Fernsehbräuche

Diese TV-Rituale haben andere Länder zur Weihnachtszeit

Martin Weber

Von Martin Weber

Do, 21. Dezember 2017 um 22:00 Uhr

Computer & Medien

Filme wie "Der kleine Lord" oder "Sissi" dürfen in Deutschland um die Weihnachtszeit nicht fehlen. Auch andere Länder pflegen solche Fernsehbräuche. Dabei stehen nicht nur Filme auf der Wunschliste.

Alle Jahre wieder: Wenn im Fernsehen "Der kleine Lord" zu sehen ist, die dreiteilige "Sissi" und "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" laufen, kommt bei Millionen Deutschen Weihnachtsstimmung auf. Aufwendig und liebevoll gemachte Filme wie diese Klassiker gehören zum Fest wie Christbaumkugeln und Geschenke. Doch nicht nur in Deutschland dominieren seit vielen Jahren ganz bestimmte Sendungen das Fernsehprogramm an den Festtagen. Auch in anderen Ländern gibt es unverzichtbare TV-Rituale zur Weihnachtszeit, ohne die das Fest praktisch undenkbar ist.

In Schweden etwa erfreut eine Zeichentrickfigur namens Kalle Anka die Menschen im Weihnachtsprogramm mit ihren Späßen. Hinter dem drolligen Namen verbirgt sich kein Geringerer als der Amerikaner Donald Duck, der seit Jahrzehnten alljährlich im schwedischen Fernsehen zu sehen ist. Der einstündige Disney-Zusammenschnitt aus dem Jahr 1958 hat den schönen Titel "Donald Duck und seine Freunde wünschen frohe Weihnachten" und ist in dem skandinavischen Land Kult, ein Christfest ohne ihn kommt für viele Schweden nicht infrage. Ganz wichtig: Die Sendung muss live moderiert werden und an der Synchronisation darf sich nichts ändern – darüber wachen die zahllosen Fans genau.

Auch im benachbarten Norwegen schwören die Menschen auf einen altehrwürdigen Fernsehbrauch in der Weihnachtszeit, hier darf der TV-Adventskalender nicht fehlen, der in der Regel aus 24-teiligen Fernsehserien besteht. Dabei wird eine beachtliche Bandbreite abgedeckt, das Spektrum reicht vom rührseligen Weihnachtsmärchen bis zur bissigen Gesellschaftssatire.

Die Briten schwören gleich auf mehrere TV-Rituale zur Weihnachtszeit: Im Vereinigten Königreich gibt es unter anderem einen seit vielen Jahren ausgestrahlten Hitparaden-Jahresrückblick im Fernsehprogramm, ferner den warmherzigen Zeichentrickfilm "The Snowman" und am Christmas Day, dem Ersten Weihnachtsfeiertag am 25. Dezember, schließlich die mit Spannung erwartete Weihnachtsansprache der Queen. Die ist nicht nur in Großbritannien und Nordirland zu sehen, sondern im gesamten Commonwealth, also auch in Ländern wie Kanada, Australien, Südafrika, Indien und vielen anderen. Um den genauen Text der "Queen’s Christmas Message", die einige Tage vor Weihnachten aufgezeichnet wird und bedeutende Ereignisse des Jahres Revue passieren lässt, wird im Vorfeld ein großes Geheimnis gemacht. 1992 gab es einen Skandal, als die Boulevardzeitung The Sun den Wortlaut der Ansprache schon zwei Tage vor Christmas Day veröffentlichte. Die Queen war not amused und ließ das Blatt wegen Verletzung des Urheberrechts verklagen.

Die Franzosen lieben zur Weihnachtszeit gefühlvolle, oft rührselige Filme, in denen Benachteiligte tapfer den Widrigkeiten des Lebens trotzen. In Australien, wo Weihnachten mitten in den Sommer fällt, werden gerne Liveübertragungen von turbulenten Shows gesendet, die am Strand über die Bühne gehen. In den USA schließlich laufen an Weihnachten bevorzugt thematisch passende Hollywood-Filme wie "Der Grinch" oder "Kevin – Allein zu Haus". In New York kommt jedoch noch eine regionale Besonderheit dazu: Dort steht beim Sender WPIX alljährlich der "Yule Log" auf dem Programm. Gezeigt wird stundenlang nichts anderes als ein brennender Holzscheit im Kamin, zu sehen war das festliche und mit Weihnachtsmusik unterlegte Feuer aus der Residenz des New Yorker Bürgermeisters erstmals an Weihnachten 1966. Wider Erwarten wurde die Sendung zum großen Erfolg und zum TV-Ritual. Mehrere Versuche des Senders, die zum zunehmenden Ärger der Verantwortlichen völlig werbefreie Sendung wieder loszuwerden, scheiterten regelmäßig an einer Beschwerdeflut der Zuschauer.