seinen Werken? Muss er für die besetzte Fläche etwas zahlen? "Ach wo, ich bin doch ein Illegaler. Einige Male hat die Polizei die Bilder schon entfernt. Aber die haben doch Wichtigeres zu tun." Ach ja, nicht zu vergessen: Bilder von Beast wurden auch in anderen Städten gesichtet. Unter anderem in Augsburg, München, Stuttgart, Karlsruhe, Basel und Berlin.

Alle Bilder von Beast im Internet unter http://www.beastmaster.tv

Autor: Andrea Affaticati