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15. Januar 2010 00:05 Uhr

PH Freiburg

Freiburger Professorin wirbt für besseren Mathe-Unterricht

Katja Maaß von der PH Freiburg engagiert sich für einen besseren Mathe-Unterricht. "Mathematik ist furchtbar wichtig und die Grundlage für so viele Dinge des Alltags", sagt die Professorin.

  1. Mathematik in der Schule muss keine Qual sein, meint Katja Maaß. Foto: dpa

  2. Katja Maaß. Foto: Anita Rüffer

FREIBURG. Mathematik hat sie vom ersten Schultag an fasziniert. Nicht als Ansammlung abstrakter Größen und Verfahren, die stupide zu pauken sind, ohne Schülerinnen und Schüler wirklichen Erkenntnisgewinn zu bieten. Bis heute mag Katja Maaß, Professorin an der Pädagogischen Hochschule (PH) Freiburg sich nicht damit abfinden, dass so viele sich von ihrem eigenen Lieblingsfach abkehren in der falschen Annahme, Mathematik sei zu nichts zu gebrauchen.

"Mathematik ist furchtbar wichtig und die Grundlage für so viele Dinge des Alltags", sagt Katja Maaß. Nicht nur, dass sie selbst beim Fischeinkauf einmal böse übers Ohr gehauen worden wäre, hätte sie ihren Dreisatz nicht beherrscht. Auch die Schweinegrippeimpfung erschiene nach ihrer Überzeugung vielen in einem anderen Licht, könnten sie die exponentielle Vermehrung der Viren anhand eines mathematischen Modells nachvollziehen: "Das ist Standard im Mathematikunterricht der Sekundarstufe."

Sie muss es wissen, hat sie doch viele Jahre an unterschiedlichsten Schulen, vom Gymnasium bis zur Gesamtschule, unterrichtet, bevor sie PH-Professorin wurde. "Schule ist schön – Mathe macht Spaß" steht auf einem T-Shirt, das ihr eine zehnte Gymnasialklasse zum Abschied geschenkt hat. Es muss an ihrer Fähigkeit liegen, allüberall die Realitätsbezüge in ihrem Fach aufzuspüren. Nicht als Selbstzweck. "Wir wollen doch, dass unsere Schüler mündige Bürger werden, die sich nicht abhängig machen von Ergebnissen, die andere ihnen vorsetzen."

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Das wollen auch die neuen Bildungspläne für die Schulen. Aber dazu müssen angehende und fertige Lehrer wissen, wie realitätsbezogener Mathematikunterricht geht. Katja Maaß ist froh, dass sie ihre praktischen Erfahrungen als Lehrerin jetzt in der Lehre und bei Lehrerfortbildungen in die Breite tragen kann. Und das sogar auf europäischer Ebene. Gleich drei EU-Projekte werden von ihr koordiniert: Kürzlich beendet wurde "Lema" (Abkürzung für learning and education in and through modelling and applications), in dem sieben Hochschulen aus sechs Ländern ein Lehrerfortbildungskonzept entwickelt haben: Welche Aufgaben eignen sich, welche Methoden passen, wie sollten die Klassenarbeiten gestaltet sein? In engem Kontakt mit dem Fortbildungsreferat des Regierungspräsidiums werden die Ergebnisse vor Ort umgesetzt.

Einen Schritt weiter geht "Compass" (2009 bis 2011), das auf den fächerübergreifenden Unterricht von Mathematik mit den Naturwissenschaften abzielt. Mit Beginn dieses Jahres startete schließlich das Projekt "Primas". Drei Millionen Euro lässt es sich die EU bis 2013 kosten, europäische Forschungsergebnisse zum forschenden und entdeckenden Lernen in Mathematik und Naturwissenschaften in der Praxis zu etablieren. Vierzehn Institutionen aus zwölf Ländern sind daran beteiligt. Das Mammutprojekt will die europäische und die jeweilige lokale Ebene miteinander verzahnen und nicht nur mit dem passenden Material, sondern auch mit langfristigen Lehrerfortbildungen und Großevents nachhaltig die Unterrichtsqualität verbessern. Im Februar wird es dazu in Freiburg eine große Auftaktveranstaltung geben.

Die gewaltigen Dimensionen, in denen sie sich bewegt, schrecken Katja Maaß nicht. Sie findet es spannend und bereichernd, mit Kollegen aus anderen Kulturen der Mathematikvermittlung auf den Grund zu gehen. "Gemeinsam haben wir mehr Wirkung", sagt sie. Zwar werde sich nicht binnen vier Jahren die schulische Welt völlig verändern lassen. "Aber wir werden ein gutes Stück weiterkommen."

Autor: Anita Rüffer