Von tänzerisch bis rockig

Katharina Bächle

Von Katharina Bächle

Mo, 09. Mai 2016

Reute

20 Jahre dirigiert Florian Siegel den Akkordeon-Club Reute: Nun hat er beim Frühjahrskonzert auch Lieblingsstücke präsentiert.

REUTE. Das Frühjahrskonzert des Akkordeon-Clubs Reute (ACR), der sich als Gastorchester die Akkordeon-Gilde Freiburg eingeladen hatten, versprach in diesem Jahr mehr als wie ein buntes Programm. Dirigent Florian Siegel präsentierte mit dem Jugend- und Hauptorchester Kompositionen, die er in den vergangenen zwei Jahrzehnten − zum Teil mehrfach − gespielt hatte. So verwies er musikalisch auf seine 20-jährige Dirigententätigkeit, für die er an diesem Abend eine Urkunde bekam.

Der musikalische Querschnitt begann mit "La Storia" von Jacob de Haan. Mit der Komposition, das Stück ist Ennio Morricone gewidmet, bewies das Jugendorchester großes Können. Vor allem die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Teile verlangten von den zwölf Spielern und Spielerinnen volle Konzentration.

Der Hit "The Final Countdown" der schwedischen Rock-Band Europe ging gleich in die Ohren der Zuhören, nicht zuletzt durch die prägnante Keyboard-Melodie. "Obwohl nur als Eröffnungslied gedacht", wie Moderator Michael Asal ankündigte, machte eben diese Melodie das Lied zum Dauerbrenner.

Auch das Hauptorchester präsentierte Stücke aus zwei Dekaden Orchesterarbeit. Mit diesem Programm spiegelte Siegel auch eine kleine Auswahl seiner Lieblingslieder. Für jeden Musikgeschmack war etwas dabei. Vitalität und Lebensfreude waren aus der Originalkomposition für Akkordeonorchester "Werziade" zu hören, die Fritz Dobler seinem langjährigen Friseur und Freund Herbert Werz gewidmet hat, wie Asal anmoderierte. Melodien der Provence erklangen bei Georges Bizets "L’Arlesienne Suite", die mit ihren vier Sätzen Musikern wie Zuhörern volle Konzentration abverlangte. Doch Siegel dirigierte sein Orchester souverän von der ruhigen, getragenen Pastorale, über das düster-schwermütige Intermezzo mit seiner expressiven Solomelodie und das tänzerische Menuett bis zum effektvollen, stürmischen Finale, der Farandole, einem provenzalischem Volkstanz. Fetzige Rhythmen gab es mit "Danza Mediterranea" und "Samba Negra", das im Les Humphries-Medley seinen Höhepunkt fand.

Tosender Applaus im Publikum und Zugaberufe ließen die Besucher sowohl beim Jugend- als auch beim Hauptorchester nicht lange auf weitere Stücke warten. Dabei erklangen mit "Narcotic" von Liquido (Zugabe Jugendorchester), "Africa" von Toto und "Under Pressure" von Queen drei Lieder vom letztjährigen Jubiläumskonzert "Reute rockt". Zum Abschluss gab es "Simply the best" von Tina Turner – dem einzigen neuen Stück im Repertoire dieses Abends.

Auch das Gastorchester, die Akkordeon-Gilde Freiburg unter Sabine Schmitt, brachte Abwechslungsreiches auf die Bühne. Temperamentvoll und tänzerisch bei der Ouvertüre zu "Les Savojardes", über einen spanischen Walzer "La Sérénade" bis hin zu japanische Klänge in "Sakura" oder bekannten italienischen Melodien in "Viva Belcanto", das neben dem Gefangenenchor aus der Oper Nabucco unter anderem auch die bekannte Trantella "Funicolì Funicolà" enthielt. Klanglich experimentell zeigte sich das Orchester mit Kagi Tyamatsus "Sakura" (Kirschblüte), das von träumerischen bis hin zu wichtigen Passagen reichte. Beim Medley "Simon and Garfunkel" erklangen anspruchsvolle Arrangement. Das Publikum bekam erneut zwei Zugaben.

Zur 20-jährigen Dirigententätigkeit überreichte Vorsitzender Frank Hellstab an Siegel eine Urkunde. In seiner Laudatio ging er nur auf einige besondere Konzerte ein. "Alle Highlights der letzten 20 Jahre im Detail aufzuzählen würde den Rahmen sicher sprengen."

Als außergewöhnlich und besonders aufwändig nannte er die drei Event-Konzerte Latino Nacht, Rondo Veneziano und das Rock-Konzert. "Ob klassisch oder populär, traditionell, mit Schwerpunkt Originalliteratur oder mit top aktuellen Arrangements – in den letzten 20 Jahren ist alles dabei gewesen, sodass es weder den Spielern noch den Konzertbesuchern nie langweilig wurde."

Für zehnjährige Mitgliedschaft erhielten Elena Deuringer und Maike Thomson die DHV- Nadel in Silber.