Peking

Konzern Wanda kauft US-Filmstudio Legendary

Finn Mayer-Kuckuk

Von Finn Mayer-Kuckuk

Mi, 13. Januar 2016 um 00:00 Uhr

Computer & Medien

Der Konzern Wanda aus Fernost zahlt mehr als drei Milliarden Euro fürs das US-Filmstudio Legendary. Unter anderem wurden dort Filme wie Batman, Jurassic Park oder Godzilla herausgebracht.

PEKING. Immer mehr bekannte Marken landen in chinesischer Hand – nun auch das US-Filmstudio Legendary Entertainment, das unter anderem Streifen wie Batman, Jurassic Park oder Godzilla herausgebracht hat. Käufer ist der nordchinesische Unterhaltungs- und Immobilienkonzern Wanda. Firmenchef Wang Jianlin, einer der reichsten Männer des Landes, lässt 3,5 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro) für die Rechte an den Superhelden und Riesenmonstern springen. Das Unternehmen aus Dalian sprach von "Chinas bislang größter grenzüberschreitender Übernahme im Kulturbereich". Die Gruppe ist heute bereits der größte Kinobetreiber der Welt und besitzt seit 2012 mit AMC Entertainment die zweitgrößte Filmtheaterkette in den USA. Ansonsten investiert das Konglomerat in Hotels, Einkaufsplazas und Immobilien.

Das Unternehmen baut gerade in der ostchinesischen Hafenmetropole Qingdao einen riesigen Komplex mit Film- und Fernsehstudios, der 2017 eröffnet werden soll. "Wir haben viel zu lernen", zitierte das US-Magazin Variety den Wanda-Gründer. "Chinas Filmindustrie hinkt 30 bis 50 Jahre hinter den USA her." Man sei bereits ein führender Filmproduzent in China, strebe aber eine "Position in der globalen Filmindustrie" an. Einige wenige US-Unternehmen kontrollierten den Markt weltweit. Wanda wolle die Filmlandschaft nun ändern, sagte der in China auch politisch gut vernetzte Wang Jianlin.

China ist bereits der zweitgrößte Kinomarkt und könnte die USA in wenigen Jahren überholen. Der Umsatz an den Kinokassen in der Volksrepublik, wo Wanda die größte Kinokette betreibt, hat im vergangenen Jahr um fast die Hälfte zugelegt.

Nach der Übernahme könnte Legendary mehr chinesische Filme produzieren. Der Hollywoodriese hat bereits die Tochterfirma Legendary East, die mit dem chinesischen Regisseur Zhang Yimou gerade einen Film über die Große Mauer dreht, der mit Schauspieler Matt Damon auch auf den internationalen Kinomarkt zielt.

Die Übernahme von Legendary Entertainment ist nur ein Beispiel für eine groß angelegte Einkaufstour chinesischer Firmen weltweit. Im vergangenen Jahr lagen die Auslandsinvestitionen des Landes nach jüngsten Zahlen des Handelsministeriums bei 128 Milliarden Euro, ein Viertel mehr als im Jahr davor.

Hinter den Zukäufen steckt eine Strategie der staatlichen Wirtschaftsplaner in Peking. "Es ist offizielle Politik, dass Chinas Unternehmen sich internationalisieren sollen", sagt Klaus Meyer von der China Europe International Business School in Schanghai.