Proportionen zurechtrücken

Michael Specht (SP-X)

Von Michael Specht (SP-X)

Sa, 08. September 2018

Auto & Mobilität

BZ-VORSTELLUNG: Ford Focus / Der Neue ist gut aufgestellt, um im Kompaktwagensegment anzugreifen.

Neue Plattform, neues Design und viel neue Technik. Nie zuvor investierte Ford mehr in die Erneuerung seines Erfolgsmodells Focus.

Obwohl er weltweit zu den erfolgreichsten Autos zählt: In der deutschen Kompaktklasse muss der Focus die klare Dominanz des Wolfsburgers anerkennen. Mit der nun vierten Generation des Kompaktklässlers will Ford das ein wenig korrigieren. Dazu wurden auch das Design und die Proportionen verändert. Er ist etwas breiter und flacher sowie ein paar Zentimeter länger. Zudem verkürzten die Designer das Heck, schoben die Fahrgastzelle ein wenig nach hinten und streckten die Haube.

Der Focus ist das erste Ford-Modell überhaupt, das auf der komplett neu entwickelten C2-Plattform basiert. Sie erlaubte es, den Radstand um fünf Zentimeter in die Länge zu ziehen, was vor allem den Gästen im Fond zugute kommt. Hier sitzen Personen auch bei einer Körpergröße von 1,80 Metern sehr bequem. Im Heck bleibt Platz für 375 Liter Gepäck. Liegen die Lehnen flach, passen bis zu 1354 Liter in den Focus. Schön wäre auch eine elektrisch zu betätigende Heckklappe, doch die Preisliste führt sie nur für den Kombi Turnier.

Die neue Fahrzeugarchitektur verbindet sich auch mit neuer Elektronik. Sie ist wichtig für all jene Assistenzsysteme, mit denen sich der Focus optional ausrüsten lässt. Unter anderem ist dies der Intelligent Drive Assist. Er ermöglicht teilautomatisiertes Fahren im Stau. Zudem gibt es erstmals für den Focus ein Head-up-Display. Freuen können sich Kunden auch, was die Bedien- und Infotainment-Seite angehen. Je nach Ausstattungslinie verfügt der Focus über einen mobilen WLAN-Hotspot, induktives Laden fürs Handy und die derzeit modernste Generation der Ford-Sync-3-Sprachsteuerung.

Hinter dem Lenkrad bleibt es bei klassischen analogen Rundinstrumenten. Über der Mittelkonsole dominiert ein großer frei stehender Bildschirm. Einzigartig im Segment ist der Wählschalter für die Automatik. Der übliche Hebel hat ausgedient. Wie bei Jaguar übernimmt diese Funktion ein Drehsteller. Das schafft Platz und sieht cool aus.

Eine Ausnahme bildet Ford auch beim Motorenangebot. Bei den Benzinern hat der Vierzylinder ausgedient, zumindest vorerst. Den Einstieg bildet der bekannte und mehrfach ausgezeichnete 1,0-Liter-Dreizylinder, darüber rangiert ein neu entwickelter 1,5-Liter-Dreizylinder. Auch er verfügt über eine Zylinderabschaltfunktion. Sie soll im Alltag rund fünf Prozent Sprit sparen. Insgesamt überzeugt der neue Motor durch gute Elastizität, gleichmäßige Leistungsabgabe und agiles Hochdrehen. Sympathisch bleibt sein etwas knurriger Sound, typisch für viele Dreizylinder dieses Kalibers. Drei Dieselaggregate ergänzen die Motorenpalette.

Auch der Neue fährt perfekt in der Spur seines Vorgängers, lässt sich präzise und handlich ums Eck treiben, auch ohne dass man ernsthaft den Fahrmodus-Schalter bemühen müsste, den Ford serienmäßig im Focus anbietet.

Ford lässt sich seinen neuen Focus mit mindestens 18 700 Euro vergüten, der Turnier verlangt 1000 Euro Aufpreis. So kann da die 20 000er-Grenze schnell geknackt werden. Dafür erhält man den besten Focus, den es je gab.