Murg geht Auf Leim

RHEINFÄLLE: Knorpelkirsche im Nistkasten

Winfried Dietsche

Von Winfried Dietsche

Sa, 19. Januar 2019 um 17:45 Uhr

Murg

Das neue Jahr bringt mit dem heutigen Samstag gerade erst 5,205 Prozent seiner Wegstrecke hinter sich, da finden wir bereits bestätigt: Murg bringt’s. Und Murg will es weiter wissen. 216 DIN-A4-Seiten an Unterlagen braucht es, um dem Gemeinderat alles Wissenswerte an die Hand zu geben, das es braucht, um am Montag die Satzung für den Bebauungsplan Auf Leim zu beschließen. In nachgerade rührender Liebe zum Detail haben Verwaltung, Planer und Gutachter alle Basisfakten zur (so per se als elementar belegten) Entscheidung zusammengetragen. Der Umweltbericht etwa schafft es auf 59 Seiten netto, die artenschutzrechtliche Prüfung auf deren 42, "Prognose und Beurteilung der Verkehrs- und Betriebslärmeinwirkung" auf 36 (plus dazu noch elf Anlagen). Die Satzung selbst kommt inklusive Bauvorschriften und Begründung mit zusammen 30 Seiten noch relativ bündig daher, hat es aber gleichwohl in sich. "Flache und flach geneigte Dächer bis 10o Neigung sind mindestens auf 70 % der Fläche extensiv zu begrünen", wird da beispielsweise verkündet. Über externe Ausgleichsmaßnahmen lesen wir: "Entwicklung einer mesophytischen Saumvegetation mit sonstiger Hochstaudenflur als Sommerlebensraum für Amphibien und Reptilienarten mit einer Grundfläche von etwa 1400 m2 auf Flst. 799, Gemarkung Murg durch einschürig Mahd oder Mulchmahd im September mit Abräumen des Mähguts." Und zum Artenschutz: "Für die Artengruppe Avifauna sind … folgende Nistkästen im Randbereich des Plangebiets aufzuhängen: 3 Kästen Typus Feldsperling, 3 Kästen Typus Haussperling, 3 Kästen Typus Star, 2 Kästen Typus Kohlmeise, 2 Kästen Typus Blaumeise, 2 Kästen Typus Hausrotschwanz." Das mag jetzt alles ziemlich technokratisch klingen. Eine menschlich-persönliche Note hat das Werk aber auch noch. Wohl auf den gewesenen Bademeister und seienden Zunftvizemeister Wolfgang B. reflektiert in höchst sympathischer Weise einer der Pflanzungsvorschläge: Büttners rote Knorpelkirsche.