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14. Juni 2012 14:21 Uhr

Gesundheitsreport

Ein Drittel aller Deutschen leidet an einer psychischen Störung

Wie krank sind die Deutschen? Dieser Frage ist eine bundesweite Studie auf den Grund gegangen. Das Ergebnis: Ein Drittel aller Erwachsenen leidet an einer psychischen Störung. Ein Viertel gilt als zu dick.

  1. Wie krank sind die Deutschen? Dieser Frage ist eine bundesweite Studie auf den Grund gegangen. Foto: dapd

Die "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland" wurde zwischen 2008 und Anfang 2012 vom Robert Koch-Institut bei mehr als 7000 Bundesbürgern im Alter zwischen 18 und 79 Jahren durchgeführt. Der letzte Survey dieser Art erfolgte im Jahr 1998. Erste Ergebnisse wurden am Donnerstag in Berlin vorgestellt.

Die Studie zeigt, dass viele Deutsche unter psychischen Probleme leiden. So gab mehr als jeder Vierte an, mindestens dreimal pro Woche Schlafstörungen zu haben. Bei 4,2 Prozent wurde ein sogenanntes Burn-out-Syndrom festgestellt.

Depression, Angst, Sucht

Ein Drittel aller erwachsenen Deutschen leidet an Depression, Angst, Sucht oder einer anderen psychischen Störung. Aber die wenigsten von ihnen werden angemessen behandelt. Nur ein Drittel aller Betroffenen sei wegen ihrer Erkrankung jemals in medizinischer Behandlung gewesen.

Die häufigsten Erkrankungen bei den Frauen sind Angststörungen und Depressionen. Bei Männern dominieren Suchterkrankungen, vor allem Alkoholsucht, gefolgt von Angst- und depressiven Störungen.

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Verglichen mit der letzten Erhebung aus dem Jahr 1998 sei das Ausmaß der psychischen Störungen in Deutschland unverändert groß, berichten die Forscher bei der Vorstellung ihrer Ergebnisse in Berlin. Frauen seien nach wie vor etwas häufiger betroffen. Allerdings werde der Unterschied zwischen den Geschlechtern geringer.

Erkrankungen beginnen meist schon in jungen Jahren

Psychische Störungen treffen junge Menschen besonders häufig: Der Studie nach leiden 45 Prozent der 18- bis 35-Jährigen in Deutschland mindestens einmal im Jahr unter einer kurzzeitigen oder andauernden Erkrankungsepisode.

Wie die Psychologen berichten, beginnen die meisten psychischen Störungen bereits vor dem 18. Lebensjahr. Würden sie dann nicht möglichst früh behandelt, könnten sie die Lebensqualität der Betroffenen über Jahrzehnte deutlich einschränken.

Fast jeder Vierte ist viel zu dick

Neben den Zahlen zu psychischen Störungen, ist vor allem die Untersuchung zur Fettleibigkeit alarmierend. Der Studie nach gilt heute fast jeder Vierte als zu dick. Als besorgniserregend werteten die Experten den steigenden Anteil von Fettleibigen vor allem bei den jungen Erwachsenen.

Im Vergleich zur Vorgängerstudievon 1998 stieg der Anteil der fettleibigen Männer demnach um 4,4 Prozentpunkte auf 23,3 Prozent und bei den Frauen um 1,4 Prozentpunkte auf 23,9 Prozent. Vor allem bei den jüngeren Männern und bei den unter 35-jährigen Frauen stieg der Anteil der extrem Dicken.


Die Zahl der Übergewichtigen insgesamt blieb nach Angaben der Experten in den vergangenen Jahren allerdings unverändert und hat sich "auf einem hohen Niveau eingependelt: Unter den 18- bis 79-Jährigen bringen demnach rund zwei Drittel der Männer und etwa jede zweite Frau zu viel auf die Waage.

