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18. Februar 2011 00:00 Uhr

BZ-Telefonaktion

Mit dem Kachelofen umweltschonend heizen

Bei der jüngsten BZ-Telefonaktion haben Leser viele Fragen zu erneuerbaren Energien, Wärmedämmung und den entsprechenden Fördermöglichkeiten gestellt. Wir dokumentieren die wichtigsten Antworten.

  1. Wohlige Wärme, umweltschonend: Kachelöfen Foto: adk Arbeitsgemeinschaft der deutschen Kachelofenwirtschaft

  • Wir müssen bei unserem Haus die Heizung erneuern. Nun habe ich gehört, dass es in Baden-Württemberg ein Gesetz gibt, welches die anteilige Nutzung von erneuerbaren Energien vorschreibt. Könnten wir dem mit einem Kachelgrundofen gerecht werden?
Sie meinen das Erneuerbare-Wärme-Gesetz. Dieses Gesetz gilt in Baden-Württemberg und schreibt seit dem 1. Januar 2010 vor, dass bei einem Heizungsaustausch in Wohngebäuden mindestens zehn Prozent erneuerbare Energien genutzt werden müssen. Das kann auf verschiedene Weise geschehen, etwa durch eine Solaranlage, eine Wärmepumpe oder die Nutzung von Biogas, Bio-Öl oder Holz als Energieträger. Außerdem ist es möglich, alternativ etwa mit einer besonders guten Wärmedämmung das Gesetz zu erfüllen. Ein Kachelgrundofen kann ebenfalls eine Lösung sein, wenn dieser ausschließlich mit Holz beschickt wird, einen Wirkungsgrad von mindestens 80 Prozent hat und mindestens 25 Prozent der Wohnfläche überwiegend beheizt oder er mit einem Wasserwärmeübertrager ausgestattet ist.
  • Eigentlich brauchen wir einen neuen Heizkessel. Aber wir können uns wirklich nur eine ganz preisgünstige Lösung, ohne die Installation einer Solarthermieanlage, leisten. Was ist, wenn wir nicht genügend Geld haben, um den zehnprozentigen Anteil an regenerativen Energien zu realisieren, den das Erneuerbare-Wärme-Gesetz verlangt?

