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17. Oktober 2013

Keine Schule am Opferfest

Freundeskreis Asyl sucht weitere Spender, damit Asylbewerber und Flüchtlinge Deutsch lernen.

  1. An der VHS gibt es einen neuen Deutschkurs für Asylbewerber. Hier freuen sich Herwig Popken (links), Claudia Pickert (Dritte von links) und Gaby Dolabdjian (hinten) mit Schülern darüber. Foto: Danielle Hirschberger

RHEINFELDEN. Deutschkenntnisse erleichtern Asylbewerbern die Kommunikation, die der Alltag auf vielfältige Weise von ihnen fordert. Daher ist der Freundeskreis Asyl stolz darauf, dass es ihm gelungen ist, erstmals selbst einen solchen Deutschkurs zu finanzieren. Dieser sollte am Dienstagmorgen in der VHS starten, fiel jedoch aus, denn an eines hatten die Verantwortlichen nicht gedacht: Die Muslime feiern das Opferfest – ein großes Fest wie Weihnachten, an dem sich die Menschen besuchen, erklärte Herwig Popken vom Freundeskreis.

Fünfter Kurs seit 2010
Von den 20 angemeldeten Teilnehmern konnten er und Kursleiterin Claudia Pickert nur neun begrüßen und auch gleich wieder nach Hause entlassen. Weil das Opferfest drei Tage lang dauert, wurde der Kursbeginn um eine Woche verschoben. Trotzdem freuen sich Pickert, Popken und VHS-Leiterin Gaby Dolabdjian, dass der neue Kurs zeitnah zu einem parallel laufenden, vom Landratsamt finanzierten Kurs beginnen kann. Seit 2010 ist es die fünfte Gruppe, die an der VHS unterrichtet wird. Der Kurs richtet sich ausschließlich an Bewohner der Sammelunterkunft an der Schildgasse.

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Zweimal wöchentlich werden die Frauen und Männer unterschiedlichster Kulturen und Religionen ein Vierteljahr lang zweimal wöchentlich von 8.15 bis 11.30 Uhr die Schulbank drücken, wobei, so Pickert, "nicht nur der Aspekt der Sprache im Vordergrund steht. Es entsteht auch eine freundschaftliche Atmosphäre und es wächst eine Gemeinschaft, bei der die Menschen ihre Angst vor der Sprache verlieren, dabei sind sie sehr motiviert".

Mehr Zuzug erwartet
Sie kommen unter anderem aus dem Iran, Algerien, Nigeria, Afghanistan, Sri Lanka, Türkei, Pakistan, Serbien, der russischen Föderation und auch eine Frau aus Syrien ist dabei. Diese Kurse seien wichtig, meint Popken, denn es werden immer mehr Flüchtlinge und Asylbewerber erwartet. In der Rheinfelder Gemeinschaftsunterkunft leben rund 350 Menschen.

Dies ist ein Grund, warum der Freundeskreis Asyl eine Privatinitiative aktiviert hat, um diesen neuen Kurs anbieten zu können. Die Mehrheit habe dem zugestimmt. "Wir machen auch alles, damit der Kurs regelmäßig und lebhaft besucht wird und somit das Geld gut angelegt ist", sagt Popken.

Viele wollen teilnehmen
Den Teilnehmern werden die Grundzüge der deutschen Sprache vermittelt, damit sie sich im öffentlichen Leben einigermaßen auskennen. Der Wunsch, diesen Kurs zu absolvieren, sei sehr groß. Die Verantwortlichen versprechen, darauf zu achten, "dass die Grundvoraussetzungen erfüllt werden, indem alle anwesend und aufnahmebereit sind".

Popken weiß, dass oft gesagt werde, die Leute würden vielleicht gar nicht hierbleiben. Dies sei für ihn kein Argument, denn "es ist gut, wenn man den Menschen in irgendeiner Form Bildung mitgeben kann, und die, die angeschoben werden, nehmen etwas als Geschenk von uns mit".

Der Freundeskreis würde sich über weitere Spender zur Finanzierung der Kurse freuen, denn er hilft den Menschen, sich in Deutschland zurechtzufinden. Noch eins haben Pickert und Popken auf dem Herzen: Weil es immer wieder Analphabeten unter den Teilnehmern gibt, wäre es schön, wenn sich zum Beispiel pensionierte Lehrer finden würden, um diese Leute ehrenamtlich zu fördern.

Info: Spendenkonto "Arbeitskreis miteinander", Volksbank Dreiländereck, Lörrach, Nr. 661198, BLZ 683 900 00, Stichwort: Freundeskreis Asyl. Kontakt: Tel.  7991 95.

Autor: Claudia Gempp