Allerdings gibt etwa ein Drittel der Erwachsenen in der Studie an, auf ausreichend körperliche Aktivität im Alltag zu achten, immer mehr machen regelmäßig Sport.

Autor: AFP/dadp


7 Kommentare

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helli billig

Registriert seit: 18.04.2012

Kommentare: 30

14. Juni 2012 - 14:40 Uhr

Es ist doch in der heutigen Zeit ganz klar, dass die psychischen Krankheiten zugenommen haben----jeder ist 24 Stunden damit beschäftigt einen gewissen Lebensstandart vorzugaugeln,jeder muss mehr haben wie der Nachbar.Die in dieser Weise nicht mitkommen fallen durch das Raster und leben von Hartz 4 .Der andere Teil kommt immer mehr in ein dauerndes "Müssen"was kein Körper und keine Seele mitmacht.
Die Masse an Übergewichtigen zeigt an dass die seelische Belastung so hoch ist ,dass es über Genuss oder auch Fressattaken wett gemacht werden muss.

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Michael Basket  

Michael Basket

Registriert seit: 30.07.2009

Kommentare: 1207

14. Juni 2012 - 15:07 Uhr

@ Frau Billig: Sie machen es sich wirklich ein bisschen zu einfach! Desweiteren unterstellen Sie jedem Übergewichtigen eine psychische Störung! Und das es Menschen gibt, die sich immer besser darstellen wollen, wie es die eigene Situation wirklich darstellt, ist wirklich kein neuentdecktes Phänomen... Über diese Problematik wurden bereits im 18 Jhd. Spott-Gedichte/Reime gemacht... Ich denke schon, dass es eine gewisse Anzahl von psychisch erkrankten gibt. Eine große Zahl lebt aber halt einfach so, wie es Ihnen gefällt. Auch wenn dies manche Menschen für "Krank" halten....

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Tobias Münzer

Registriert seit: 14.06.2012

Kommentare: 5

14. Juni 2012 - 15:18 Uhr

Diese Studie dürfte kaum jemanden mehr heute überraschen. Bedenklich ist jedoch in meinen Augen gerade die hohe Zahl der jungen Menschen, die offenbar den physischen und psychischen Belastungen des Alltags nicht mehr standhalten können. Ich möchte mit diesem Kommentar einen möglichen Aspekt herausgreifen.

Als junger Arbeitnehmer im südbadischen Raum habe ich selbst des öfteren Recherchen zu diesem Thema betrieben, sowie eigene Erfahrungen gesammelt.

Gerade im Arbeitsalltag beklagen sich immer mehr Arbeitgeber über die mangelnde Belastbarkeit vieler Azubis, Uni-Absolventen und anderer Jung-Arbeitnehmer. Ein berechtigter Vorwurf? In meinen Augen: Jein.

Es sind nicht mehr die Arbeitsbedingungen als solche, mit denen viele der "Generation Praktikum" Probleme haben. Eine 50-Stunden-Woche ist grundsätzlich zumutbar. Erreichbarkeit rund um die Uhr ist ebenfalls zumutbar. Hungerlöhne sind branchenabhängig, aber bei entsprechender Gegenleistung grundsätzlich auch hinnehmbar. Auch wenn sich über all diese Dinge immer noch einige beschweren: Es mangelt meiner Auffassung nach viel mehr an grundlegenden Werten, um die zwar auch frühere Generationen schon kämpfen mussten - jedoch in völlig anderer Qualität:

Wertschätzung. Zukunftsperspektiven. Planungssicherheit.

Meine Kritik richtet sich nicht an das allgemein vorherrschende Ellbogen-Prinzip oder die notwendige Flexibilität, die heute an den Tag gebracht werden muss.

Wer jedoch weiß, dass er nach hart erkämpfter zweijähriger Ausbildungsphase keine Chancen hat, vom Betrieb oder der örtlichen Konkurrenz trotz guter Arbeitszeugnisse übernommen zu werden, der zweifelt.

