Podiumsdiskussion der Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine

Ein bisschen Trump im Bürgerhaus

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Mi, 28. März 2018

Freiburg

Das Bürgerhaus Zähringen war voll am Montagabend bei der Podiumsdiskussion mit vier der sechs Kandidaten für die OB-Wahl am 22. April. „Ich bin überwältigt“, sagte Ingrid Winkler, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine (AFB), der Gastgeberin des Abends.

Das Format: Diese "Podiumsdiskussion" war keine im klassischen Sinne. Die Fragen kamen vom Publikum: Das konnte beim Betreten des Saals nach Themen geordnet Fragen auf Zetteln formulieren. Eine kluge Entscheidung, denn so umging man zum einen das häufige Problem solcher Beteiligungsformate, dass einzelne Zuschauer lange Monologe halten (die dann oft gar nicht in einer Frage mündet). Zum anderen kamen so auch diejenigen zum Zuge, die nicht den Mut haben, vor Hunderten von Menschen ins Mikrofon zu sprechen. Ein Gongschlag sorgte für Disziplin bei den Redezeiten.

Moderiert wurde der Abend von Dirk Kron, Umweltingenieur, freiberuflicher Organisationsberater, Moderator und Mediator. Sein Credo: "Es geht hier weniger ums Gestern, sondern ums Morgen." Seine Devise: "Klar in der Sache, fair im Ton." Kron machte seine Sache gut.

Die Themen: Die Fragen des Publikums waren in die Blöcke "Wohnen in Freiburg", "Leben in Freiburg" und "Mobil sein in Freiburg" aufgeteilt; als Abschluss gab es noch eine Runde mit "Jokerfragen". Außen vor blieben die viel diskutierten Themen Sicherheit, die Flüchtlingsbetreuung, Stadtentwicklung und die städtische Gedenk- und Kulturpolitik.

Die Kandidaten: Eingeladen waren alle sechs Bewerber: der grüne Amtsinhaber Dieter Salomon, der parteilose, von der SPD unterstützte Martin Horn, Grünen-Mitglied Manfred Kröber, der als unabhängiger Kandidat antritt, und der parteilose Anton Behringer. Die beiden anderen Kandidaten waren nicht da. Die von einem Linksbündnis unterstützte Monika Stein ließ sich aus privaten Gründen entschuldigen. Anders als der parteilose Stephan Wermter, der weder zu- noch abgesagt hatte und einfach nicht erschien.

Das Publikum: 400 Bürgerinnen und Bürger, eher mittleren und fortgeschrittenen Alters, waren ins Bürgerhaus Zähringen gekommen. Auffallend groß und lautstark war die Gruppe der Salomon-Gegner, für den Amtsinhaber gab es einmal sogar Buh-Rufe.

Die Motivation: Anton Behringer redete in einem Punkt Klartext – einen neuen Stadtteil lehne er rundweg ab. Hohe Verkehrsbelastung, Luftverschmutzung, Dreck, Kriminalität, Schulden, Behringer sorgt sich um seine Stadt. Er wolle nicht, dass aus der Toskana Deutschlands Klein-Frankfurt werde, so der 51-Jährige. Wie er Freiburg wieder zur "Wohlfühlstadt" machen will, sagte er konkret aber nicht. Sein Herz schlage für Freiburg und nur für Freiburg: "Es gäbe keine andere Stadt, für die ich das machen würde."

Manfred Kröber kommentierte sein Markenzeichen – die grasgrüne Fliege –, die "nicht schwarzgrün, sondern grün im originären Sinne" sei. Er äußerte die "Sorge, dass die Stadt sich in eine Richtung entwickelt, die ihr nicht gut tut." Martin Horn, im Sindelfinger Rathaus für Europa zuständig, pries sich als "bodenständig, mit Blick über den Tellerrand". Er spüre in der Stadt Stillstand und einen enormen Wunsch nach Veränderung. Der OB gab sich derweil als Elder Statesman. Er habe nicht grübeln müssen, nochmals anzutreten, der Job mache ihm nach wie vor Spaß: "Ich will’s nochmal wissen."

Die Schwerpunkte: Der 33-jährige Horn hob bei der Wohnungspolitik die Rolle der Freiburger Stadtbau hervor, die vieles beeinflussen könne. 50 Prozent geförderten Wohnungsbau bei Neubauten finde er richtig. Die Stadt verkaufe zu viele Grundstücke und kaufe zu wenige an. Horn forderte ein Leerstandskataster und verwies auf Vorreiter wie Ulm oder Wien, von denen man lernen könne. Wie und was genau, ließ er offen.

Den Vorschlag mit dem Leerstandskataster konterte Salomon: "Das haben wir im Rathaus rauf und runter gemacht." Eine 50-prozentige Förderung sei zu hoch, das gebe es in ganz Deutschland nicht. Wenn die Leute Bauland verkauften, könne die Stadt nicht mithalten. Mehrfach betonte er die Verantwortung für nachfolgende Generationen: "Wegen mir müsste Freiburg nicht wachsen, aber wir müssen doch was für die jungen Leute tun."

Anton Behringer plädierte in bester Trump’scher "America First"-Manier beim Bauen für "einen privilegierten Zugang für Freiburger", Investoren müssten ausgesperrt werden. Auf die konkrete Frage nach dem Angebot für Jugendliche hatte er hingegen wenig zu sagen: "Die Stadt ist für Jugendliche sicherlich nicht so schlecht aufgestellt." Kröber wollte der Jugend indes Grenzen setzen: "Die Ergebnisse grenzenloser Freiheit sieht man sonntagmorgens um fünf."

Die Lacher des Abends lieferten die Außenseiter. Kröber, als er Horns 100-Tage-im-Amt-Szenario auf die Schippe nahm: "Wenn Sie in 100 Tagen alles erledigt haben, wird hier eine Stelle frei." Behringer sorgte für Erheiterung mit seinem Blick in die Zukunft: In acht Jahren sei er OB, die Stadt habe 20 Prozent weniger Schulden, weniger Staus, sanierte Schulen, Glasfaserkabel für alle, ein Stadion in der Spiegelvariante, der SC sei Dritte – "und jede Fraktion will, dass ich Mitglied werde." Da musste Salomon, dem per Los das Schlusswort zufiel, schmunzeln: "Nach diesem Beitrag habe ich das Gefühl, dass die Wahl entschieden ist."