"Erwarten Sie nicht zu viel!"

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Sa, 09. Juni 2018

Geld & Finanzen

Bei der BZ-Telefonaktion machen Experten klar, dass eine sichere Geldanlage derzeit mit einer geringen Verzinsung verbunden ist.

Viele südbadische Anleger suchen vor allem eines: Sicherheit. Allerdings hat diese derzeit einen hohen Preis, wie die Experten vom Bundesverband deutscher Banken bei der Telefonaktion der Badischen Zeitung zur Geldanlage am Donnerstag deutlich machten. Sparer müssen sich bei sicheren Anlageformen mit keinem oder nur einem sehr geringen Zins zufriedengeben. Wer mehr will, muss ein gewisses Risiko auf sich nehmen, was sich aber langfristig auszahlen kann. Hier Fragen und Antworten:

» Ich habe mein Haus für rund 300 000 Euro verkauft. Ich möchte das Geld jetzt anlegen – aber sicher. Kann ich das mit einer guten Verzinsung verbinden?
Gehen Sie zu Ihrem Bankberater. Machen Sie ihm klar, dass Sie ein sehr sicherheitsbewusster und konservativer Anleger sind. Erwarten Sie nicht zu viel: Wer sicher, also ohne Wertschwankungen, sparen will, kann derzeit keine hohen Renditen erzielen. Man muss sich mit einer sehr geringen Verzinsung zufriedengeben. Wer etwas anderes sagt, dem sollte man mit tiefem Misstrauen begegnen.

Ich habe zuletzt in Aktien investiert und dabei den Wert meines Vermögens gesteigert. Ich möchte meine Gewinne jetzt sichern. Ist das ein günstiger Zeitpunkt?
Was soll ich mit dem Geld tun?
Das Aktienkursniveau ist nach wie vor sehr hoch. Es ist also nicht der schlechteste Zeitpunkt, wenn Sie jetzt aussteigen, zumal sie ja Gewinne erzielt haben. Sie können den Ausstieg auch schrittweise vollziehen. Was Sie mit Ihrem Geld tun sollen, hängt zum Beispiel davon ab, ob Sie das Kapital bald nutzen und raschen Zugriff darauf haben wollen. Wenn dies der Fall sein sollte, empfehle ich konservative Anlagen wie zum Beispiel Tagesgeld. Auch hier gilt: Sie müssen mit einer ziemlich niedrigen Verzinsung leben. Eine Verrentung kann grundsätzlich auch infrage kommen, allerdings ist das Kapital dann gebunden.

» Ich bin 74 Jahre alt. Ich möchte mein Geld nicht in Aktien oder anderen Wertpapieren anlegen. Ich habe aber von ausländischen Banken gehört, die mehr Zins bieten als inländische. Wie steht es um die Sicherung solcher Spareinlagen?
In der EU sind Spareinlagen bis zu
100 000 Euro geschützt. In der Bundesrepublik haben Sparkassen- und Volksbanken sowie Privatbanken zusätzliche Schutzmechanismen. Informieren Sie sich bei Auslandsbanken genau, bis zu welcher Höhe Ihre Einlagen geschützt sind. Informationen dazu finden Sie unter http://www.einlagensicherung.de
» Ich bin ein großer Fan von US-Präsident Donald Trump. Seine Wirtschaftspolitik wird meiner Meinung nach die Gewinne der US-Unternehmen in die Höhe treiben. Der US-Aktienmarkt wird deshalb die Aktienmärkte anderer Länder überflügeln. Wie kann ich an den zu erwartenden Kursgewinnen in den USA teilhaben?
Sie können Einzelaktien von US-Unternehmen kaufen. Sie können Anteile von Fonds erwerben, die in US-Aktien investieren. Es steht ihnen auch offen, ihr Geld in einem Exchange Traded Fund (ETF) anzulegen, der sich auf US-Börsenindizes wie den Dow Jones bezieht. Der ETF bildet den Index nach, investiert also in jene Aktien, die im Index vertreten sind. Dadurch erhalten Sie wie bei einem gewöhnlichen Fonds eine bessere Risikostreuung, als wenn Sie nur Aktien eines US-Unternehmens erwerben. Ich mahne allerdings zu Vorsicht. Wer in Aktien unterschiedlicher Länder anlegt, verringert das Verlustrisiko. Es gibt auch skeptische Stimmen, die am Erfolg der amerikanischen Wirtschaftspolitik zweifeln.

» Was halten Sie von Rentenfonds?
Ich halte derzeit von einem Engagement in Rentenfonds nichts. Die Kurse von Rentenfonds können schon bei kleinsten Zinsbewegungen relativ stark fallen. Früher konnte dies über einen vergleichsweise hohen Zins wieder ausgeglichen werden. Dies ist heute so gut wie nicht mehr möglich.

Rechnen Sie bald mit steigenden Zinsen für sichere Anlagen?
Aus heutiger Sicht ist mit deutlichen Zinssteigerungen in naher Zukunft kaum zu rechnen. Sparer werden wohl noch längere Zeit mit einem niedrigen Zinsniveau leben müssen.

» Was halten Sie von Gold?
Gold bringt keine Zinsen. Rendite entsteht nur aus einem steigenden Goldpreis. Von früheren Höchstpreisen ist Gold derzeit weit entfernt. Gold sehe ich als kleine Beimischung zur Sicherung des Depots – nicht zur Spekulation.

» Mein Sohn ist 25 Jahre. Wie kann er am besten regelmäßig Geld zur Seite legen und sparen?
Zunächst sollte er Möglichkeiten der Altersvorsorge prüfen und sich gegen Berufsunfähigkeit absichern. Für einen langfristigen Vermögensaufbau ist an Fondssparpläne zu denken. Je nach Höhe der Sparrate sollte man auch in mehreren Fonds ansparen. Wer regelmäßig in Fonds anlegt, kann vom Cost-Average-Effekt profitieren: Bei niedrigen Kursen werden mehr, bei hohen Kursen weniger Fondsanteile erworben, sodass sich auf längere Sicht ein günstiger Durchschnittskurs ergibt.

Als Rentnerin würde ich gern 10 000 Euro auf etwa fünf Jahre sicher und umweltfreundlich anlegen. Haben Sie einen Rat?
Es gibt diverse Anlagefonds mit ökologischer, nachhaltiger Ausrichtung. Dabei muss mit einem Anlageberater geklärt werden, was Sie unter sicher verstehen und inwiefern temporäre Schwankungen für Sie ertragbar sind. Es gibt auch Bankhäuser, die ökologisch ausgerichtet sind und klassische Sparanlagen anbieten.

Aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung erlöse ich einen größeren Betrag. Wie lege ich ihn am besten an?
Das hängt ab von Ihren Anlagezielen und Ihrer Risikobereitschaft. In der Regel ist eine Streuung sinnvoll, ein Teil kurzfristig, ein Teil mittel- und ein Teil langfristig. Für den kurzfristigen Teil bieten sich Tagesgeld oder Festgeld an. Mittel- bis langfristig können Fonds interessant sein. Dafür sollte aber ein Anlagehorizont von mindestens drei bis fünf Jahren vorhanden sein. Zudem sind bei Fonds Kosten zu berücksichtigen. Dafür bieten Fonds, vor allem auch Aktienfonds, langfristig interessante Renditechancen.

Weitere Fragen und Antworten rund um die Geldanlage unter mehr.bz/uo8