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22. August 2017 00:01 Uhr

Schweden

U-Boot-Kapitän packt aus: Vermisste Journalistin ist tot

Der dänische U-Boot-Besitzer Peter Madsen hat in einem Verhör mit der Polizei ausgesagt, die vermisste schwedische Journalistin sei durch ein Unglück an Bord ums Leben gekommen.

  1. Peter Madsen und Kim Wall laufen am 10. August mit der Nautilus aus. Es ist das letzte Bild der seither vermissten Journalistin. Foto: dpa

  2. Madsen an Bord der „Nautilus“ Foto: dpa

Elf Tage nach dem Verschwinden einer schwedischen Journalistin und dem rätselhaften Untergang des selbstgebauten U-Bootes Nautilus, wird bekannt, dass Kapitän Peter Madsen die Leiche der vermissten Journalistin nach einem angeblich tödlichen Unglück im Meer versenkt hat.

Anscheinend hielt der exzentrische Erfinder und U-Boot-Kapitän dem Druck unzähliger Verhöre in der Untersuchungshaft nicht mehr stand. Nun packt er aus. Er habe die vermisste Journalistin Kim Wall vor elf Tagen, angeblich nach einem tödlichen Unglück an Bord, im Meer versenkt, gibt er, laut einer Pressemitteilung der Polizei vom Montag, zu.

Madsen hatte das Geständnis offenbar schon irgendwann vor Freitag abgelegt, so die Zeitung BT. Denn seitdem suchen Taucher gezielt nach der Leiche. Den genauen Ort habe Madsen nicht wiedergeben können, heißt es. Er habe die 30-jährige Journalistin irgendwo in der weiten Køge Bugt südlich von Kopenhagen versenkt, so Madsen.

Der gesamte Fall ist so verwickelt und skurril, dass er an einen skandinavischen Krimi erinnert. Am frühen Donnerstagabend des zehnten Augusts war der 46-jährige Erfinder mit Wall in seinem selbstgebauten U-Boot UC3 Nautilus in See gestochen. Die freie Journalistin wollte über den prominenten dänischen Tüftler, der drei U-Boote daheim gebaut hatte und demnächst mit einer selbst konstruierten Rakete 100 Kilometer weit ins Weltall wollte, einen Artikel schreiben. Am Tag darauf versenkte Madsen das U-Boot absichtlich, wie die Polizei später feststellte. Madsen wurde gerettet, doch von der hübschen Schwedin fehlte seither jede Spur. Auch im danach geborgenen U-Boot war sie nicht mehr.

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Madsen behauptete zunächst, er habe sie noch am Donnerstag um 22.30 Uhr vor Kopenhagen an Land gebracht und sei dann alleine weitergefahren. Davon war auf zwei Überwachungskameras an der beschriebenen Landungsstelle aber nichts zu sehen. Madsen wurde deshalb wegen des Verdachts auf "fahrlässige Tötung" festgenommen. Klarer wurde die Sache zunächst nicht. Offenbar schwieg Madsen einfach, während Walls Eltern und ihr Lebenspartner bangten, und Hunderte von Rettungsarbeitern und Freiwilligen eine umfangreiche Suche nach der Vermissten mit Booten, Hubschraubern und Tauchern durchführten.

Madsen sei nun erleichtert über sein Geständnis, sagte seine Anwältin Betina Hald Engmark dem dänischen Sender TV2 am Montag. Er wolle nun bei der Suche nach der Leiche helfen, sagte sie.

Bislang haben Polizei und Staatsanwaltschaft den derzeit bestehenden Verdacht von "fahrlässiger Tötung unter erschwerenden Umständen" nicht auf "Mord" geändert. Das bedeutet, dass sie Madsen zumindest teilweise das angebliche Unglück abnimmt, sagten Rechtsexperten am Montag. Bereits bei seiner Verhaftung sagte Madsen Journalisten: "Ich habe etwas, dass ich sagen möchte", und verwies auf den anstehenden Termin beim Haftrichter. Der entschied dann aber, dass die weitere Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollte.

Dennoch bleibt offen, warum Madsen die Leiche nach dem vermeintlich tödlichen Unglück versenkt hat und zunächst eine Lügengeschichte auftischte und dann auch noch sein U-Boot versenkte. Derzeit ranken sich die unterschiedlichsten Geschichten um das Wesen des etwas verwirrt wirkenden Tüftlers. Madsen sei als Mensch ein Unikum, sagt sein Bruder Benny Langkjaer Egesö der Zeitung Expressen. "Du kannst mit ihm kein normales Gespräch führen, wenn du ihm aber eine schwarze Tafel zum Zeichnen in die Hand drückst, kann er sich über Zeichnungen ausdrücken", so Langkjaer Egesö.

Der eigenbrötlerische Madsen ist in armen Verhältnissen aufgewachsen. Sein strenger, gefühlskalter Vater war schon 76 als Madsen gerade zum Teenager heranreifte. Die beiden redeten ausschließlich über Wissenschaft, nicht über Gefühle", so der Bruder. Auch heute noch kann Madsen nur über Technik mit den Geschwistern reden, so der Bruder. "Ein Mann besessen von Pulver und Raketen. Faszinierend und unvorhersehbar. Intensiv und hyperaktiv. Ein erwachsener Mann, der sich wie ein ADHS-Kind auf Speed verhält", beschreibt die Dänin Susanne Johansson den Erfinder in der Zeitung BT. Er sei ständig "bis zum Platzen voll von rastloser Energie". Dass einige ihn aber zum Psychopathen abstempeln, sei vermutlich übereilt, schreibt sie.

Mehr Klarheit über Peter Madsen und die tragischen Ereignisse in seinem U-Boot werden wohl erst das Auffinden der Leiche und eine Obduktion ans Tageslicht bringen. Wenn die Leiche überhaupt noch gefunden wird.

Autor: André Anwar