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16. Juni 2009
Ein Streifzug durch fünf Jahrhunderte
Tarr-Konzert für Andheri
RHEINFELDEN. Sehr gut besucht war das Andheri-Benefizkonzert des Musikerehepaares Tarr in der St. Josefskirche. Der Erlös der von der Kolpingsfamilie organisierten Veranstaltung soll 2000 bedürftigen Kindern in indischen Slums zu Gute kommen, wo sie von den "Helpers of Mary" Essen und Schulbildung erhalten oder mancherorts von den Ordensschwestern in Waisenhäusern betreut werden.
"Andere glücklich machen, macht glücklich," sagt Mutter Anna Huberta, deren Ausspruch im 60seitigen Andheri Heft, das beim Konzert auslag, zitiert wird. Den beiden Musikern ist das an diesem Abend gelungen. Sie boten ein vielseitiges Programm reichend von Henry Purcells Suite aus Dido und Aeneas (1695) für Orgel (hier zeigte Irmtraud Tarr, wie beim "Echo Dance of Furies" die Orgelklänge im dreifachen Fortissimo den Zuhörenden wahrhaftig furienhaft zusetzen konnten) bis hin zu zeitgenössischer Trompeten und Orgelmusik.
Der Weltklasse-Trompeter wollte bei diesem Benefizkonzert seinem Ruf gerecht werden und spielte Joseph Haydns "Andante" aus dem Trompetenkonzert Es-Dur (1796) auf der historischen Klappentrompete. Irmtraud Tarr verstand sich dabei auf ein diskret begleitendes Orgelspiel. Beide musizierten sensibel dieses in Piano gehaltene ruhige Andante mit seinen Verzierungen und Vorschlägen. Edward Tarrs Trompetenklang war bezaubernd schön, ausdrucksvoll und warm. Seine Atem- und Blastechnik beeindruckt immer wieder aufs Neue und gerne überhörte man die Intonationsschwächen, wie sie beim Spiel auf historischen Instrumenten eben auftreten können.
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An der Orgel gefiel Irmtraud Tarr mit Georges Bizets Menuet aus "L’Arlesienne", Suite Nr. 1 (1872) mit herrlich hellen modernen Klangbildern. Kein auftrumpfend lautes Spiel, sondern vielmehr humoreske Klangeffekte waren zuweilen angesagt.
Höhepunkt und Abschluss des Konzertes war Stanley Weiners(1925–91) "Variations on a Theme of Jeremiah Clarke", das der einst in Hamburg lehrende Violinprofessor dem Musikerehepaar widmete. Weiner hat zahlreiche Trompetenwerke für Edward Tarr, den er von Hamburger Konzerten kannte, komponiert. Vielseitigkeit prägte dieses Werk in dem sich elegische mit heiteren Melodien ablösten, und in denen an der Orgel wie an der Trompete ausdrucksvolle Soli monumentale Klangbilder entstehen ließen. Zeitgenössisch skurril erklang dann das Finale. Bizarren modernen ostinato Orgelklängen folgten nicht weniger schrille signalhornartig aufheulende Trompetenklänge.
Mit starkem Applaus bedankte sich das Publikum für den Streifzug durch fünf Jahrhunderte der klassischen Musik.
Seit nahezu 50 Jahren wird von der Rheinfelder Kolpingfamilie die Hilfsaktion Andheri betrieben und in Zeiten, diedie Marys vor neue und immer größere Aufgaben stellt, ist der Spendenerlös aus diesem wunderschönen Benefizkonzert wieder eine wichtige Unterstützung ihrer Arbeit.
Autor: Chris Rütschlin
