Puppendoktor

In Bad Krozingen werden Puppen und Figuren repariert

Theresa Ogando

Von Theresa Ogando

Mi, 10. Oktober 2018 um 07:51 Uhr

Liebe & Familie

Alte Puppen – manche erinnern sie an Horrorfilme, für viele sind es wertvolle Erinnerungsstücke. Puppenarzt Bernd Ruffert gefällt das Künstlerische an Puppen.

Seit dem vergangenen Wochenende kommt Ruffert jeden ersten Sonntag im Monat in den Litschgikeller nach Bad Krozingen zur Puppenausstellung, um alte Figuren zu reparieren. Und dabei möglichst wenig zu verändern.

Manch Puppenbesitzer ist durchaus empfindlich. "Es geht ums Erhalten", sagte Bernd Ruffert. "Eine Kundin meinte sie, würde ihre Puppe nicht mehr wiedererkennen, nachdem neue Augenbrauen auf diese gemalt wurden."

Normalerweise bringt Puppenarzt Ruffert die Figuren in "Hebbes Berni Puppenwerkstatt" in Heitersheim wieder in Form. Allerdings: Die Puppen, die Anita Lüttke liebevoll gesammelt hatte, werden bis Januar im Litschgikeller ausgestellt, denn aufgrund eines Gebäudeproblems konnte das Puppenmuseum in Heitersheim nicht weitergeführt werden.

"Ich habe 1993 angefangen, Puppen für eine Ausstellung zu sammeln", erzählte Anita Lüttke. Sie hat damals eine Ausstellung für die Gehörlosenschule in Stegen ins Leben gerufen. Sie selbst ist auch gehörlos und sagte: "Ich konnte früher nicht viel mit Puppen spielen, da ich sehr viel mit meiner Mutter meine Sprache trainiert habe. Jetzt kann ich das nachholen." Und so füllte sie 1989 eine ganze Turnhalle mit Puppen, um den gehörlosen Kindern eine Freude zu bereiten. Nach der Ausstellung wollte sie diese zunächst verkaufen, aber wurde angehalten, stattdessen ein Puppenmuseum mit den Figuren zu eröffnen. Und so kamen die mittlerweile 4000 Puppen nach Heitersheim, wo sie bis vergangenes Jahr ausgestellt wurden.

Früher übernahm ihr Ehemann die Reparatur der Puppen, bis er diese aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fortsetzen konnte. Seit drei Jahren übernimmt deshalb Bernd Ruffert die Reparaturen, den Anita Lüttke schon seit Kindertagen kennt. "Wir haben eine extreme Nachfrage nach Reparaturen. Ich habe momentan 100 Puppen in der Werkstatt", sagte Ruffert. Und auch am Sonntag kamen mehr dazu. Darunter "das Lorchen" wie ihre Besitzerin die Puppe nannte. Sie kam zum Puppendoktor, um die Perücke neu ankleben zu lassen. "Die Puppe gehörte meiner Schwiegermutter, die 1904 geboren wurde. Das Lorchen bekam sie als Baby", erzählte die Besitzerin.

"Puppen sind Herzensstücke", sagte der Puppenarzt. Und so kam eine andere Dame in den Litschgikeller, um ihre erste Puppe reparieren zu lassen. "Ich habe die mit eineinhalb Jahren zu Weihnachten bekommen. Ich habe sogar noch ein Foto davon", sagte die Besitzerin. Mittlerweile ist die Puppe 59 Jahre alt und bekam von dem Puppenarzt ein neues Gummiband, das sie nun wieder fest zusammenhält. Frisch repariert bekomme die Puppe jetzt erst einmal einen Platz auf dem Sofa. "Vielleicht wollen die Enkelkinder sie einmal", sagte die Besitzerin. Auch ein kleines Mädchen kam, um den Arm ihrer Babyborn-Puppe wieder anbringen zu lassen. Bei den neuen Puppen lohnt sich die Reparatur weniger. Sie ist aufwendig und kostet fast so viel wie die Neuanschaffung. Die Reparatur koste 20 bis 30 Euro – eine brandneue Puppe mit Kleidung 45 Euro.

Auch wenn man keine Puppe zur Reparatur bringt, kann man die Puppen der Ausstellung betrachten. Diese zeigen eine vergangene Welt – die ausgestellten Puppenstuben sind teilweise Originale aus dem Jahre 1850. Zu der Zeit waren Puppen nur für die obere Gesellschaftsschicht erschwinglich. "Damals wurden sie dazu verwendet, um den Kindern Benehmen beizubringen, wie man den Tisch deckt oder Gäste empfängt zum Beispiel", erklärte Ruffert. Der ausgestellte Kaufmannsladen sollte im 19. Jahrhundert schon den kleinen Jungen zeigen, wie man einen solchen Laden zu führen habe, sagte der Puppenarzt. Mit den Antiquitäten in der Ausstellung kann auch heute nicht einfach gespielt werden – zu groß ist die Gefahr, dass die wertvollen Erbstücke und Flohmarktfunde kaputt gehen. Aber wer in Erinnerungen schwelgen will, ist bei der Puppenausstellung richtig.