Drangsal

POP: Noch hemmungsloser

Simon Langemann

Von Simon Langemann

Mi, 25. April 2018

Rock & Pop

Dass auch die zweite Drangsal-Platte "Zores" mit dem Stilmittel des musikalischen Kontrasts eröffnet, muss kein Zufall sein: Produziert hat sie unter anderem Max Rieger, der Gitarrist der Nerven. "Ein Empfang, so wie ich ihn mir wünsche / keine Sorgen, keine Angst vor morgen", säuselt Sänger Max Gruber, dann setzt mit voller Wucht eine fast musicalhafte Dramatik ein. Zwei Minuten dauert dieser eigenartige Einstieg, ehe einen "Jedem das Meine" ansatzlos in die Soundwelt zurückholt, mit der dem 1993 geborenen Pfälzer vor zwei Jahren einer der Indie-Hypes des Jahres gelang: den Wave-Pop der Achtziger, gespickt mit Andenken an The Cure, Tears For Fears, The Smiths und Prefab Sprout. Doch zwei Jahre später klingt Gruber stilistisch ausdifferenzierter, auf instrumentaler Ebene rockiger, während er sich im Songwriting noch hemmungsloser seinem Hang zum Popkitsch hingibt – und neuerdings zu 80 Prozent auf Deutsch singt. Eine gewagte Kombination, davon zeugt schon alleine ein Titel wie "Magst du mich (oder magst du bloß noch ein altes Bild von mir)". Doch Max Gruber gelingt der Drahtseilakt erneut ohne Mühe.

Drangsal: Zores (Caroline Records).