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15. Februar 2010 12:06 Uhr

Zunftabend in Pfaffenweiler

"Eifach üsem Alldag schlupfe" war das Motto

Gut 300 Narren freuten sich in der Batzenberghalle am Bühnenprogamm der Schneckentalnarren aus Pfaffenweiler.

  1. „Bauer“ Wolfgang Jehle hat eine Frau (Ilse Harderer) gefunden und wirft vor Freude Rosenblätter in das Publikum. Foto: Barbara Schmidt

  2. Lothar Hanser in der Bütt. Foto: Barbara Schmidt

  3. „Bauer“ Wolfgang Jehle sucht eine Frau. Foto: Barbara Schmidt

  4. Michael Martin (links) als Bruce Darnell mit einer Kandidatin bei Pfaffenweiler sucht den Superstar (PSDS). Foto: Barbara Schmidt

  5. Die erste öffentliche Sitzung des Vorhocker-Gremiums mit (von rechts) Benni Matthiß, Rico Stressler, Lothar Hanser und Christian Kiefer. Foto: Barbara Schmidt

  6. Bruno Weber, Dirigent der Schneckental-Musikanten, einmal anders. Foto: Barbara Schmidt

Angela Merkel eröffnete den Zunftabend der Pfaffenweilermer Schneckennarren. In einer (zugegeben nicht echten) Video-Botschaft bat die Kanzlerin um Verständnis dafür, dass die Narren wegen der Wirtschaftskrise nur eine Aufzeichnung ihres letztjährigen Zunftabends zeigen könnten. Nach einer Schrecksekunde bekam das Publikum in der ausverkauften Batzenberghalle dann aber doch ein ganz neues Bühnenprogramm zu sehen.

Es dauerte sogar bis nach Mitternacht.

"Wir haben weder Kosten noch Mühen gescheut", so der Vorsitzende Lothar Hanser und lud die gut 300 Zuschauer ein, ihre Sorgen einfach mal links liegen zu lassen. Oder anders gesagt: "Eifach üsem Alldag schlupfe". Die Narren hatten einen groben Ablaufplan, aber "bei uns läuft vieles spontan", so Hanser. So wurde auf der Bühne munter improvisiert, was dem Abend viel Leichtigkeit verlieh.

Die große wie die kleine Politik bekam hier ihr Fett weg. Der Gemeinderat zum Beispiel, was der alles kaufen wolle: Die Stube, den Seilerkeller, ein neues Rettungszentrum und noch mehr, lästerten die Stammtischbrüder Wolfgang Beck, Michael Batt und Lothar Hanser. Die Narren konnten auch über sich selber lachen, wie Hanser am Beispiel seiner (erfolglosen) Kreistagskandidatur zeigte. Rico Stressler schilderte, wie sie 2009 zu Fuß zum Umzug nach Bad Krozingen gehetzt sind. Vorher hatten sie sich beim VfR noch schnell ein paar Narren ausgeliehen, denn die Zunft hat nur sieben aktive Mitglieder. Das ist immerhin einer mehr als zuletzt – Hannes Luhr ist neu dabei –, dennoch war die Mitgliederzahl ein Thema. Bruno Weber etwa fragte, wo all die Schneckennarren seien. "Jetzt macht’s der Lothar fast alleine, unsere schöne Narretei", bedauerte er und forderte alle auf: "Macht mit, damit nächstes Jahr wieder eine Zunft hier oben steht."

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Weber hatte neben seinem Soloauftritt noch eine viele wichtigere Aufgabe: Er leitete die Schneckental-Musikanten, die das Programm mit Musik würzten. Für rockige Töne sorgten Lothar und die beiden Sandras (mit Nachnamen Hanser und Zenzen). Die Zuschauer – viele in fantasievollen Kostümen – belohnten jeden mit einem dreifachen "Häck-Mäck-Schneck-Schneck". Ausgenommen Zunft-Anwärter Hannes Luhr, denn er brachte dem Publikum gleich einen neuen Ruf bei: "Häck-Mäck-Oooohm".

Höhepunkt im ersten Teil war die Band ohne Namen: Eberhard und Michael Eckerle, Alfons Weber und Arved Weiland musizierten, während Wolfgang Jehle, als Bauer verkleidet, durch die Halle lief. "Ich suche Frau", rief Jehle immer wieder, bis er in Gestalt von Ilse Haderer schließlich eine fand. Das junge Paar sang dann fröhlich ein Lied nach dem anderen.

Nach der Pause durften die Zuschauer die erste öffentliche Vorhocker-Sitzung miterleben. Das Organisationskomitee für das Schneckenfest musste sich eingestehen, dass "der Klowagen am Hock weg" keine gute Entscheidung gewesen war. Also was tun? Bürgermeister Dieter Hahn (alias Rico Stressler) schlug vor, alle Anwohner in der Kapellenstraße zu verpflichten, ein Klo bereit zu halten. Martina Waldkirch (gespielt von Christian Kiefer) wollte lieber 1000 Ein-Euro-Pfand-Pinkelflaschen anschaffen. Lothar Hanser als Fritz Gutgsell sagte nur: "Eines ist doch sonnenklar, wo ich noch Bürgermeister war, da wär das nicht passiert". Die Runde, zu der auch Vereinssprecher Alex Sautermeister (alias Benni Matthiß) gehörte, fand ein passendes Motto für das nächste Fest: "Chasch wieder schissä am Schnecke-Fescht".

Originell war auch die Idee von Doris Sori und Benni Matthiß, aus der Kirche ein kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen zu machen, das Gottesdienstbesuche nach dem Sunday-Morning-Grundtarif abrechnet und seine Kunden Tabernakel-Bonuspunkte sammeln lässt. Zum Schluss suchte Pfaffenweiler dann noch seinen Superstar, wie in der bekannten Fernseh-Castingshow. Danach wurde in der von Gottfriede Hengst geschmückten Halle noch weiter gefeiert. Die Guggemusik spielte, der Turnverein bewirtete. Marc Blattmann kümmerte sich hinter der Bühne um die Technik.

Autor: bas