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Wie man sich gegenüber Wespen und Hornissen richtig verhält

Adriano Nicolosi

Von Adriano Nicolosi

Mi, 15. August 2018 um 16:37 Uhr

Bildung & Wissen

Lothar Krikowski ist BUND-Experte für Hornissen und Wespen. Im BZ-Interview gibt er Tipps für Begegnungen mit den summenden Tierchen – und erklärt, wie man sein Grillgut verteidigen kann.

Es summt und schwirrt. Hornissen und Wespen sind unterwegs. Für viele Menschen sind die Tierchen nervig und eine Last. Doch sind die Insekten wirklich so schlimm? Und was kann man tun um ein zusammen Leben mit ihnen erträglicher zu machen? Adriano Nicolosi hat sich mit Lothar Krikowski aus Ringsheim, Experte für Hornissen und Wespen, unterhalten.

BZ: Herr Krikowski, wie sollte man sich am besten gegenüber Wespen und Hornissen verhalten?
Krikowski: Am besten friedlich (lacht). Man sollte sich nicht zu nahe an den Nestern aufhalten. Das Wichtigste ist, man schüttelt nicht daran rum oder beschädigt es, denn dann werden sie sauer. Wir möchten es ja auch nicht, dass jemand unser Zuhause beschädigt.
"Eine Möglichkeit wäre eine Nest-Attrappe, einen sogenannten Waspinator zu bauen." Lothar Krikowski
BZ: Jetzt, zur Grillzeit, wie kann man sich am besten vor den Wespen schützen und sein Essen verteidigen?
Krikowski: Ganz wichtig: Gemeint ist hier nur die Deutsche und die Gemeine Wespe. Hornissen als größte Wespenart und alle anderen Wespenarten sind daran nicht interessiert. Tipp: einfach in eine kleine flache Schale was Süßes tun. Das kann zum Beispiel Zuckerwasser, Honig oder Marmelade sein. Dies kann dann ein paar Meter von dem Esstisch entfernt aufgestellt werden. Nach dem Essen sollte man das aber wieder entfernen, so dass sich die Wespen nicht daran gewöhnen. Eine andere Möglichkeit wäre eine Nest-Attrappe, einen sogenannten Waspinator zu bauen. Der Waspinator besteht aus einer bedruckten Folie, die man mit Styropor oder anderem Verpackungsmaterial füllt. Diesen hängt man dann über dem Tisch auf. Die anfliegenden Wespen glauben, dass hier ein anderes Nest hängt, und meiden diesen Bereich.

BZ: Haben Sie das Gefühl, dass dieses Jahr mehr Wespen und Hornissen unterwegs sind?
Krikowski: Auf keinen Fall. Die Deutsche und Gemeine Wespe ist dieses Jahr sogar weniger vertreten als in den vergangenen Jahren. Was mir, ehrlich gesagt, Sorgen bereitet. Überraschend ist aber, dass die Gallische Feldwespe dieses Jahr häufiger vorgekommen ist als üblich.

BZ: Die meisten Menschen wenden sich an die Feuerwehr, wenn es um Wespen geht. Ist das richtig?
Krikowski: Sich bei der Feuerwehr zu melden ist auf jeden Fall falsch. Ich habe auch schon erlebt, dass sich die Leute bei einem Imker melden, was aber auch nicht richtig ist. Bei Problemen mit Wespen, Hornissen und Bienen ist es empfehlenswert, sich bei uns zu melden. Als Fachberater für Wespen, Hornissen und Wildbienen, der auch ich einer bin, kümmern wir uns darum. Meistens reicht es, wenn wir über das Telefon Auskunft geben. Bei größeren Problemen kommen wir auch persönlich vorbei.

