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02. Juli 2009

Hausarztpraxis rechnet sich nicht

Alle Rheinfelder Hausärzte haben aus Protest gestern und heute ihre Praxen geschlossen, die von Josef Bubla bleibt ganz zu.

RHEINFELDEN. Am gestrigen Mittwoch hatten alle Hausarztpraxen und mehrere Fachärzte in Rheinfelden geschlossen. Zwei Internisten kümmerten sich per ärztlichem Notdienst um die Gesundheit der Rheinfelder. Auch heute befindet sich der Großteil der Ärzteschaft im Streik. Die Aktion wendet sich gegen die Gesundheitsreform – aus Angst dass viele Praxen sterben. Einer hat in Rheinfelden bereits aufgegeben: Der Allgemeinmediziner Josef Bubla hat seine Praxis aufgelöst.

"Trotz aller Beteuerungen der verantwortlichen Bundespolitiker ist es in Baden-Württemberg zu einem dramatischen Geldabfluss gekommen, der jetzt viele Praxen in Liquiditätsnöte bringt", so Ärztesprecher Dr. Ludwig Fritze zur Badischen Zeitung. Dabei ist es bereits in den ersten Fällen in Rheinfelden dazu gekommen, dass Ärzte auf ihre Zulassung verzichtet haben, etwa bei Dr. Josef Bubla, der seine Facharztpraxis für Allgemeinmedizin, Homöopathie, Naturheilverfahren und Akupunktur in der Kapuziner Straße betrieb. Bubla kam in den 80er Jahren aus der Tschechoslowakei nach Deutschland. Im Jahr 2000 übernahm er die Praxis von seinem Vorgänger Dr. Maurer. Kurz vor Weihnachten 2008 erhielt er die Hochrechnung der Kassenärztlichen Vereinigung für die Honorare ab dem ersten Quartal 2009.

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"Das waren 55 Prozent weniger als im Durchschnitt der Quartale seit ich in Rheinfelden bin", sagt Bubla. Die Hochrechnung deckte nicht einmal seine Praxiskosten. 21 300 Euro sollte er von der Kassenärztlichen Vereinigung zugesprochen bekommen. Davor seien es im Durchschnitt von 2000 bis 2005 noch um die 45 000 Euro pro Quartal gewesen. Wobei das auch nicht mehr reichte, um Bublas Personalstand aufrecht zu erhalten, den er ursprünglich hatte. Bis 2006 arbeiteten in seiner Praxis drei Arzthelferinnen. Zum Schluss gab es noch eine 80-Prozent-Kraft und eine 40-Prozent-Stelle.

Für Bubla war sofort klar, was er tun musste. Mehrere Monate ein Minus zu erwirtschaften, würde nicht funktionieren. Also beantragte er sofort individuellen Zulassungsverzicht bei der Kassenärztlichen Vereinigung und versuchte, seine Praxis zu verkaufen. "Ich weiß konkret von vier Praxen in Rheinfelden, die zum Verkauf stehen", sagt Bubla im Gespräch mit der Badischen Zeitung. Im Landkreis seien es mindestens 20 Praxen. Aber es gebe kaum Interessenten.

"Die Kassenärztliche Vereinigung sagt, dass die Hausarztdichte in Rheinfelden relativ hoch ist", erklärt er. Auf einen Arzt kommen nur 700 – 800 Patienten pro Quartal. Danach berechnet sich aber auch der Verteilungsschlüssel. Zu wenig, um auf lange Sicht zu existieren. Bubla ging mit dem Preis herunter und versuchte dann, die Praxis zu verschenken. "Ich habe einem sogar 10 000 Euro geboten, wenn er die Praxis nehmen würde."

Laut Ärztesprecher Fritze sieht es für viele Rheinfelder Ärzte nicht anders aus. Als Zeichen für die Verzweiflung seiner niedergelassenen Kollegen, sieht er die Einigkeit im aktuellen Niederlegen der Arbeit. Vielfach könnten Ärzte das 13. Monatsgehalt nicht mehr zahlen, einzelne Praxen meldeten bereits Probleme, die Löhne ihrer Mitarbeiter für die Sommermonate aufbringen zu können.

Damit seine Zulassung nicht ganz und gar verpufft, hat Bubla eine Sonderregelung des Zulassungsrechts genutzt. Ein Kollege aus der Region wollte seine Zulassung übernehmen, wofür er ihn für drei Monate anstellen musste. Die drei Monate hat Bubla hinter sich und seine Praxis auf eigene Kosten aufgelöst.

Er engagiert sich bei der freien Ärzteschaft politisch gegen die Gesundheitsreform und sagt auf die Frage nach seinem Wohnort: "Noch Rheinfelden". Er wird in nächster Zeit Vertretungen in Krankenhäusern übernehmen und denkt auch schon darüber nach, ins Ausland zu gehen oder die Branche zu wechseln. "Ich kenne einige Kollegen, die haben auch schon Hartz IV bekommen."

Autor: Ralf H. Dorweiler