Wer laut Vertrag 40-Stunden arbeitet, aber regelmäßig (!) um die 60 Stunden ohne Überstundenausgleich oder Bezahlung im Büro sitzt, der zweifelt.

Wer von erfahrenen Kollegen bei positiver Leistung bewusst klein gehalten und zurechtgestutzt wird (Zitat: "Sie werden flücke, da müssen wir den Finger drauf haben!"), der zweifelt.

Wer als Auszubildender regelmäßig unbeaufsichtigt Verantwortung für den Produktionsablauf übernehmen muss und längerfristig Arbeit der ausgebildeten Kollegen übernehmen muss, anstatt selbst ausgebildet zu werden, der zweifelt.

Wer keinerlei Chancen erhält, bei konstant guter Leistung in der Firmenhierarchie aufzusteigen, der zweifelt.

Genug Beispiele, auch wenn bestimmt nur ein Bruchteil der User hier meine Auffassung teilt, es dürfte zumindest damit klar geworden sein, worauf ich hinaus möchte:

All diejenigen, die diese Zweifel beiseite schieben (ihrer Zukunft, ihres Lebenslaufs, ihrer Karriere willens) und einfach weiter drauf los werkeln, die könnten meiner Ansicht nach kurz oder lang psychische Probleme bekommen.

Diskussion gerne erwünscht!

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Bernice Bacheberle  

Bernice Bacheberle

Registriert seit: 27.02.2010

Kommentare: 2017

14. Juni 2012 - 15:22 Uhr

Psychische Störungen sind leider immer noch stigmaitisierend.
Die meisten Männer "behandeln" ihre Depressionen mit Alkohol. Mich würde interessieren wieviel Prozent der Alkoholiker durch Depression in die Alkoholkrankheit kamen.
Wer jung ist und nach der Ausbildung oder dem Studium nach Arbeit sucht, der geht doch nicht zum "Seelenklempner", das könnten doch potentielle Arbeitgeber mitbekommen.
Wer wegen seiner psychischen Störung zum Hausarzt geht, weil er keine Krankschreibung vom Psychiater beim Arbeitgeber abgeben will, wird nicht richtig und erfolgreich behandelt.
So entsteht ein Teufelskreis, der alles noch schlimmer macht.
Wer nur einen befristeteten Job hat, Leiharbeit oder Billig-Jobber, der ständig Angst um seinen Arbeitsplatz hat, kann durch diese Situation erkranken.
Ebenso wer in der Karriereleiter schon ein Stück weit nach oben gekommen ist und viele Neider hat, bangt auch ums Vorwärtskommen.
Aller negative Stress kann zur Krankheit führen.

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Tobias Münzer

Registriert seit: 14.06.2012

Kommentare: 5

14. Juni 2012 - 15:28 Uhr

@Fr. Bacheberle: Treffender Kommentar!

Ich finde mich (leider) in Ihren Worten wieder! Besonders diese Stigmatisierung lässt sich bei vielen leidenden Menschen beobachten. Wer psychologische Hilfe in Anspruch nehmen will und sich die Beratung nicht selbst leisten kann, muss zunächst den Krankenkassen sein komplettes seelisches Innenleben offen darlegen. Hinzu kommt ein Attest für den Arbeitgeber, der (zumindest im Falle von einigen Bekannten und mir) genaue Angaben über Diagnose etc. möchte.

Und über allem schwebt das Damokles-Schwert des "lupenreinen Lebenslaufs", der trotz aller Beschwichtigungen leider immer noch viel zu häufig vorausgesetzt wird.

