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09. September 2017

Vorsicht, ansteckend

Forschung übers Gähnen.

Gähnen ist so ansteckend, dass man ihm nicht widerstehen kann. Das haben britische Forscher aus Nottingham in einem Experiment herausgefunden, das sie in der Fachzeitschrift "Current Biology" beschrieben. Sie hatten 36 Probanden Videos gähnender Menschen gezeigt. Eine Gruppe durfte mitgähnen, die andere nicht. Ergebnis: Die Probanden, die ihrem Drang nicht nachgehen sollten, gähnten fast genauso oft – wenn auch eher in unterdrückter Form. Ihr gefühltes Bedürfnis mitzugähnen war sogar höher als bei Probanden, die dem Gähnen freien Lauf lassen sollten.

Mit Hilfe von sogenannter Transkranieller Magnetstimulation (TMS) fanden die Forscher heraus, dass die Ansteckungsgefahr auch von der Erregbarkeit eines Teils der Großhirnrinde abhängt. Der sogenannte Motorkortex steuert absichtliche Bewegungen. Nun hoffen die Experten, dass die Studien auch zu der Erforschung anderer Krankheiten beitragen. Ansteckendes Gähnen ist ein sogenanntes Echophänomen. Bei Krankheiten wie Epilepsie, Demenz, Autismus oder dem Tourette-Syndrom spielten ebenfalls Echophänomene eine Rolle.

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Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Uniklinikum Leipzig, beschäftigt sich in Deutschland mit dem Gähnen. Auch er vermutet einen Zusammenhang mit bestimmten Krankheiten: "Wir beobachten zum Beispiel, dass Menschen mit Depressionen nicht oder weniger Gähnen als Gesunde und nach Einnahme von Antidepressiva vermehrt Gähnen." Dies könne dadurch bedingt sein, dass Depressive unter einer hohen inneren Anspannung leiden, während Gähnen ja eher in Zusammenhang mit Schläfrigkeit auftrete. Insgesamt sei es noch nicht geklärt, warum und wozu Menschen gähnen.

Autor: dpa