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25. Juni 2009 13:23 Uhr

Steinzeitliche Klänge

Tübinger Forscher entdecken die älteste Flöte der Welt

In einer Höhle in der Nähe von Tübingen haben Forscher die älteste Flöte der Welt entdeckt. Zusammen mit anderen Fundstücken deutet sie darauf hin: Eine Wiege der Steinzeitkultur lag in der schwäbischen Alb. Mit Hörprobe!

  1. Die Fundstätte in der Höhle am Hohlen Fels. Foto: Nature

  2. Die rekonstruierte Flöte Foto: nature

Die mit 35 000 Jahren älteste Flöte der Welt haben Forscher der Universitäten Tübingen und Heidelberg auf der Schwäbischen Alb entdeckt. Der Fund des aus den Flügelknochen eines Geiers gefertigten Instruments in einer Höhle am Hohlen Fels belegt nach Ansicht der Wissenschaftler, dass schon der frühzeitliche Homo sapiens Musik spielte. Ihre Studie erscheint morgen in der neuen Ausgabe der britischen Fachzeitschrift Nature.

Die aus einem Vogelknochen gefertigte Flöte wurde nach dem Bericht der Wissenschaftler Nicholas Conard, Susanne Münzel und Maria Malina in zwölf Einzelteilen geborgen. Das etwa 22 Zentimeter lange Instrument mit einem Durchmesser von 2,2 Zentimetern befindet sich demnach in gutem Zustand. Seine fünf Flötenlöcher seien sorgfältig mit Steinwerkzeugen geschnitzt worden, berichten die Forscher. In der Höhle am Hohlen Fels hatte Conards Team auch die aus derselben Zeit stammende "Venus vom Hohlen Fels" gefunden, nach ihren Angaben die älteste figürliche Darstellung einer Frau. Die Funde werden der sogenannten Aurignacien-Kultur der jüngeren Altsteinzeit (40.000 bis 10.000 v. Chr.) zugerechnet.

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Die Archäologen fanden zudem Überreste urzeitlicher Werkzeuge, mit denen Knochen und Elfenbein von Mammuts, Pferden, Wild und Bären bearbeitet wurden. Auch drei in der Nähe gefundene Elfenbeinflöten sind laut Conard ein Hinweis darauf, dass die ersten Frühzeit-Menschen in Europa bereits über eine reichhaltige Musikkultur verfügten. Es sei möglich, dass die Musik den Homo sapiens beim Ausbau sozialer Netzwerke geholfen und damit ihre Ausbreitung begünstigt habe, sagte Conard. Dadurch hätten sie möglicherweise einen Vorteil gegenüber den Neanderthalern gehabt. Wissenschaftler haben bislang keine Belege dafür gefunden, dass die zur Blüte des Homo sapiens ausgestorbenen Neandertaler auch emusikalisch waren.

 

Autor: afp