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30. Juli 2012

Warum Frauen das Thema "Finanzplanung" nicht verdrängen sollten

Finanzplanung ist ein Thema, das Frauen gerne verdrängen – dabei müssten sie eigentlich früher anfangen zu sparen als Männer.

  1. Das Sparschwein will gefüttert werden – und zwar nicht nur mit Kleingeld. Foto: dpa

Für Frauen ist es oft ein leidiges Thema: Finanzplanung. Dabei ist Vorsorge auch für Frauen wichtig. Denn durch Babypause und Kindererziehung zu Hause bekommen sie später oft weniger Rente als Männer.

Die Zeiten, in denen der Mann das Geld verdient und die Frau sich um Kinder und Küche kümmert, sind vorbei. Die Frau von heute macht Karriere und kümmert sich um die Familie. Doch beim Thema Finanzen hört die Emanzipation oft auf. Es sei noch immer so, dass Frauen schlicht kein Interesse an dem Thema haben, hat Heide Härtel-Hermann vom Frauenfinanzdienst in Köln beobachtet. "Für Frauen zählt die Geldanlage nicht zu den Hobbys." Während manche Männer gerne die jüngste Entwicklung von Aktienkursen diskutieren, ist Geldanlage für Frauen vielfach bestenfalls eine lästige Pflicht.

"Viele Frauen gehen zu zögerlich und voller Unlust an das Thema Finanzen heran", sagt Constantze Hintze von Svea Kuschel und Kollegen, einer Finanzdienstleistungsgesellschaft speziell für Frauen mit Sitz in München. "Die meisten machen sich zwar durchaus Sorgen, wovon sie im Alter leben sollen. Aber sie verdrängen das dann." Die einen meinen, es sei schon zu spät. Die anderen verließen sich zu stark auf den Ehemann oder Partner.

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Allerdings beobachtet Hintze auch eine Trendwende. "Frauen sind grundsätzlich mutiger und offener geworden und verfügen über mehr eigenes Geld, mit dem sie selbstbewusst umgehen." Zum anderen habe die Finanzbranche eine neue Zielgruppe entdeckt. Reine Frauenprodukte lehnt sie aber ab. "Das ist Marketing pur." Frauen bräuchten keine anderen Produkte, sondern eine andere Beratung. "Frauen wollen so beraten werden, dass sie merken, dass es um sie geht", bestätigt Härtel-Hermann. Eine Umfrage des Frauenfinanzdienstes habe jüngst gezeigt, Frauen seien weniger an einzelnen Produkten oder der Rendite interessiert, sondern mehr an einem persönlichen Finanzkonzept.

Zwar gebe es nicht "die Frau" und "den Mann", dennoch stellt Hintze Unterschiede zwischen den Geschlechtern fest. Während bei vielen Männern die Rendite im Vordergrund stehe und diese sich eher von bunten Charts und Fachterminologie beeindrucken ließen, legten viele Frauen Wert auf Sicherheit und das Gefühl, einen Schritt für ihre finanzielle Unabhängigkeit getan zu haben. Stefanie Kühn, unabhängige Finanzplanerin aus Grafing bei München, will Frauen den nötigen Denkanstoß geben, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. In ihrem Ratgeber erklärt sie, worauf sie in Sachen Finanzen besonders achten müssen. Eine Scheidungsrate von mehr als 40 Prozent und die höhere Lebenserwartung von Frauen zeige, dass keine Frau umhin kommt, sich mit Finanzen zu beschäftigen. "Man muss den Frauen einfach klarmachen, was es bedeutet, jahrelang aus dem Beruf auszusteigen", sagt Kühn. Babypause, Elternzeit, Halbtagsjob mindern die Rente. Ergo: Frauen müssen früher anfangen zu sparen und mehr Geld beiseite legen als Männer in einer vergleichbaren Situation.

Ist dieses Bewusstsein erst einmal geschaffen, seien Frauen willig, etwas an sich zu ändern. Kühn: "Sie fangen dann an, mit ihren Männern zu diskutieren, dass sie auch Geld auf ihren Namen anlegen oder aber mehr arbeiten."

Grundsätzlich funktioniert Altersvorsorge für Frauen genauso wie für Männer. Zunächst müssen etwaige Schulden abgebaut, dann die Existenz gesichert und schließlich das Vermögen und die Altersvorsorge aufgebaut werden. Die Unterschiede bei der Vermögensplanung liegen weniger in den Produkten als mehr in den Zielen. Härtel-Hermann etwa beobachtet, dass Frauen unter anderem mehr Wert auf ökologische Produkte legen als Männer. "Neben der Rendite muss auch die Ideologie stimmen."

Auch gibt es neben Babypause und Elternzeit für Frauen noch weitere finanzielle Stolpersteine. So gingen Frauen an das Thema Pflege anders heran als Männer, seien erheblich häufiger und stärker familiär in die Pflege von Angehörigen eingebunden als das andere Geschlecht. Hintze: "Ich erinnere mich sofort an fünf Frauen, die in den letzten Berufsjahren ihre Arbeitszeit reduzierten, um Angehörige zu pflegen, aber nicht an einen Mann." Eine Entscheidung, die Auswirkungen auf die eigene Rente hat und bedacht sein will. Ähnlich verhalte es sich mit dem Versorgungsausgleich – auch dies sei ein Anlagethema, das primär für Frauen relevant sei. Daher hält Hintze es für wichtig, dass Frauen einen Finanzberater haben, der erfahren mit den Lebenssituationen einer Frau ist.
– Stefanie Kühn: Ein Mann ist kein Vermögen. Bod-Verlag, 2011. 192 Seiten, 14,90 Euro.
– Constanze Hintze: Vermögensplanung und Altersvorsorge für Frauen – Finanz-Knowhow und praktische Lösungen. Kösel-Verlag, 2011. 304 Seiten, 17,90 Euro.

Autor: dpa