Pramira ist einfach nur glücklich

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Mo, 24. Dezember 2012

Gundelfingen

Spenden aus Gundelfingen und Denzlingen haben in Indien schon viel erreicht / Die Aktion "Wasser ist Leben" dankt Spendern.

GUNDELFINGEN/MUMBAI. "In Worten können wir unsere Dankbarkeit für eure Unterstützung nicht so ausdrücken, wie wir es fühlen. Danke für alles!" Kurz vor Weihnachten trafen diese Zeilen von Schwester Leela aus Indien in Gundelfingen ein. "Ihr habt Frieden, Freude und Glück mit denjenigen geteilt, die weniger Glück im Leben haben", so die Generaloberin, die sich bei Spendern in Gundelfingen und Denzlingen bedankt.

Seit mehr als 15 Jahren helfen kleine und große Bürger, Firmen und selbst die Gemeinde Gundelfingen über die Initiative "Indienhilfe – Wasser ist Leben" vielen Kindern in Indien. Umgesetzt wird die Hilfe vor Ort vom Orden "Helpers of Mary" unter Leitung der Generaloberin Schwester Leela. Die Ordensgemeinschaft ist in 52 Hilfszentren Indiens tätig. "Wir können von einigen Erfolgen im Jahr 2012 berichten", schreibt Schwester Leela. In den 28 Ambulanzen, mobilen Kliniken und Krankenstationen in abgelegenen Dörfern und Slums wurden über 137 000 Patienten geholfen. Über 3000 arme Schüler bekamen warmes Essen, Obst und Snacks. "Außerdem wurden Betttücher, Haushaltsutensilien, Unterwäsche und warme Kleidung verteilt." Die Zahl der Sprösslinge, die Kindergärten und Vorschulen besuchen, steigt stetig. Mehr als 1445 Kinder besuchen Sing,- Tanz- und Schreibkurse des Ordens. In den 20 Kinderheimen, die von den Schwestern unterhalten werden, leben 4188 Mädchen, die alle eine Schule besuchen. Viele der Mädchen bekommen nach ihrer Ausbildung eine Stelle als Lehrerin, Krankenschwester, Schneiderin, Tänzerin oder Kosmetikerin. "Ich danke euch von Herzen für eure finanzielle Unterstützung. Ihr helft uns, heranwachsenden Kindern Schulbildung und Fürsorge zu geben", schreibt Schwester Leela.

So wie Pramira. Die 20-Jährige hat erst kürzlich einen Job als Schwesternhelferin an einer Privatklinik in Mumbai angetreten. Pramira stammt aus einem entlegenen Dorf im Landesinneren. Trotz guter Noten konnte sie keine weiterführende Schule besuchen, denn dazu fehlte der Familie das Geld. In der neuen Bildungsakademie, die auf dem Gelände der Ordenszentrale der Helpers of Mary liegt und vom Gundelfinger Verein unterstützt wird, wurde sie zur Schwesternhelferin ausgebildet – und ist heute einfach nur glücklich. Neben dem Kurs zur Schwesternhelferin gibt es hier auch Angebote im Kosmetikfach, Schneiderhandwerk, Hausmeisterservice und Elektrofach. Alle Ausbildungskurse schließen mit staatlich anerkannten Zertifikaten ab.

"Nur wenige Jugendliche haben so viel Glück", weiß Gerda Geretschläger. Nach mehr als sieben Jahren besuchte die Gründerin und Vorsitzende der "Indienhilfe – Wasser ist Leben" alle vom Verein unterstützten Hilfsprojekte, um zu sehen, wie die Gundelfinger Spendengelder eingesetzt werden. "Während meiner Reise habe ich viele, sehr glückliche junge Menschen getroffen, die mit unserer Hilfe den Sprung in die Berufswelt geschafft haben. In allen Hilfszentren machen die Kinder einen sauberen, gesunden, fröhlichen Eindruck und haben große Zukunftspläne", erzählt Gerda Geretschläger. Auch die Kinder mit Aids gehen zur Schule. "Mit Bildung den Teufelskreis der Armut durchbrechen und auf eigene Füße kommen – das ist das gemeinsame Ziel von Orden und Verein", sagt sie. "Gute Bildung aber braucht günstige Voraussetzungen wie gesunde Ernährung und gesunde Wohnverhältnisse. Dafür hat der Gundelfinger Verein in bislang sieben Hilfszentren gesorgt."

An schulfreien Tagen versammeln sich Frauen-Selbsthilfegruppen in den Ausbildungsstätten. Die Schwestern informieren über Rechte, Hygiene, richtige Ernährung, Einkommensbildung, staatliche Impf- und Gesundheitsprogramme. Mangelhafte Unterkünfte und fehlende sanitäre Einrichtungen sind in Indien ein hohes Gesundheitsrisiko. Mit der Hilfe aus Gundelfingen gelang es, 2012 für 25 Familien feste Unterkünfte und Toiletten zu bauen.

Mit der Hilfe aus dem Breisgau wurde in abgelegenen Regionen des Landesinneren für Wasser gesorgt. Dort stehen die Frauen früh morgens auf, um Brennholz in den Wäldern zu sammeln und auf den Feldern zu arbeiten. Nach ihrer Rückkehr müssen sie die häuslichen Arbeiten erledigen. "Abgearbeitet und müde müssen sie dann noch meilenweit laufen, um Wasser zu holen, was ihre Gesundheit weiter strapaziert", schreibt die Generaloberin. Neun Brunnen, finanziert mit Vereinshilfe, haben die Lage dieser Frauen und ihrer Familien nachhaltig verändert. "Ich konnte mich davon überzeugen, dass alle Brunnen, Regenwasserspeicher- und Solarprojekte, die mit unseren Spenden finanziert wurden, einwandfrei funktionieren", versichert Gerda Geretschläger. Und weiter: "Wir wollen auch im kommenden Jahr für den Unterhalt und die Bildung der ärmsten Kinder und dazu für Wasser, bessere Ernährung und umweltfreundliche Energien sorgen. Bei den Marys können wir sicher sein, dass jeder Cent ankommt."

Die Wunschliste 2013 in Indien ist lang. Dazu braucht der Verein "Wasser ist Leben" Spenden. Das Konto bei der Raiffeisenbank Gundelfingen lautet: 3030300, Bankleitzahl 68064222. Weitere Informationen stehen auf http://www.indienhilfe-wasser-ist-leben.de