Leser fragen - die BZ antwortet

Partyfotos: Persönlichkeitsrecht wird dem Showeffekt geopfert

Markus Hofmann

Von Markus Hofmann

Fr, 23. Juni 2017

Wir über uns

Zu: "Unity Mensa Party in Freiburg", Fotogalerie (BZ Online, 15. Juni):



Werte Online-Redaktion der BZ,

Mit Überraschung stieß ich auf der BZ-Online-Seite auf Fotos der Unity Mensa Party. Zugegeben, ein bisschen Voyeurismus war dabei, war ich als etwas älteres Semester und Unidozent zwar nicht auf dieser Party, hatte aber von der sagenhaften Stimmung erzählt bekommen. Prompt sah ich die Bekannten offensichtlich guter Laune und mit leicht gläsernem Blick. Ich gönne es ihnen. Aber ob jede/r der Feiernden so in der Öffentlichkeit präsentiert werden wollte? So manches Foto könnte den Dargestellten noch peinlich werden. Bekanntlich vergisst das Internet nie. Hier handelt die BZ entgegen ihrem Auftrag. Persönlichkeitsrechte werden einem billigen Showeffekt geopfert. In den Schulen führen wir (ich bin auch Lehrer) einen mühsamen Kampf, um einen sachgerechten Umgang mit dem Medium Internet zu vermitteln. Wir predigen den Jugendlichen, dass private, eventuell kompromittierende Fotos keinesfalls ins Internet gestellt werden dürfen. Und ausgerechnet das führende Blatt der Region handelt dem zuwider.

  Die Medien müssen sich dem Trend zur Selbstpreisgabe der Privatsphäre widersetzen, dürfen von ihrem Auftrag, seriös zu berichten, um die fundierte Meinungsbildung zu ermöglichen, nicht abweichen, gerade nicht in Zeiten der "Fake News" und verschwörungstheoretischer "Lügenpresse"-Vorwürfe. Hier darf man erwarten, dass die BZ, die doch einen gewissen Qualitätsanspruch hat, ihrer Vorbildfunktion gerecht wird.
Dr. Thorsten Gass-Bolm, Freiburg

Lieber Herr Gass-Bolm,

Sie weisen uns darauf hin, wie wichtig es ist, Persönlichkeitsrechte zu respektieren. Diese Auffassung teile ich. Der Gesetzgeber regelt dieses Recht am eigenen Bild im Kunsturhebergesetz. Es besagt: Jeder soll selbst entscheiden, ob er fotografiert und das Foto veröffentlicht werden darf. Liegt diese Einwilligung nicht vor, akzeptiert der Gesetzgeber nur wenige Ausnahmen – zum Beispiel bei Personen oder Ereignissen der Zeitgeschichte, bei Versammlungen und Demonstrationen – oder wenn Personen nur als Beiwerk auf einem Bild zu sehen sind, bei dem ein ganz anderer Aspekt im Zentrum der Aufmerksamkeit steht.

  Eine Studentenparty in Freiburg fällt sicherlich nicht unter diese Ausnahmen. Dennoch opfern wir mitnichten – wie von Ihnen moniert – die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten. Denn: Unsere Fotografin hat die Personen, die auf den Bildern zu sehen sind, um ihr Einverständnis gebeten. Dies müssen alle Fotografen, die für die BZ in Südbaden bei Veranstaltungen fotografieren, beachten.

  Natürlich kann es vorkommen, dass eine Person auf einem Partyfoto zu sehen ist und dies später bereut. In solchen Fällen ist unsere Redaktion kulant und löscht das Bild – es genügt eine E-Mail mit einem kurzen Hinweis an
community@badische-zeitung.de.

 Dies bedeutet aber nicht, dass die BZ alle Fotos auf Zuruf löscht. Wir prüfen jedes Löschgesuch individuell und lehnen auch Anfragen ab – zum Beispiel, wenn ein Unternehmer nichts mehr über seine gescheiterte Kandidatur bei einer Wahl im Internet lesen möchte. Oder wenn die Musiker einer Band mit einem alten Konzertfoto unzufrieden sind, weil die Frisuren schlecht sitzen – und das Foto entfernt sehen wollen.

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