Zertifizierung

Fairer Handel: Was bringt das Siegel den Produzenten?

Florian Cazeres

Von Florian Cazeres

Mi, 04. Oktober 2017 um 14:58 Uhr

Wirtschaft

Das Angebot wächst: Mit Produkten aus fairem Handel wurden im vergangenen Jahr erstmals mehr als eine Milliarde Euro umgesetzt. Absatzgarantien haben die Bauern allerdings nicht.

Mit 1,2 Milliarden Euro habe der Umsatz mit Fairtrade-Produkten 2016 um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt, teilte die Organisation Transfair mit. Sie vergibt in Deutschland das Fairtrade-Siegel.

Stephanie Osten ist begeistert. Es gibt immer mehr Leute, die ihr Freiburger Geschäft "Weltladen Herdern" besuchen, um ihre Fairhandels-Erzeugnisse zu kaufen. Die Produkte, die sie verkauft, stammen meist aus Mittelamerika und Afrika. "Jedes Jahr haben wir eine Umsatzsteigerung zwischen acht und zehn Prozent. Es gibt immer mehr Menschen, die sich für den fairen Handel interessieren", sagt sie.

Schweiz und Deutschland sind große Absatzmärkte

Seit 25 Jahren gibt es Produkte mit dem Fairtrade-Siegel im Handel, aber erst in den vergangenen zehn Jahren hat die Sache Fahrt aufgenommen. Seither hat sich der Umsatz versechsfacht. Nach der Schweiz ist Deutschland heute der größte Absatzmarkt für Fairhandels-Erzeugnisse. Laut dem Verband Verbraucher Initiative sind heute fair gehandelte Waren in 42.000 Geschäften erhältlich, darunter zahlreiche Supermärkte und Discounter. 17.000 Tonnen Kaffee wurden 2016 verkauft, ein Plus von 25 Prozent. Aber man muss trotzdem relativieren: Von 100 Tassen Kaffee, die getrunken werden, sind nur vier fair gehandelt.

"Viele Leute sind bereit, ein bisschen mehr zu bezahlen, um die Gewissheit zu haben, dass es fair zugeht", sagt die Schweizer Forscherin Nadine Arnold, die über dieses Thema an der Universität Luzern arbeitet. Zudem werde das Angebot an fair gehandelten Produkten größer. "Es gibt immer mehr Initiativen in den südlichen Ländern. Anfangs gab es nur kleine Farmen, heute gibt es große Plantage", erklärt Arnold. Außerdem ist die Produktpalette breiter geworden. Neben den Klassikern Kaffee und Bananen gibt es mittlerweile Fairtrade-Blumen, -Fruchtsaft, -Kakao oder auch -Textilien. Sogar Gold aus fairem Handel bieten einige Goldschmiede inzwischen an.

Verbessert sich die Situation der Produzenten?

Ein wachsendes Angebot bedeutet nicht zwingend, dass sich die Situation der Produzenten verbessert. "Die Nachfrage steigt nicht so stark wie das Angebot. Für die Erzeuger gibt es keine Absatzgarantie. Ich habe Untersuchungen in eine Ananasplantage gemacht. Sie war als Fairtrade zertifiziert, aber nur zehn bis 20 Prozent der Erzeugnisse wurden mit Fairtrade-Siegel verkauft", sagt Nadine Arnold.

Der französische Forscher Jean Louis Pernin, der an der Universität Toulouse arbeitet, bestätigt: "Trotz des großen Wachstums in Frankreich und Deutschland ist die Nachfrage noch gering. Die Erzeuger schaffen es oft nicht, ihre Erzeugnisse mit dem Siegel zu verkaufen", sagt er. Damit profitierten sie auch nicht von den höheren Preisen, die mit dem Siegel verbunden sind.

In Deutschland kamen durch die höheren Preise für Fairtrade-Produkte 2016 rund 21 Millionen Euro an Prämien zusammen, die an die Produzenten fließen.
Fairtrade-Siegel

Das Fairtrade-Logo ist nur eines von vielen Siegeln, mit denen bestimmte Qualitäten hervorgehoben werden. Ein Hersteller kann es nicht einfach auf seine Bananen oder Fußbälle kleben. Hinter Siegeln stehen Organisationen, die diese vergeben. Über den komplizierten Prozess der Vergabe informiert die Stiftung Warentest: http://mehr.bz/test-fair
Die Standards des Fairtrade-Siegels finden Sie hier: http://mehr.bz/fair