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29. Juli 2011

Fragen & Antworten: Alles Wissenswerte zum neuen Standard DAB+

  1. LFK-Präsident Langheinrich gefallen die neuen DAB+-Radios Foto: LFK

Alles Wissenswerte zum neuen Standard DAB+


Was ist DAB+?

Das Kürzel steht für Digital Audio Broadcasting plus, also digitale Hörfunkverbreitung über Antenne mit dem Toncodierungsverfahren MPEG-4 HE-AAC v2.

Welche Vorteile bietet DAB+?
Die Rundfunkanstalten listen gegenüber analogem Hörfunk folgende Vorzüge auf:
– vielfältigeres Programmangebot
– CD-ähnliche Klangqualität
– Surround-(Mehrkanal) Ton möglich

– elektronische Programmführer (EPG)
– multimediale Zusatzdienste (z. B Texte und Bilder zum Programm)
– stabile, im Versorgungsgebiet störungsfreie Empfangsqualität, auch bei mobilem Empfang und hohen Geschwindigkeiten
– erhöhter Bedienungskomfort (z. B. Wahl des Senders nach Namen; gleichbleibende Frequenzen im gesamten Verbreitungsgebiet auch beim Übergang auf eine andere Übertragungstechnik (z. B.
UKW), wenn das Programm über DAB+ nicht mehr empfangbar ist

Welche Programme kann ich hören?

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Im bundesweiten Multiplex sind enthalten: Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur, Dradio Wissen, Lounge FM, Kiss FM, Energy, ERF, ERF POP, Klassik Radio, 90elf-Dein Fußballradio, Absolut Radio, litera und Radio Horeb.

Der baden-württembergische Multiplex startet mit den sechs SWR-Landesprogrammen (SWR1, SWR2, SWR3, SWR4, SWR cont.ra und DasDing). Im April 2012 sollen dann noch drei Privatsender dazukommen, für deren Belegung im Herbst die Bewerbungsfrist anläuft.

Was ist mit dem analogen Empfang?
Viele Programmanbieter haben aus Kostengründen bereits die Verbreitung über Mittelwelle (MW) eingestellt. Für UKW gibt es derzeit keine konkreten Abschaltpläne, aber das langfristige Ziel einer UKW-Ablösung wird durch die Digitalisierung des Hörfunks eingeleitet. Vorerst wird es das gewohnte Angebot auf UKW weiter geben. Viele neue Programme wird es aber nur im Digitalradio geben.

Warum soll digitalisiert werden?
Bei der analogen Verbreitung von Radio über UKW herrscht Knappheit: Alle Frequenzen sind ausgereizt. Neue Programme oder Ausweitung der Fläche nicht mehr möglich. Durch die Datenkomprimierung bei digitaler Übertragung können mehr Programme kostengünstiger, flächendeckender und strahlungsärmer verbreitet werden.

Was ist ein "Multiplex"?
Mit der digitalen Technik können auf einer Frequenz mehrere Programme verbreitet werden. Dabei werden die Tonsignaldaten abwechselnd stückchenweise gesendet. Dieses Verfahren nennt man multiplexing und bezeichnet das über eine Frequenz verbreitete Programmbündel mit meist rund einem Dutzend Programmen als "Multiplex".

Was unterscheidet DAB+ von DAB?

DAB+ ist die Weiterentwicklung des bisherigen Digitalradio-Standards DAB. Durch Verwendung des derzeit effizientesten Audio-Codecs können bei gleicher Klangqualität mit derselben Datenmenge bis zu dreimal mehr Programme über weitere Distanzen übertragen werden.

Was wird aus DAB?
Die derzeit noch über den Vorgängerstandard DAB verbreiteten Programme können vorerst weiter empfangen werden. Die neuen, insbesondere die privaten Veranstalter werden aber ihre Angebote nur im DAB+-Standard verbreiten. DAB+-Radiogeräte können grundsätzlich die bisherigen DAB-Programme empfangen.