BZ: Was sind die Unterschiede zwischen einer Hornisse und einer Wespe?
Krikowski: Äußerlich sind sie für den Unerfahrenen schwer unterscheidbar. Hornissen sind größer. Die Gallische Feldwespe ist dadurch erkennbar, dass sie ihre Hinterbeine beim Fliegen nach unten hält und ihre Nester recht klein baut. Die Deutsche und Gemeine Wespe baut ihre Nester oft in Rollladenkästen. An Bäumen oder Hecken ist die Mittlere Wespe am Werk und baut dort ihr Nest. Die Nester bestehen aus Papier, denn man muss wissen, dass die Wespen die ursprünglichen Erfinder des Papieres sind. Sie zerkauen verwittertes Holz und mischen dies mir ihrem Speichel. So entsteht Papier.
"Einen Löffel in das warme Wasser halten und die erwärmte Rückseite des Löffels für circa fünf Sekunden auf den Stich drücken." Lothar Krikowski
BZ: Was sollte man bei einem Wespenstich tun?
Krikowski: Ich empfehle Hitze – egal um welchen Stich es sich handelt, ob Biene, Wespe, Hornisse oder Bremse. Am besten, Wasser auf 50 Grad erwärmen, bei Kindern reichen 40 Grad. Dann einen Löffel in das warme Wasser halten und die erwärmte Rückseite des Löffels für circa fünf Sekunden auf den Stich drücken. Falls man unterwegs sein sollte, kann man auch ein Feuerzeug benutzen und dies so lange betätigen, bis sich das Metall erwärmt hat. Eine gute Lösung für unterwegs ist auch ein ’Bite Away’: Das ist ein elektronisches Gerät, bei dem sich die Spitze auf 40 bis 50 Grad erwärmt. Die legt man dann ebenso, wie mit dem Löffel, auf die betroffene Stelle.

BZ: Und wie sieht es mit Ihnen persönlich aus: Werden Sie selbst noch ab und zu von Wespen gestochen?
Krikowski: Ja, klar, immer wieder. Manche Wespen sind sogar so schlau, dass sie sogar einen Weg durch meinen Schutzanzug finden.

BZ: Siedeln Sie im Ausnahmefall auch mal Nester um?
Krikowski: So eine Umsiedlung ist nicht ganz einfach. Wir müssen immer zu zweit sein und darauf achten, dass wir alle Tiere einfangen und nicht verletzen. Hinzu kommt noch, dass die Tiere natürlich nicht erfreut darüber sind. Wenn man vermeiden möchte, dass Wespen und Hornissen ein Nest bauen, dann sollte man früh beobachten, ob eine Königin sich einnistet. Wenn sich die Vermutung bestätigt, dann sollte man am besten bei uns anrufen. Allerdings ist es ratsam, bei schon bestehenden Nestern bis zum Herbst abzuwarten. Die Tiere sterben, die Jungköniginnen kommen nach dem Hochzeitsflug nicht mehr ins Nest zurück, und das Nest bleibt leer. Und eben diese Nester sollte man unbedingt hängen lassen, da eine Jungkönigin im nächsten Jahr ein altes Nest meidet.

BZ: Was wären solche Ausnahmefälle für eine Umsiedlung?
Krikowski: Zum Beispiel große Veranstaltungen oder Feste, bei denen viele Menschen unterwegs sind. Da ist einfach die Gefahr zu groß.

BZ: Worauf muss man achten, wenn man die leeren Nester entfernen möchte?
Krikowski: Noch einmal: Ich kann nur raten, das leere Nest nicht zu entfernen. Da Wespen das alte Nest nicht noch mal benutzen und eine Jungkönigin normal dort auch nicht in der Nähe baut. Außerdem finde ich ein leeres Wespennest auch eine Attraktion. Wer doch darauf besteht, kann dies auf dem Kompost entsorgen.
Lothar Krikowski ist 77 Jahre alt. Geboren in Tschechien, ist er 1946 nach Deutschland gezogen. Seit 19 Jahren arbeitet er ehrenamtlich beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Er ist Fachberater für den Ortenaukreis und den Landkreis Emmendingen und hat unter anderem eine Ausbildung in Naturpädagogik absolviert.