Parteilos für die SPD

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

So, 14. Januar 2018

Freiburg

Der Sonntag Martin Horn, Europakoordinator in Sindelfingen, kandidiert gegen OB Dieter Salomon.

Die Freiburger SPD will dem Rathaus-Chef Dieter Salomon (Grüne) bei der Oberbürgermeisterwahl nicht kampflos das Feld überlassen. Ins Wahlkampfrennen schickt die SPD den parteilosen Martin Horn, bisher Europakoordinator der Sindelfinger Stadtverwaltung.

Der 33-Jährige komplettiert vorerst mit Monika Stein (GAF, Linke), dem von seiner Partei nicht unterstützten Grünen Manfred Kröber und dem der AfD nahestehenden Stephan Wermter das Bewerberfeld.

In der politischen Szene der Stadt hatte man bis Wochenanfang gespannt auf den Kandidaten gewartet, den die Sozialdemokraten gegen Salomon positionieren. Nicht zuletzt deshalb, weil die lokale CDU den Freiburger OB-Wahlkampf zu einem "toten Rennen" deklariert hat und auf einen Gegenkandidaten zum Favoriten Salomon verzichtet.

Nun steht fest: Der Kreisverband sowie die Gemeinderatsfraktion der SPD setzen auf einen in der Stadt gänzlich unbekannten Akademiker. Martin Horn stammt aus dem pfälzischen Annweiler, ist Sohn eines evangelischen Pfarrers, verheiratet, Vater eines Kindes und hat in Bremen und Ludwigsburg Politikwissenschaft sowie Internationale Soziale Arbeit studiert. Auf den Europa- und Entwicklungskoordinator im Sindelfinger Hauptamt wurden die Freiburger Sozialdemokraten durch die baden-württembergische SPD-Generalsekretärin Luisa Boos aufmerksam. Die Freiburger SPD-Fraktionschefin Renate Buchen sowie der Kreisvorsitzende der Partei, Julien Bender, konnten Horn daraufhin überzeugen, gegen Salomon zu kandidieren: "Wir hoffen ab nun auf einen fulminanten Wahlkampf und wollen auch andere Gruppierungen in der Stadt für Martin Horn gewinnen", sagte Bender, als am Dienstag der parteilose SPD-Kandidat präsentiert wurde.

Während seines ersten Gesprächs mit Journalisten in einem Freiburger Hotel wirkte Horn noch steif und sagte Sätze wie: "Mit meiner Kandidatur stehe ich für bezahlbaren Wohnraum, soziale Gerechtigkeit, Digitalisierung und aktiven Bürgerdialog." Oder: "Freiburg als Fahrradstadt stellt dar, was auch meine Familie wertschätzt – wir besitzen kein Auto."

Für Abschaffung der Kitagebühren

Nichtsdestotrotz kündigte er neben dem Einsatz für bezahlbaren Wohnraum noch zwei Themenfelder an, auf denen er Amtsinhaber Salomon stellen möchte: Horn will sich im Wahlkampf für eine "langfristige Abschaffung der Kitagebühren" starkmachen. Und: Am Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Freiburg sei bislang im Bereich der Digitalisierung viel vernachlässigt worden. Vor allem aber möchte er sich in den kommenden Wochen viel mit den Bürgern unterhalten und deren Sorgen kennenlernen: "Ich habe vor, rund 200 Vereine zu besuchen", sagte er.

Eine hohe fünfstellige Summe, so Kreisvorsitzender Bender, wird die SPD in Martin Horns Wahlkampf investieren. Dessen Außenseiterrolle kommentierte die Fraktionsvorsitzende Buchen mit gelassenem Optimismus: "Wir sind überzeugt, in Martin Horn eine echte Alternative zu Oberbürgermeister Salomon zu präsentieren. Nach 16 Jahren Amtszeit ist vieles im Rathaus zum Routineablauf geworden, vor allem beim Wohnungsbau steckt man in Spuren fest."

Bis Wochenanfang musste sich Salomon neben den krassen Außenseitern Kröber und Wermter vor allem auf die Wahlkampfthemen der Kandidatin Monika Stein einstellen, die von der Grünen Alternative Freiburg (GAF) und Junges Freiburg, aber auch von der Partei Die Linke sowie Linke Liste/Solidarische Stadt und den Unabhängigen Frauen unterstützt wird. Als die Kandidatur Horns bekannt wurde, erklärte Stein gegenüber dem Sonntag : "Aus meiner Sicht ist das erfreulich, denn es macht das Angebot bei der OB-Wahl breiter. Auch ist davon auszugehen, dass in einem ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit erhält. Dann wird man sehen, was in einem zweiten Wahlgang passiert. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf Martin Horn."

Diese "gespannte Neugierde" auf den Kandidaten Martin Horn bekunden auch die Fraktionsvorsitzenden der CDU, Wendelin Graf von Kageneck, und der Freien Wähler (FW), Johannes Gröger, im Freiburger Gemeinderat. Graf von Kageneck sagte: "Diese Kandidatur wird den Wahlkampf spannender machen." Mit einer ausdrücklichen Unterstützung durch die CDU-Gemeinderatsfraktion dürfte Horn als "Mann der Mitte" aber kaum rechnen. Mit der Unterstützung einzelner FW-Kommunalpolitiker möglicherweise eher: "Wir wünschen uns künftig mehr Initiative beim Wohnungsbau und weniger Alleingänge", sagte Gröger.