Kostet Digitalradio etwas extra?
Nein, die Programme sind kostenfrei empfangbar. Die Verbreitung der öffentlich-rechtlichen Programme ist mit der Rundfunkgebühr bezahlt, die Programme der privaten Anbieter finanzieren sich aus den Werbeerlösen.

Klingt DAB+ besser als UKW?
Laut den Rundfunkanstalten und deren Tests angeblich: Ja, insbesondere bei mobilem Empfang. DAB+ soll nahezu immun gegen Empfangsstörungen wie Rauschen, Knistern und Knacken sein. Außerdem soll es bei der Übertragungstechnik möglich sein, für anspruchsvolle Tonsignale, also etwa klassische Live-Konzerte im Mehrkanalton eine höhere Datenrate und damit mehr Klangqualität innerhalb eines Multiplexes zur Verfügung zu stellen als für reine Wortsendungen.

Warum nicht nur noch Webradio?

An den Internetstreams der Radiosender ändert sich mit DAB+ nichts, diese wird man wie gewohnt weiter empfangen können. Eine komplette Umstellung auf internetbasiertes Radio ist aber aus Kapazitäts- und Kostengründen nicht möglich: Radioveranstalter müssen ihr Programm im Internet jedem Hörer einzeln zusenden, statt es einmal auszustrahlen und damit alle zu erreichen. Somit steigen die Verbreitungskosten mit jedem zusätzlichen Webradiohörer an. Außerdem ist Radio ein mobiles Medium. Überall, also auch im Auto und in der Freizeit, müsste dann ein Internetanschluss mit breiter Datenrate vorhanden sein, um Radio zu hören.

Wie sieht es im Ausland aus?
DAB+ ist in vielen Ländern entweder im Test oder bereits in Betrieb, u.a. in Australien, Malta, Dänemark, Italien und China. In der Schweiz ist Digitalradio bereits ein großes Thema. In grenznahen Gebieten können deshalb bereits zahlreiche Sender empfangen werden.
In Frankreich soll DAB+ bis 2015 zum Standard werden.

Kann ich DAB+ mit meinem
normalen UKW-Radio empfangen?

Nein, der Empfang von DAB+-Programmen ist mit herkömmlichen analogen Radiogeräten nicht möglich. Rechtzeitig zum Sendestart werden genügend DAB+-Radios ab etwa 50 Euro zu kaufen sein.

Kann ich DAB+ mit meinem
DAB-Empfänger empfangen?

Obwohl DAB+ eine Weiterentwicklung des DAB-Standards darstellt und eine andere Audio-Codierung verwendet, ist der Empfang von DAB+-Signalen nicht mit jedem DAB-Gerät möglich. Einige DAB-Empfänger lassen sich eventuell durch Software-Updates + aufrüsten.

Gibt es Radios für DAB+ und UKW?
Es gibt inzwischen eine Reihe von "Multinormgeräten" auf dem Markt, die sowohl digitale wie auch analoge Programme wiedergeben können. Je nach Ausstattung sind neben DAB, DAB+ und Analogradio mitunter auch die anderen weltweit im Einsatz befindlichen Übertragungsnormen DMB, DRM und/oder Webradio über LAN oder WLAN empfangbar.

Gibt es neue Umweltbelastungen?
Nein. Für die Übertragung benötigen digitale Sender nur einen Bruchteil (20 Prozent) der Energie, die ein analoges Radioprogramm verbraucht. Auch die neuen Empfangsgeräte sind sparsamer und damit umweltverträglicher. Die Rundfunkanstalten sprechen von "green radio".

Was ist mit Elektrosmog?
Da weniger Sendeanlagen mit wesentlich geringerer Sendeleistung genutzt werden, reduziert sich auch die elektromagnetische Feldstärke um die Sender erheblich (Faktor 25). Die Belastungen werden durch Digitalradio deutlich abnehmen.

Autor: Dradio/BZ/wü