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05. Oktober 2011 19:48 Uhr

Tote Amsel

Forscher weisen erstmals Usutu-Virus in Freiburg nach

In Freiburg ist eine Amsel an dem gefährlichen Usutu-Virus gestorben. Der Erreger kann auf Menschen übertragen werden. Experten warnen jetzt davor, tote Vögel anzufassen.

  1. Im Freiburger Stadtteil Zähringen ist eine Amsel an dem Usutu-Virus gestorben. Foto: dpa

In Zähringen ist eine Amsel am Usutu-Virus gestorben. Das haben die Wissenschaftler des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Freiburg (CVUA) nachgewiesen. Es ist der erste Fall des Tropenvirus’ in Südbaden, teilte das Regierungspräsidium gestern mit. Der Erreger kann auf Menschen übertragen werden. Bis 2001 wurde er nur in Afrika nachgewiesen, als er dann erstmals in Österreich auftrat, löste er ein großes Vogelsterben aus.

Die Amsel wurde auf einem privaten Gartengrundstück in Zähringen gefunden und zur CVUA gebracht. Die Fachleute hatten gerade das Testverfahren für das Virus installiert. "Uns war klar, dass wir uns rüsten müssen", sagte Heike Goll, Leiterin des CVUA, wo der Tierpathologe gleich gestern den zweiten Fall auf dem Tisch hatte: Eine Amsel aus Ihringen war ebenfalls positiv. Das Amt stellt sich auf mehr Arbeit ein. Doch Heike Goll weist darauf hin, dass es sich bisher um Einzelfälle handelt. In Österreich habe sich gezeigt, "dass die Vögel relativ zügig Resistenzen ausbilden können".

Durch Stechmücken übertragen

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Mitte September war das Usutu-Virus zum ersten Mal in Baden-Württemberg bei toten Amseln nachgewiesen worden. Es wird durch Stechmücken übertragen und kann auch andere Wildvögel befallen. Für Menschen besteht nach Angaben des Landessozialministeriums kein Anlass zur Beunruhigung. "Die Erkrankung verläuft in der Regel milde", sagt Eva Güttler, im Freiburger Regierungspräsidium für Tierseuchenbekämpfung zuständig. Symptome seien Fieber und Hautveränderungen.

Vorsicht ist trotzdem geboten: Wer tote Wildvögel findet, soll sie nicht mit bloßen Händen anfassen. Sie können bei der Tierhygiene der CVUA, Am Moosweiher 2 in Landwasser, abgegeben werden.

Usutu-Virus

Das Virus stammt ursprünglich aus Afrika. Vor zehn Jahren konnte der Erreger erstmals bei toten Vögeln in Europa nachgewiesen werden. Bei Vögeln kann das Virus unter anderem zu Bewegungsstörungen und Apathie führen. Nach Angaben Wiener Veterinärmediziner war der Erreger von 2001 an verantwortlich für ein Vogelsterben in Österreich, später auch in Ungarn, der Schweiz und Italien. Das Virus könnte dem Experten vom Bernhard-Nocht-Instiut für Tropenmedizin zufolge entweder mit Zugvögeln oder über infizierte Mücken nach Europa eingewandert sein. Nach einigen Jahren seien die Vögel in Österreich gegen das Virus immun geworden. Eine solche Entwicklung sei auch für Deutschland vorstellbar, meinte der Experte.

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Autor: Simone Höhl