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Das Gesetz sieht da zahlreiche Ausnahmen vor, etwa wenn Ihr Hausdach stark durch Gebäude verschattet ist oder der Denkmalschutz eine Solaranlage auf dem Dach verbietet. Des Weiteren gibt es auch eine Härtefallregelung. Wenn Sie finanziell nicht in der Lage sind, das Gesetz zu erfüllen, können Sie bei der unteren Baubehörde einen Härtefallantrag stellen. Den müssen Sie nachvollziehbar begründen, also etwa ihre Einkommens- und Vermögenssituation offenlegen.
  • Wir möchten unserem Haus eine Wärmedämmung verpassen. Welche Dämmstärke müssen wir dabei wählen?
Der Gesetzgeber hat die diesbezüglichen Mindestanforderungen in der Energieeinsparverordnung, kurz EnEV, geregelt. Die aktuelle Version stammt aus dem Jahr 2009. Außerdem sollten Sie, auch im Hinblick auf einen eventuell anstehenden Heizungsaustausch, die Anforderungen im Erneuerbare-Wärme-Gesetz des Landes Baden-Württemberg im Blick haben. Wenn Sie außerdem Fördermittel der KfW nutzen wollen, müssen Sie zusätzlich noch die Anforderungen des Programms "Energieeffizient sanieren" berücksichtigen. Die Anforderungen dort erhöhen sich zum 1. März deutlich. Dann kann die notwendige Dämmstärke teilweise bei 32 Zentimetern liegen.
  • Ich will auf meinem Dach eine Solaranlage für Strom oder Warmwasser installieren. Muss ich da bezüglich der Dachkonstruktion etwas Bestimmtes beachten?
Nicht jedes Dach ist von seiner Konstruktion und seinem Zustand her für die Bestückung mit einer Solaranlage geeignet. Sie sollten in jedem Fall vorab einen Dachdecker einen Blick auf das Dach werfen lassen. Die frühzeitige De- und Neumontage der Solaranlage aufgrund einer Dachsanierung kann die Rendite der Anlage verhageln.
  • Rechnet es sich, wenn ich den Strom aus meiner Solarstromanlage direkt selbst verbrauche?
Laut dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, gilt als Eigenverbrauch nur der Teil des Solarstroms, der sofort im Haus verbraucht wird. Es kommt also darauf an, dass der Strom gleichzeitig erzeugt und selbst verbraucht wird. Die Vergütung richtet sich nach dem Anteil des Stroms, der selbst verbraucht wird im Verhältnis zum gesamten erzeugten Solarstrom. Sind es mehr als 30 Prozent, liegt die Vergütung um zwölf Cent unter der jeweils gültigen Vergütung bei Volleinspeisung. Da der Eigenverbrauch aber den Strombezug entsprechend verringert, können ja auch die vermiedenen Bezugskosten mit eingerechnet werden. Liegen die zum Beispiel bei 20 Cent, dann ist jede selbst erzeugte und gleichzeitig selbst verbrauchte Kilowattstunde derzeit 36,74 Cent wert – während die eingespeiste Kilowattstunde nur mit 28,74 Cent vergütet wird. Allerdings ist ein zusätzlicher Zähler notwendig, der ebenfalls Kosten verursacht, so dass sich die Sache nur dann lohnt, wenn entsprechend viel Solarstrom selbst genutzt wird.
  • Ich hätte gerne eine Solarthermieanlage auf meinem Haus, doch es handelt sich um ein Flachdach. Die Dachneigung ist also alles andere als optimal. Was kann ich da tun?
Die Ertragsverluste durch Dachneigungen, die vom Optimum 45 Grad abweichen, sind nicht so groß, wie oftmals befürchtet wird. Sie müssen sie bei der Planung der Anlage allerdings auf jeden Fall berücksichtigen. Indem Sie die Kollektorfläche entsprechend vergrößern – sofern dies möglich ist – können Sie einen Ausgleich schaffen. Gängig ist auch das Aufständern, wobei die Kollektoren mittels kleiner Gerüste auf dem Dach schräg aufgestellt werden.
  • Ich habe gehört, dass Mini-Blockheizkraftwerke eine sinnvolle Energiequelle sein können. Jetzt brauchen wir gerade sowieso eine neue Heizung. Sollen wir in diese Technik einsteigen?
Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Generell ist es so, dass die verhältnismäßig teuren Mini-Blockheizkraftwerke sich dann rentieren, wenn der Auslastungsgrad stimmt. Das sollten Sie bedenken. Generell lohnt sich bei Anschaffung einer neuen Heizung auf jeden Fall fachmännische Beratung und ein fundierter Heizvariantenvergleich, eine Vollkostenrechnung über die gesamte Laufzeit, wie ihn Energieberater anbieten. Die Kosten dafür liegen bei mehreren Hundert Euro, aber die haben Sie schnell wieder drin, wenn Sie tatsächlich die optimale Heizungstechnik wählen.

Informationen im Internet


Beratung auf der GET

Auf der Messe Gebäude, Energie, Technik vom 25. bis 27. Februar in Freiburg präsentieren Handwerker, Hersteller, Händler, Planer und Berater die neuesten Entwicklungen rund ums Energiesparen und den Einsatz erneuerbarer Energien. Interessenten können sich über technische Möglichkeiten und Finanzierungsfragen kostenlos beraten lassen. Anmeldungen unter http://www.get-freiburg.de oder http://www.energieagentur-freiburg.de. Telefonische Anmeldung unter 0761/791770. Wer sich bis Dienstag 22. Februar anmeldet, bekommt bis zu zwei Eintrittskarten kostenlos.

Autor: Holger Schindler