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04. März 2010
Schweiz
Atommüll: Keiner will den schwarzen Peter
Schweizer Atommüll: ungewollte "Favoritenrolle" für das Zürcher Weinland .
BENKEN (sda). Die politischen Behörden der möglichen Standorte für ein Tiefenlager für Atommüll in der Schweiz nehmen den neusten Bericht des Bundes mit unterschiedlicher Vehemenz zur Kenntnis. Die Reaktionen reichen von abwartender Zurückhaltung bis zu beinhartem Widerstand.
Der Bund erachtet im Kanton Zürich gleich zwei Standorte als "geeignet", um ein Atommüll-Tiefenlager zu bauen: das Zürcher Weinland und die Region Nördlich-Lägern im Unterland. Die Regionen hoffen nun, dass weitere Abklärungen doch noch eine Nicht-Eignung ergeben. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) bestätigte am Freitag alle bisher diskutierten Standorte als grundsätzlich geeignet, um radioaktive Abfälle zu lagern.Für schwach- bis mittelaktive Abfälle schlägt der Bericht unter anderem den Südranden (Kanton Schaffhausen) und den Jura-Südfuss (Solothurn/Aargau) vor. Für hochaktive Abfälle eignen sich laut den Experten das Weinland und das Unterland (Zürich) und der Bözberg (Solothurn/Aargau). Für ein Tiefenlager ebenfalls in Frage kommt die Region Nördlich-Lägern im Zürcher Unterland.
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Der Kanton Zürich will das neue Gutachten und die Unterlagen der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), "kritisch prüfen", wie der Mediensprecher der Zürcher Baudirektion, Dominik Bonderer, mitteilte. Das wollen auch die Aargauer Kantonsbehörden tun.
Der Kanton sprach sich bereits früher dafür aus, mit dem Bund zusammenzuarbeiten. Das Verfahren müsse aber transparent verlaufen. Geplant sind nun in den Regionen öffentliche Veranstaltungen. Die Aargauer FDP warnte vor einem Schwarzpeter-Spiel zwischen den Standortgebieten. Das führe nicht weiter. Das Tiefenlager müsse dort errichtet werden, wo die Abfälle am sichersten verwahrt werden könnten. Oberste Priorität habe der Schutz der Bevölkerung, Tiere und Umwelt. Die geologische Eignung sei zwar das wichtigste, aber nicht das einzige Kriterium für einen Standort, sagte Verena Strasser, Präsidentin des Forums Opalinus vor den Medien in Benken.
"Nebst der Sicherheit müssten auch raumplanerische und sozioökonomische Aspekte berücksichtigt werden wie etwa die wirtschaftliche Entwicklung einer Region", sagte die Präsidentin des Forums, das sich für die Interessen des Weinlandes einsetzt. Sie hofft nun, dass weitere Abklärungen das Zürcher Weinland von seiner ungewollten "Favoritenrolle" befreien werden.
Autor: sda
