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20. Juni 2012

Unterm Strich

Popmusik, wissenschaftlich analysiert: Darwin und die traurigen Hits

Was die Wissenschaft über populäre Musik herausgefunden hat / Von Thomas Steiner.

Die Zeiten ändern sich, sang einst Bob Dylan. Und die Musik ändert sich bekanntlich mit. Aber wie genau funktioniert das? Britische Forscher haben es in einem Experiment gezeigt, dessen Ergebnisse gerade veröffentlicht wurden. Musik entwickelt sich genauso, wie sich Pflanzen, Tiere und Menschen entwickelt haben: nach den Gesetzen der Darwinschen Evolutionstheorie.

Man muss sich das so vorstellen: Die Forscher ließen ein Computerprogramm beliebige Tonfolgen produzieren. Dann durften Hörer sagen, ob ihnen diese gefielen oder nicht. Aus den Tonfolgen, die besonders gut ankamen, mischte das Programm neue zusammen, und wieder wurde bewertet. Nur die an ihre Umwelt – die Hörer – am besten angepassten Tonfolgen überlebten also. Und entwickelten sich im Laufe der Zeit weiter. Und siehe da: Aus zufälligen Tonfolgen wurden welche, die unseren heutigen Hörgewohnheiten entsprechen.

Was die Forscher beweisen wollten: Es braucht keine genialen Komponisten, um schöne Musik hervorzubringen. Ob man das so sagen kann, darf man zwar bezweifeln. Schließlich ging es in dem Experiment um achtsekündige Tonfolgen, nicht um Songs oder Symphonien. Aber zumindest haben die Briten gezeigt, wie eine Hörerschaft Hits macht und wie diese immer besser zu ihren Bedürfnissen passen.

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Dazu passt noch eine andere, vor zwei Wochen vorgestellte Studie: Deutsche und kanadische Forscher haben mehr als tausend Titel untersucht, die in den vergangenen 50 Jahren in der US-Hitparade platziert waren. Ergebnis: Früher waren die Hits eher fröhlich, schnell und in Dur, heute sind sie eher traurig, langsam und in Moll. Was aber nicht heißt, so die Forscher, dass die Hörerschaft immer trauriger werde. Nein, es sei wohl eher so, dass die Popmusik-Konsumenten heute in der Lage seien, auch emotional komplexere Stücke zu goutieren. Anders gesagt: Die Evolution hat hier zu mehr Tiefgang geführt. Charles Darwin hätte es nicht anders vermutet.

Autor: tst