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20. August 2012

Präsentation beschließt Sommer-Uni

Jury zeichnet vier studentische Projekte zur Dorfentwicklung aus / Auch Rainer Baur, Leihgeber des Jugendraums, erhält einen Preis.

  1. Die drei Preisträgerinnen mit der Leiterin der Sommeruni, Prof. Kerstin Gothe, und Jurymitglied Prof. Christian Wagner von der HTW Chur, der das Projekt vorstellte (von rechts) Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

  2. Die Projektgruppe "Im Zeichen der Ananas" überreichte Rainer Baur (Zweiter von rechts) die "Goldene Türklinke 2012" für die Bereitschaft, seinen Leerstand zur temporären Nutzung freizugeben Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

MENZENSCHWAND / BERNAU. Zahlreiche Bürger verfolgten am Freitag in Menzenschwand Abschlusspräsentation und Prämierung der Projekte, die während der zurückliegenden neuntägigen Sommer-Uni mit dem Titel "Update Schwarzwald" in Menzenschwand entstanden waren. Als vielversprechendstes Projekt prämierten die Juroren die Arbeit dreier Studentinnen mit dem Titel "Werkraum Schwarzwald".

Die Preisträger hatten die Juroren bereits am Freitagvormittag in einer nichtöffentlichen Konferenz gefällt. Die insgesamt neun Arbeiten, die die Studenten teils in Gruppen, teils als Einzelleistungen ausgeführt hatten, wurden am Freitagabend von Mitgliedern der Jury vorgetragen und zugleich mit einer kurzen Bewertung versehen.

Ausgehend von einer spannenden kleinen Analyse von Altersstrukturen vor Ort einerseits und dem Rückgang des Tourismus andererseits hatten die drei Studentinnen in ihrem Siegerprojekt "Werkraum Schwarzwald" für die Gemeinden den Vorschlag ausgearbeitet, sich geeignete Partner zu suchen. Ein Beispiel für eine derartige erfolgreiche Kooperation war die Sommer-Uni selbst. Die Idee der Partnerschaft enthalte ein hohes Potenzial und sei einfach umzusetzen, würdigte Jurymitglied Professor Christian Wagner von der HTW Chur. Zudem habe die Gruppe durch ihre klar strukturierte und zu Ende gedachte Planung überzeugt.

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Für mehr Vielfalt bei Übernachtung und Verpflegung

Auf den zweiten kamen gleichauf zwei sich ergänzende Konzepte: ein unter dem Logo "Mix & Menz" ausgearbeitetes neuartiges Unterkunftsangebot sowie das Projekt mit dem Titel "Stadthunger – Landlust". Ersteres sei die verblüffend originelle Idee, so Antje Stokman von der Universität Stuttgart, das bestehende relativ homogene Übernachtungs- und Verpflegungsangebot aufzubrechen und gleichzeitig die Kooperation zwischen den Anbietern vor Ort, etwa Vermietern, Hoteliers und Sportveranstaltern, zu intensivieren. Die Gruppe hat zudem einen Katalog entwickelt, aus dem jeder Gast individuell kombinieren kann, was er sich für seinen Urlaub wünscht. Die Jury sah in dieser Arbeit eine Chance zur Dorfentwicklung, die allerdings hohe Anforderungen an die Innovations- und Kooperationsbereitschaft vor Ort stelle.

Das Projekt "Stadthunger – Landlust" hatte die zahlreichen handwerklichen und kunsthandwerklichen Fähigkeiten der Einwohner und deren touristische Verwertbarkeit in den Blick – "mit viel Empathie und einem für die Dorfentwicklung stimulierend wirkenden Einfühlungsvermögen", lobte Marina Hämmerle, Direktorin des Vorarlberger Architektur-Instituts.

Den Sonderpreis der Jury erhielt das Projekt "Im Zeichen der Ananas", das der Menzenschwander Ortsvorsteher Joachim Gfrörer vorstellte. Die Gruppe hatte es innerhalb der kurzen Zeitspanne ihres Aufenthalts fertiggebracht, mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, einen Leerstand zu finden, dessen Besitzer sich einverstanden erklärt hatte mit der vorgeschlagenen Nutzung auf Zeit, und einen Jugendraum zu installieren. Die drei Studenten überreichten ihrerseits Rainer Baur für seine beispielhafte Bereitschaft zur Eröffnung neuer Räume die "Goldene Türklinke 2012".

Nach der Abschlusspräsentation konnten die beeindruckend vielen Zuhörer im Menzenschwander Kurhaus die Projekte an den aufgestellten Stellwänden näher in Augenschein nehmen und die Studenten dazu befragen.

Mehrere Redner würdigten die Leistungen der Studenten, aber auch die Offenheit, Gastfreundschaft und Unterstützung, mit der die einheimischen Bürger dem Tun der Akademiker während der zurückliegenden Tage begegneten. Martin Baumgartner vom Ministerium für Ländlichen Raum sprach in seinem Grußwort von einer "unschätzbaren Ideenflut", die auf die Gemeinden Bernau und St. Blasien zugekommen sei. Diese hätten nun ein Luxusproblem, denn in jeder Arbeit stecke Verwertbares, das weiterverfolgt werden könne.

Roland Schöttle: Sommer-Uni schreit nach einer Fortsetzung

Köbi Gantenbein, Chefredakteur der Schweizer Zeitschrift für Architektur und Design "Hochparterre", meinte, die jungen Leute hätten mit großer Sensibilität für das Vorhandene auch Themen bearbeitet, die weit in Randbereiche ihrer bisherigen Arbeit vorgestoßen seien wie etwa Verkehrskonzepte oder Fragen der Energiegewinnung, und hätten damit zukunftsfähige Denkansätze für die Region geliefert.

Roland Schöttle, Geschäftsführer des Naturparks Südschwarzwald, lobte besonders die Lebensnähe der bearbeiteten Themenkomplexe und zog das Fazit, diese Sommer-Uni schreie geradezu nach einer Fortsetzung im kommenden Jahr.

WEITERE PROJEKTIDEEN,

die im Rahmen der Sommer-Uni entstanden: "Authentische Täler – autarke Region" mit der Konzeption eines innovativen Energiemixes von Wasser-, Wind-, Biomasse- und Solarenergie, angepasst an das Landschaftsbild; "Bed ’n’ Job – Schwarzwald auf Probe" mit der Konzeption einer Zentrale, in der Neuankömmlingen Wohnraum und Infrastruktur zugänglich gemacht wird; ein interkommunales "Leerstandsmanagement" mit Datenbank für den gesamten Südschwarzwald; "Sport Schwarzwald", eine Einzelarbeit, die den Imagewandel vom Kurort zum Sporttourismusort mit standortflexiblen, begehbaren Hinweisstationen unterstützen möchte; "Easy Combi", ein Projekt, das, ausgehend vom schwachen Angebot im Bereich des ÖPNV, auf Ruftaxi und E-Bike setzt.  

Autor: kss

Autor: Karin Steinebrunner


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