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Ch. Tröndle

Registriert seit: 22.07.2011

Kommentare: 45

14. Juni 2012 - 16:35 Uhr

Diese Studien heute sowie früher (1998) sind doch gar nicht Aussage kräftig und nicht brauchbar. Denn man kann nicht alles gleich bewerten. Wenn ich denke das von diesen Übergewichtigen, psychisch angeschlagenen Menschen über 90% mit Antidepresiva behandelt werden, die müde und tatenlos machen, wie können solche Menschen denn ihr Gewicht steuern? Auch Alkohol ist ein Dickmacher. Mir tun diese Menschen wirklich leid, wenn man das Übel an Burn out und anderen Störungen fest macht, anstatt vernünftig zu helfen. Keine sichere Arbeit, keine hilfreiche vernünftige Ausbildung, tägliche Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, Doppelbelastungen alleinerziehender Frauen, mit mehreren kleinen unertäglichen ausbeuterischen Jobs. Daran liegt Deutschlands Elend. Eine Politik die Reiche noch reicher macht und Alte abschiebt und für dumm und unbrachbar hält. Die Menschen (heute alt und krank) die nach dem Krieg Deutschland zum Wohlstandland gemacht haben. Heute aber 75% der Jungen gegen alte Menschen rebellieren wenn sie eine Rentenerhöhung brauchen. Warum werden Hartz 4 Empfänger drittklassig behandelt, weil Politiker ihre Däten jedes Jahr erhöhen und nicht nachdenken was ein normaler Bürger zum täglichen Leben braucht, ausser Wasser und Brot. So denkt Deutschland heute und die Jungen bilden sich ein, wenn man studiert hat, hat man das Recht auf einen lukrativen Job, der Geld bringt, möglichst ohne viel zu arbeiten. Diejenigen, wissen gar nicht was Arbeit wirklich ist. 35 Stdn. wie heute, hat es früher nicht gegeben, man hat mindesten 48-52 Stdn. gearbeitet, aber nicht bei einem Lohn wie heute. Darum sind viele krank, weil sie keine Zukunft hatten, geschweige heute haben.
Dieses Geld für diese dumme Studie, hätte man besser für die Menschen verwendet um ihre Gesundheit wieder her zu stellen. Auch die Madam mit ihren 7 Kindern hat wirklich keine Ahnung von einem arbeitsreichen gut koordinierten Leben, sie braucht ja nur mit dem Finger schnippen um eien geeignete Kraft für ihre Kinder zu besorgen. Die Frage ist nur was bekommt diese Kraft an Lohn bei ihr? Kann sie dadurch ihre Rente entsprechend aufstocken? Die o. angeführten 34/35 Jährigen, das sind doch gerade die, die überwigend ausgepresst werden ohne vernünftgen Lohn, denn da tut Hilfe not und die Politik schaut zu. Wie soll man bei vier/fünf Jobs seine Rente zahlen, wenn es nicht mal zum Leben reicht??? Die Kinder versorgen??? Sein Eigenheim zahlen usw. ???? Wenn dann noch Schicksalsschläge hinzu kommen, dann wird man krank aus Sorge um die Grundexistenz. Das wird bei solchen dummen Studien nicht beachtet, hauptsache die Kasse stimmt.

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Tobias Münzer

Registriert seit: 14.06.2012

Kommentare: 5

14. Juni 2012 - 16:51 Uhr

@ Herr Tröndle:

Ich möchte hier ja nicht das Fass "Generationenvertrag" usw. aufmachen...

Aber die durchschnittlichen Arbeitszeiten junger Arbeitnehmer mit 35 Stunden zu pauschalisieren halte ich für an der Realität vorbei gedacht. Und auch die Löhne mögen im Laufe der Jahrzehnte gestiegen sein - die Lebenserhaltungskosten (insbes. Miete) sind es aber mindestens gleichermaßen.

Trotzdem stimme ich Ihnen im Kernpunkt Ihrer Aussage zu. Es erfordert ein ganz anderes Umdenken (nämlich ein gesellschaftliches) als in solchen Studien impliziert wird. Außerdem sind es die gestiegenen Zukunftssorgen, die die Menschen krank machen würden, selbst wenn die Belastung die selbe wäre, wie die vor 10 Jahren.

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