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24. Juni 2017

Auch in Deutschland ist Astrotourismus möglich

Wer einen besonders schönen Sternenhimmel beobachten möchte, muss nicht um die halbe Welt reisen – auch in Deutschland ist Astrotourismus möglich .

Sabine Frank reist im Spätsommer am liebsten zur Milchstraße. Ihr Transportmittel sind die eigenen Augen, ihr Ziel ist das Sternbild des Schwans, das zu dieser Jahreszeit besonders gut zu erkennen ist. "Für mich ist das Urlaub am Himmel", sagt die Initiatorin des Sternenparks Rhön.

Sie bietet Nachtwanderungen an, erklärt den Teilnehmern, was am Himmel aufblitzt: "Es ist ein erhabenes Gefühl, die Andromeda-Galaxie mit bloßem Auge zu erkennen und auch zu merken, wie leistungsfähig die eigenen Augen sind", beschreibt sie Rückmeldungen der Wanderer. Inzwischen ist der Sternenpark Rhön ein gefragtes Reiseziel: In den ersten zwei Monaten 2017 hat Frank nach eigenen Angaben mehr Anfragen für Führungen bekommen als in den vergangenen beiden Jahren.

Neben der Rhön gibt es mit dem Westhavelland und dem Nationalpark Eifel zwei weitere offizielle Sternenparks in Deutschland. Es sind Regionen, die nachts besonders dunkel sind und sich daher bestens für die Sternenbeobachtung eignen. Sie haben ihren Vorteil erkannt und setzen die nächtliche Finsternis touristisch ein: Es gibt Führungen, Astrowanderungen, Gastgeber, die sich auf Sternenguckergäste einstellen und ihnen eine spätere Abreise, warme Decken oder Ferngläser anbieten.

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Patrick Schmidder, stellvertretender Geschäftsführer der Nordeifel Tourismus GmbH, sieht in Sternenreisen einen großen Pluspunkt: "Grundsätzlich tut uns das Thema unheimlich gut in der Region, weil es eine große Strahlkraft hat."

Wer offizieller Sternenpark werden will, muss bestimmte Anforderungen der International Dark Sky Association erfüllen und unter anderem die sogenannte Lichtverschmutzung vermeiden. Diese gilt als oberstes Ziel, das Sternengucken ist ein schöner Nebeneffekt. Das bedeutet nicht, dass in den umliegenden Ortschaften nachts alle Lampen ausgeschaltet werden. Sondern beispielsweise, dass Laternen oder Hausbeleuchtung so eingestellt werden, dass sie nicht horizontal oder nach oben strahlen und damit die Nacht zum Tag machen.

"Das Ansinnen ist nicht nur, diese wertvollen Nachtlandschaften mit ihrem Sternenhimmel zu erhalten und vor weiterer Lichtverschmutzung zu schützen, sondern auch über den Wert der Nacht und die Vermeidung von Lichtverschmutzung aufzuklären", sagt Harald Bardenhagen. Er leitet die Sternenwarte in Schleiden-Vogelsang und bietet dort Sternenwanderungen an.

Anders als Sabine Frank in der Rhön spaziert er dabei nicht durch die nächtliche Eifel, sondern lässt die Teilnehmer an einem Beobachtungsplatz durch riesige Teleskope schauen und den Sternenhimmel zusätzlich auch mit eigenen Augen erkunden. "Ich habe noch nie jemanden erlebt, der nicht davon ergriffen ist, einen sternenreichen Nachthimmel zu sehen", sagt Bardenhagen. Er hält Astroreisen für wertvoll und nachhaltig. "Das ist kein kleines Spartensegment, sondern ein Naturerlebnis, auf das alle ein Recht haben."

Das sieht Ilona Langgemach vom Naturpark Westhavelland ähnlich: "Wir wollen die Dunkelheit erhalten und die Beleuchtung verändern, um die Lichtverschmutzung zu verringern." Weil viele Sternbilder besonders gut im Frühjahr oder Winter zu sehen seien, verschiebe sich die Auslastung von Hotels und Pensionen in "tourismusärmere Zeiten".

Sternenfreunde nutzten das. "Es sind nicht nur Astrocracks, sondern viele Besucher, die mal die Milchstraße sehen wollen", sagt Langgemach. In Berlin oder im Potsdamer Raum sei das wegen der Lichtverschmutzung kaum möglich. Im Naturpark Westhavelland gibt es fünf Beobachtungspunkte für Besucher, die dort Sternschnuppen zählen oder sich den Nachthimmel erklären lassen können.

Dirk Reiser, Professor für nachhaltiges Tourismusmanagement an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve, hält Astroreisen für eine gute Möglichkeit, um Menschen den Nachthimmel nahe zu bringen und damit das Bewusstsein für die Natur zu stärken. Als Nischenmarkt lasse sich Astrotourismus sehr gut nachhaltig vermarkten, vor allem, wenn die lokale Bevölkerung einbezogen wird, sagt Reiser.

Während sich die Sternenbeobachtung in Deutschland touristisch erst seit wenigen Jahren entwickelt, sind andere Regionen in Europa weiter. "Die Kanarischen Inseln gehören zu den besten Orten weltweit für Sternenbeobachtung", sagt Barbara Bamberger von Tourismo de Tenerife. "Bei rund 5,6 Millionen Urlaubern auf der Insel ist die Sternbeobachtung immer noch ein Nischenprodukt", sagt Bamberger. "Das soll auch so bleiben." Beliebt seien die Touren gerade bei Deutschen: Fast ein Drittel der Sternengucker stamme aus Deutschland.

Autor: Corinna Kuhs (dpa)