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14. Juli 2012

Omas Haus erwacht zu neuem Leben

Ortskernentwicklung auf dem Land (Teil 2/2): Wer in Achkarren Melap-plus-Förderung erhält, muss energieeffizient bauen.

  1. Felix und der Besen sind bereit für den Umbau des Hauses der Uroma. Familie Meyer will dort bald einziehen. Foto: Anita Fertl

  2. Eingebettet in Weinberge: Achkarren setzt bei neuen Bauvorhaben auf die Innenentwicklung. Foto: Anita Fertl

Achkarren will ein attraktiver Wohnort sein und lässt sich dabei unterstützen: Die Winzergemeinde am Kaiserstuhl ist Teil eines "Modellprojekts zur Eindämmung des Landschaftsverbrauchs durch Aktivierung innerörtlicher Potenziale". Melap plus heißt das Projekt des baden-württembergischen Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz kurz. Ziel ist es, den Flächenverbrauch am Ortsrand zu verringern und Baulücken im Ortskern zu schließen. Dafür erhalten Bauherren Zuschüsse.

Bei Cornelia und Michael Meyer kann es mit dem Bauen endlich losgehen, die Freigabe ist da. Derzeit wohnen sie noch zur Miete, aber bald im Eigenheim. "Es ist das Haus meiner Oma. Hier bin ich aufgewachsen", sagt Michael Meyer. Das alte Gebäude soll zurückgebaut werden, entstehen sollen eine Garage und viel Wohnraum für die Familie mit zwei Kindern. Weinbau wird im Nebenerwerb betrieben. Außerdem plant Meyer, im neuen Heim eine kleine Schnapsbrennerei zu führen. Für die Fördergelder des Melap-plus-Programms müssen Meyers einige Auflagen erfüllen. So wird Wert auf eine umweltfreundliche Bauweise gelegt, regenerative Energien sollen eingesetzt werden. Bei Familie Meyer wird das verwendete Bauholz aus heimischen Hölzern bestehen, zur Dämmung will sie natürliche Materialien wie Holzwolle nutzen. Eine Gastherme und eine Solaranlage sollen dafür sorgen, dass die Energieversorgung den Melap-Maßstäben entspricht.

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Tourismus und Weinbau gelten als Grundlage für eine zukunftsfähige Entwicklung Achkarrens, das für seinen Grauburgunder berühmt ist. Deshalb soll neben dem Wohnen auch die Schaffung von Ferienwohnungen gefördert werden. Für Leerstandsbeseitigungen, Umnutzungen, Baulückenschlüsse, Modernisierungen und Instandsetzungen unter Berücksichtigung altersgerechter Unterbringung können Bauherren Gelder vom Land erhalten. Auch ein Abbruch und Neubau innerhalb des historischen Ortskerns von Achkarren wird gefördert – mit maximal 40 000 Euro pro Baumaßnahme. Zwar wurden laut Planer Thomas Thiele bisher schon sieben Maßnahmen angepackt, in den Ausbau von Ferienwohnungen wurde aber noch kein Melap-plus-Geld gesteckt.

Marc Wihler hat in das alte Elternhaus investiert. Er ist wieder in den zu Vogtsburg gehörenden Ort zurückgekehrt und hat die energetischen Vorgaben umgesetzt, als er das Ober- und Dachgeschoss erweitert hat. Eine gute Dämmung, die Luft-Wärmepumpe und eine kontrollierte Wohnraumlüftung sind wichtige Elemente des Energiekonzepts. "Ohne Eigenleistung und Fördergelder durch Melap wäre die Baumaßnahme nicht möglich gewesen", meint Wihler, dessen Vater im Erdgeschoss des modernisierten Hauses wohnt. Wihler junior plant den Einzug mit der Familie für August.

Neben privaten Baumaßnahmen soll auch eine strukturelle Weiterentwicklung der öffentlichen Einrichtungen im Zentrum vorangetrieben werden. Eine Verbesserung der Grundversorgung ist angedacht. Momentan werde etwa geprüft, ob kommunale Einrichtungen zusammengelegt werden können, um neuen Wohnraum zu schaffen, sagt Thiele.

Für eine erfolgreiche Umsetzung des Projekts ist eine gute Kommunikation zwischen Gemeinde und Bürgerschaft unerlässlich. Deswegen müssen sich die Verantwortlichen auch der Kritik aus der Bürgerschaft stellen. Andreas Zwick, der selbst Umbaumaßnahmen auf seinem Anwesen eingeleitet hat, gibt etwa zu bedenken: "Diejenigen, die bauliche Möglichkeiten haben, nutzen diese. Aber fehlende Baugrundstücke sind das Problem. Denn die Baulücken verkauft keiner." Es gebe viele Familien, die gerne in Achkarren gebaut hätten, aber keinen Baugrund bekommen haben.

Deshalb sei es wichtig, den Bürgern klarzumachen, dass ein gemeinsames Interesse besteht, innerörtliche Bereiche zu nutzen, betont Gabriel Schweizer, der Bürgermeister von Vogtsburg: "Denn ein leerstehendes, verfallenes Gebäude im Ortskern entwertet nicht nur das Ortsbild, sondern sämtliche angrenzenden Grundstücke." Nicht zuletzt deswegen gehe die Stadt von jeher sehr zurückhaltend mit der Ausweisung von Bauflächen um. "Unsere sieben Winzergemeinden sind in Jahrhunderten gewachsen. Jede Gemeinde hat ihr eigenes Gesicht, ihre eigene Identität, was auch ihren Reiz ausmacht. Ein Neubaugebiet dagegen ist austauschbar", sagt der Bürgermeister.

Am Samstag, 7. Juli, war an dieser Stelle der erste Teil über die Ortskernentwicklung auf dem Land zu lesen: "In der Scheune wohnen".

Autor: Anita Fertl