Furioses Finale noch gesteigert

Jannik Schall

Von Jannik Schall

Di, 26. Januar 2010

Rheinfelden

Irmtraud Tarr und ihr Ensemble beim Neujahrs- und Geburtstagskonzert stürmisch gefeiert / Zuschauer standen teilweise.

RHEINFELDEN. Das neue Jahr ist kaum einen Monat alt, und schon bekamen Rheinfelder Kulturfans einen ersten Höhepunkt serviert, der schwer zu überbieten sein wird: Das Kulturamt lud für Freitagabend zum Neujahrskonzert in die Christuskirche. Im Mittelpunkt stand Irmtraud Tarr, die anlässlich ihres 60. Geburtstages ein beeindruckendes Konzertprogramm zusammen gestellt hatte – mit Profimusikern und viel Publikum.

Es war voll in der Kirche, so voll, wie sehr selten. Aus ganz Deutschland und der Schweiz, sogar aus Südamerika waren Besucher gekommen. Tarrs Leben lässt einen daran zweifeln, dass der Tag nur 24 Stunden hat, sie ist nicht nur eine international gefeierte Konzertorganistin, leidenschaftliche Kontrabassistin, Autorin vieler Fachbücher und wissenschaftliche Leiterin eines Instituts für Musiktherapie in Österreich, sondern geht auch noch der Tätigkeit als Musiktherapeutin mit eigener Praxis in Rheinfelden nach.

Feinsinnig abgestimmtes Programm mit Überraschungen

Irmtraud Tarr und ihr Mann Edward wurden mit der Verdienstmedaille in Silber der Stadt Rheinfelden für kulturelle Verdienste ausgezeichnet. Die Vertreter der Stadt hatten nichts als Lob für sie. OB Niethammer sprach von einer faszinierenden Künstlerpersönlichkeit, Reinhard Börner, Ortsvorsteher von Eichsel, wo die Tarrs leben, erklärte, die beiden hätten die Region musikalisch und künstlerisch aufgewertet.

Doch in erster Linie ging es um Musik: Ein feinsinnig aufeinander abgestimmte Programm barg Überraschungen. Den Anfang machte Edward Tarr mit seinem Bläser-Ensemble Concert Brass und dem feierlichen "Arrival of the Queen of Sheba" aus Händels Oratorium Salomon. Festlich-majestätisch ging es weiter: Händels Feuerwerksmusik erklang kraftvoll von der Empore und wurde visuell mit einer Kamera auf eine Leinwand in den Altarraum übertragen.

Während oben die musikalischen Raketen explodierten, wurden unten feierlich Wunderkerzen durchs Kirchenschiff getragen. Mit einem Werk von Oskar Lindberg lieferten Irmtraud und Edward Tarr mit Orgel und Flügelhorn einen stimmungsvollen Beweis für ihre gegenseitige Zugehörigkeit: nahezu zu einer Einheit verschmolzen erklang das Werk des schwedischen Komponisten.

Im Anschluss erwartete die Besucher ein Leckerbissen: Ein Ensemble aus sieben Kontrabässen, in dem sie selbst mitspielte. Zunächst gab’s eine köstliche Interpretation von Strauß’ unsterblichem Donauwalzer, der den Besuchern – ein wenig ironisch, aber nicht spöttisch – ein leises Lachen entlockte. Anschließend folgte "Footprints" von Wayne Shorter, ohne Irmtraud Tarr. Das Stück fungierte als Hommage an sie und die Fußspuren, die sie im Leben der Bassisten hinterlassen hat.

Ein Höhepunkt waren die Variationen über Bach von Margers Zarins, gespielt von Irmtraud Tarr auf der Orgel. Mit Kraft und Leidenschaft spielte sie – der atemlose Zuhörer begriff, warum die Organistin schon in der Kathedrale von Barcelona standing Ovations bekommen hatte. Zum Abschluss gab es ein dreiteiliges Werk Astor Piazzollas, des Begründers des Tango Nuevo, unter der Beteiligung aller Musiker. Nach diesem furiosen Finale setzten die Musiker noch einen drauf: Als Zugabe spielte Irmtraud Tarr alleine auf der Orgel: Pink Panther. Die Titelmelodie der kultigen Zeichentrickserie erklang als Fuge. Dann gab es aber doch noch tutti die altbekannte Swing-Version der Melodie zu hören.

Manche Zuhörer mussten stehen, weil nicht genug Platz war, aber alle applaudierten begeistert. Auch Kulturamtsleiter Claudius Beck schien zufrieden: Das Konzert mit dem etwas sperrigen Titel "Festliches Konzert zum neuen Jahr und zum runden Geburtstag von Frau Dr. Irmtraud Tarr" in der Konzertreihe "Unerhört - Klassik in Rheinfelden" war eindeutig ein gelungener Auftakt ins neue Jahr.