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08. März 2014

BZ-INTERVIEW: "Besonders Kinder leiden"

Herwig Popken (Freundeskreis Asyl) zur Situation im Übergangswohnheim.

  1. Herwig Popken Foto: Danielle Hirschberger

Der Freundeskreis Asyl engagiert sich seit 2005 für Flüchtlinge und Asylsuchende. Ralf Staub hat den Vorsitzenden Herwig Popken zu Situation befragt.

BZ: Statt 250 Menschen wie früher leben jetzt an die 400 im Übergangswohnheim. Wo sehen Sie die Probleme?

Popken: Das größte Problem ist für viele Menschen, dass die gesetzlich vorgeschriebenen 4,5 m² pro Person nicht eingehalten werden, das entspricht etwa der Größe eines Ehebettes. Neuerdings schreibt das Gesetz 7 m² pro Person vor, man hat den Behörden aber eine Kulanzzeit bis 2016 zur Erfüllung gegeben. Mindestens die ursprüngliche Mindestgröße der Gesetzesvorschrift sollte eingehalten werden, zumal den Behörden schon Jahre bekannt ist, das mehr Flüchtlinge kommen werden. Besonders die 130 Kinder leiden unter der erdrückenden Enge.
BZ: Wäre eine dezentrale Unterbringung eine bessere Lösung?

Popken: Wir, der Freundeskreis Asyl, schließt sich der Meinung der Administration der Stadt Rheinfelden an, das 300 und in Ausnahmefällen bis zu 400 Menschen gut in die Stadt integriert werden können, hier spielen ja auch Kindergärten, Schulen und Wohnungen eine Rolle. Mehr Menschen müssten einen anderen Platz im Kreis finden. Der Freundeskreis würde sich freuen, wenn die Stadt und der Landkreis sich einigen und in Rheinfelden ein neues, den Bedingungen angepasstes Heim bauen würden. Das alte Heim muss 2016 weg.

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BZ: Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Situation kurzfristig zu verbessern?

Popken: Über 50 Prozent der Bewohner im Heim sind Roma oder andere Minderheiten vom Balkan. Für die Menschen sollten keine negativen Sonderbestimmungen gelten. Die Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge sollte mehr andere Flüchtlinge schicken, damit kein Getto im Getto entsteht. Wir brauchen im Landkreis mehr Wohnungen, damit mehr Menschen das Heim verlassen können und somit die Situation entlasten.

Zur Person: Herwig Popken, 68 Jahre alt, hat von 1985 bis 2010 das Übergangswohnheim Schildgasse geleitet. Davor fuhr er 35 Jahre als Kapitän große Frachtschiffe über die Weltmeere. Seit seinem Ruhestand engagiert er sich im Freundeskreis Asyl.

Autor: rs