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02. Januar 2014

Auch am Hochzeitstag meistern die Tarrs alle musikalischen Hürden

Brillantes Silvesterkonzert in der vollbesetzten St. Josefskirche mit einem als nahezu unspielbar geltenden Orgelstück und weiteren Herausforderungen.

  1. Strahlendes Musiker-Paar: Irmtraud und Edward H. Tarr beim Silvesterkonzert in der St. Josefskirche in Rheinfelden Foto: Frey

RHEINFELDEN. Vor einem Jahr musste sie wegen Erkrankung pausieren. Doch nun trumpfte die Konzertorganistin Irmtraud Tarr zusammen mit ihrem Ehemann und Duopartner, dem Trompeter Edward H. Tarr, umso fulminanter auf beim Silvesterkonzert in der vollbesetzten St. Josefskirche. Für das Musikerpaar aus Eichsel war der letzte Tag des Jahres 2013 "ein ganz besonderer Tag", wie Edward H. Tarr dem Publikum verriet: Tarrs feierten ihren 30. Hochzeitstag.

Schon traditionell begann das festliche Konzert zum Jahreswechsel mit dem Bach-Choral "Das alte Jahr vergangen ist", gleichsam als Abschied vom alten Jahr. Besinnlich und kantabel klang dieser Bach. Auch in einer Aria aus der Kantate "Mache dich, mein Geist, bereit" beeindruckte der Trompeter mit seiner Fähigkeit, auf dem Instrument zu "singen". Nach einer farbkräftig gespielten barocken Orgelsonate von Theophil Andreas Volkmar wurde es in der Suite "Danserye" von Tilman Susato für Trompete und Orgel klangfarbig und tänzerisch im Rhythmus. Edward H. Tarr blies die Fanfare, Pavane und Saltarelle strahlend, akzentuiert und unangestrengt locker. Der mit dem Europäischen Solistenpreis der Kulturstiftung "Pro Europa" ausgezeichnete Trompeter zeigte sein souveränes Klanggefühl für diese Alte Musik des 16. Jahrhunderts, ebenso wie Irmtraud Tarr, die der Orgel reizvolle Farben entlockte.

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Als Hauptwerk hat die Organistin ein technisch extrem schwieriges Orgelstück ausgesucht, das als schier "unspielbar" gilt: die Introduction, Passacaglia und Fuge op.149 von Healey Willan aus dem Jahr 1916. Nicht viele Organisten wagen sich an dieses Werk, es ist deshalb nur selten in Konzerten zu hören. Irmtraud Tarr nahm die Herausforderung an und meisterte dieses monumentale, sinfonisch klingende Werk bravourös in den mächtigen Steigerungen und der opulenten Klangfülle. Die frisch renovierte Orgel der St. Josefskirche erwies sich als adäquates Instrument für dieses Stück, das der Organistin – und ihren beiden Registranten – enorm viel an Energie, Konzentration und Können abverlangte. Als furiose Klangregisseurin agierte Irmtraud Tarr in diesem anspruchsvollen Stück, das in der Form an Bachs Passacaglia angelehnt ist, im spätromantischen Klang an Reger und Liszt denken lässt und mit den großen französischen Orgelsinfonikern mithalten kann. Dynamisch und kraftvoll nahm Tarr die Steigerungen, auch die ruhigeren Passagen, die "tiefgründige Seele" kam in ihrem Spiel glänzend zur Geltung. An den Registern schöpfte sie klanglich aus dem Vollen, und an der fabelhaft intonierten Orgel waren die einzelnen Stimmen und das Spektrum der Orgelfarben sehr schön heraus hörbar.

Zur Besänftigung nach diesem Kraftakt an der Orgel folgte Verdis "Adagio" – ein Stück Belcanto auf der Trompete, von Edward H. Tarr auf sanglicher, romantischer Linie geblasen. Anschließend brillierte wieder Irmtraud Tarr als Meisterin der Orgeleffekte in einem Arrangement von Camille Saint-Saens "Danse macabre". In diesem mitternächtlichen Tanzspuk beschwört sie geheimnisvolle, suggestive Klangwirkungen.

In Alexandre Celliers Thema und Variationen über den Psalm "Singt dem Herrn ein neues Lied" ließ Edward H. Tarr seine Trompete erhaben und in warmem Glanz strahlen. Unterhaltsam war das Finale mit der Konzertpolka "Irmys Teddybär", einem von Irmtraud Tarr für die Orgel umgeschriebenen Stück von Johann Ganglberger: Es klang erheiternd, frech und keck, mit blitzenden Einwürfen der Trompete, auf die dann die Orgel antwortet. Diese mit Humor und Verve gespielte Konzertpolka sorgte für gute Laune bei den Zuhörern, die nach dem herzlichen Beifall noch Tarrs Lieblingslied als Zugabe hörten: In "Der Mond ist aufgegangen" sorgte Edward H. Tarr für pastorale Stimmung und subtile Glanzlichter und Irmtraud Tarr ließ es an der Orgel glitzern und funkeln wie ein Sternenhimmel.

Autor: Roswitha Frey