Landesgartenschau

Reise durch den deutschen Schlager

Bettina Schaller

Von Bettina Schaller

So, 19. August 2018 um 18:48 Uhr

Lahr

Die SWR 4-Schlagerparty am Samstag hat die Reihen der E-Werk-Bühne auf der Landesgartenschau gut gefüllt. Bettina Schaller hat sich dort umgeschaut – und den Schlager für sich entdeckt.

Der erste Eindruck
1000 Stühle sollen es sein. Auf den Wiesen haben es sich viele Menschen auf Picknickdecken bequem gemacht. Ganze Familien sind da, um eine laue Sommernacht bei einer Schlagerparade zu genießen. Als eingefleischter Queen & Co Fan ist es schon eine Herausforderung, zu einer SWR 4-Schlagerparty zu gehen und wie erwartet, sind die Grooves entsprechend. "Oh sie ist eine, die immer lacht ..." – der Text ist simpel, die Melodie eingängig. Der Song von Kerstin Ott ist ein Ohrwurm, wie alle anderen Lieder, die an diesem Abend über das Gelände der Landesgartenschau klingen.

Das Publikum
Die Reise durch die Kultschlager der 1970er- und 1980er-Jahre und der neuen Deutschen Welle ist für viele eine nostalgische Zeitreise. Eingefleischte Fans von Dieter Thomas Kuhn kommen gar im Outfit der 1970er-Jahre. Schlaghose, Minirock, Blumen im Haar oder Brusttoupet, halsbrecherische Plateauschuhe – echte Hingucker sind das schon.

Die Band
Die neunköpfige Schlagerband der Familie Hossa bringt die Leute zum Tanzen. Der kleine, steinige Tanzboden vor der Bühne reicht plötzlich nicht mehr aus. "Wer kommt auch auf so eine Idee, hier alles zu bestuhlen!", sagt ein Zuschauer und schnappt seine Tanzpartnerin. Dann muss eben der Rasen herhalten. Überhaupt hätte man auf den Boden ein paar Dielen legen können, kommentiert eine Dame, die von ihrem Partner aufs Parkett geführt wird. Von "Anton aus Tirol" von DJ Ötzi bis "Live is Life" von der österreichischen Kultband Opus bringt die Familie alle gängigen Dancefloorhits auf die Bühne. Der Stimmungspegel steigt von Minute zu Minute.

Die Party
DJ Johannes Stier will Stimmung machen, die Besucher zum Tanzen vor der Bühne animieren. Martin hat sich als Solotänzer schon auf das steinige Parkett gewagt. Vom DJ gibt es Applaus vom Publikum. Seine Tanzpartnerin wagt sich mit fliederfarbenen Satin-High-Heels und einem gleichfarbigen Palettenkleid vor die Bühne. Staub wirbelt unter Fox-Trott-Schritt auf, kleine Steine springen unter den Absätzen davon.

DJ Johannes Stier braucht genau 15 Minuten, um die Tanzfläche zu füllen. Der Rest sitzt auf Stühlen unterm Zelt. Fehlt nur noch Dieter Thomas Heck. Der Schnellsprecher des ZDF hat in den 1970er-Jahren den deutschen Schlager ins Wohnzimmer gebracht. Aus dieser Zeit scheint auch das Gros des Publikums zu sein. Diejenigen, die stehen, schwingen ihre Hüften im Takt der Musik, andere singen leise mit, andere laut, und manche klatschen mit erhobenen Händen. Linedancer bevölkern den Rasen rund um das Zelt der E-Werk-Bühne. Die Stimmung im Publikum ist hervorragend. Vier Stunden Schlager satt.

Fazit
Nostalgie kommt auf und die Reise durch die deutschsprachige Schlagermusik geht dann doch ins Ohr. Die Melodien sind eingängig und bei Hey Macarena von Los del Rio erinnern sich die Ersten auch wieder an die passenden Tanzschritte. Beim Antreten des Heimwegs durch den Park am See entlang summt die Begleitung "Atemlos durch die Nacht" von Helene Fischer. Mit dem Deutschen Schlager ist es eben wie mit der Bild-Zeitung. Keiner will sie gelesen haben, doch fast alle kennen die Schlagzeile des Aufmachers. Denn auf die Frage quer durchs Publikum wollen die meisten "rein zufällig und auf ein Bier hier sein" - Zufälle gibt’s!

Mehr Eindrücke von der Schlagerparty gibt’s im Fotoalbum unter http://mehr.bz/schlagerparty