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29. Mai 2017

Nicht nur zelebriert, auch brilliert

Jugendblasorchester Breisgau spielt in Pfaffenweiler im Rahmen des 125-jährigen Bestehens des Oberbadischen Blasmusikverbands.

  1. Das Jugendblasorchester unter der Leitung von Nicholas Reed Foto: Jonas Hirt

  2. Julian Knörzer beim Auftritt des Improworkshops Foto: Jonas Hirt

PFAFFENWEILER. Blasmusik trifft auf Beatboxen – Tradition auf Moderne. Der Oberbadische Blasmusikverband feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Mit "Jugend zelebriert" findet in der Batzenberghalle Pfaffenweiler der Beitrag des Nachwuchses zum Festprogramm statt. Zunächst wird den Zuschauern in der vollbesetzten Halle das Ergebnis des Improvisationsworkshops vorgeführt. Anschließend zeigt das Jugendblasorchester Breisgau sein Können unter der Leitung von Nicholas Reed.

Ein Mann auf der Bühne, er pustet Geräusche in sein Mikrofon. Hinter ihm sitzt das Orchester, ohne zu spielen. Die Laute des Mannes klingen wie ein Schlagzeug. Doch die Person auf der Bühne ist Julian Knörzer, kein Schlagzeuger, sondern ein Beatboxer. Aus dem Hintergrund zischt es. In U-Form haben sich Teenager in der Halle an den Wänden aufgestellt. Reihum gehen die Laute. "Wie Dolby Surround", sagt ein Zuschauer. Sie bekommen gerade die Ergebnisse des Workshops zu hören. Mit drei Dozenten studierten Nachwuchsmusiker den ganzen Tag Improvisationen für Blasmusik und Beatboxen ein. Tamino Franz mit der Posaune ist auch einer der Dozenten. Nach Knörzer gibt er das Kommando vor, zusammen mit einer Saxophonistin und einem Schlagzeug. Die Verbindung zwischen traditioneller Blasmusik, moderner Spontaneität verbunden mit Beatboxen funktioniert.

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Die Darbietung des Jugendblasorchesters übersteigt den gelungenen Einstieg. Unter der Leitung von Nicholas Reed, der dritte Dozent des Workshops, spannen die Musiker den Bogen von der Renaissance bis in die Gegenwart – eine mutige, aber gelungene Reise durch die Musikepochen. Den Auftakt bildet "The Battle Pavane" aus dem Jahr 1551 von Tielman Susato in einem Arrangement von Bob Margolis. Das zweite Stück gehört dem herausragenden Klarinettenensemble: der Marsch der Priester aus Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöte.

Zeitlich betrachtet endet die Reise im Jahr 2012 mit "Skyfall", bekannt durch die britische Sängerin Adele aus dem gleichnamigen James Bond Film. Komponiert ist das Stück von Paul Epworth, gespielt wird ein Arrangement von Jay Bocock. "Skyfall" wurde mit einem 77-köpfigen Orchester aufgenommen. Das kleinere und hauptsächlich mit Bläsern besetzte Jugendorchester meistert aber nicht nur die düstere Anfangspassage, sondern auch die wuchtigen Steigerungen im Refrain.

Die jungen Musiker zeigen ihre Vielfältigkeit, das wird vor allem im letzten Stück des Abends deutlich: Cajun Folk Songs II von Frank Ticheli. Die Bevölkerungsgruppe der Cajuns lebt hauptsächlich im US-Bundesstaat Louisiana. Sie sind die Nachfahren der akadischen Franzosen, die im 18. Jahrhundert aus Kanada vertrieben worden sind. Die Musik der Cajuns ist eine der ältesten Volksmusiken der USA. Das 1997 komponierte Stück enthält im ersten Abschnitt eine melancholische Ballade. Im zweiten Teil folgt der abrupte Wechsel zu "Country Dance". Der Sprung gelingt und das Publikum erfährt in kürzester Zeit, wie vielseitig Blasmusik sein kann. Statt auf der Fiddle, dem ursprünglich typischen Cajuninstrument, wird die Melodie in Pfaffenweiler unter anderem auf Saxophon, Trompete und Querflöte präsentiert. Ein würdiger Abschluss des Programms.

Claudia Weiß, Geschäftsführerin der Bläserjugend, verdeutlicht die musikalische Entwicklung des Orchesters. Während der Verband sein 125-jähriges Bestehen begeht, kann der Nachwuchs ein kleines Jubiläum feiern: Seit fünf Jahren gibt es das Orchester. Seither steigere es sich im Niveau, so Weiß. Pfaffenweilers Bürgermeister Dieter Hahn betont die Wichtigkeit der musikalischen Erziehung für Kinder und den allgemeinen Stellenwert: "Musik verbindet, Musik tut gut", sagt Hahn.

Verbandspräsident Harald Bobeth hebt nach dem Konzert die Bedeutung der Jugendarbeit in den Vereinen hervor. Lob gibt es nicht nur für das Orchester, sondern auch für den Improvisationsworkshop: "Das war einfach großartig", bekennt Bobeth. Dabei betont er auch die Wichtigkeit, dass beim Jubiläum der Nachwuchs eine eigene Veranstaltung hat.

Karin Horst, Vorsitzende der gastgebenden Batzenberger Winzerkapelle, lobt Dirigent Nicholas Reed. Dieser habe sich seit mehr als einem Jahr Gedanken über das Programm gemacht. "Er wollte auf einen großartigen Höhepunkt hinarbeiten. Und das ist ihm heute Abend mit diesem sensationellen Orchester gelungen", so Karin Horst. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Autor: Jonas Hirt