Kunst gegen die Angst vor dem Anderen

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 20. März 2018

Rheinfelden

Ausstellung im St. Josefshaus zeigt Werke mit Menschen mit und ohne Behinderung.

HERTEN. Lena lacht so herzlich und fröhlich, dass es ansteckend wirkt. Lena ist ein Mädchen mit Down Syndrom. Marie sitzt im Rollstuhl und schaut den Betrachter lächelnd an. Heinz und Käthe haben die Gesichter aneinander geschmiegt, sie trägt einen Blumenkranz im Haar. Alle diese Menschen mit Handicap hat Elena Schmidt gemalt. Die berührenden Motive sind Teil der Ausstellung "Roll Over II" im St. Josefshaus, wo Bilder, Zeichnungen, Objekte und Skulpturen von 15 Künstlerinnen und Künstlern versammelt sind.

Was hinter diesem außergewöhnlichen Projekt steckt, erläuterte Initiatorin Ingrid Wiche und Kuratorin Christina Kuhn bei der sehr gut besuchten Vernissage. Die Künstler aus dem Raum Stuttgart, Hannover, Tübingen und Prag, sollten in ihren Werken Menschen mit und ohne Handicap zusammenbringen und Menschen mit Behinderungen in alltäglichen Lebensbereichen darstellen, "sensibel, einfühlsam, ohne Scheu, gerne auch heiter", so Wiche. Es sei kein leichtes Thema, aber durch die künstlerische Umsetzung sei es möglich, Berührungsängste abzubauen und Verhaltensweisen neu zu überdenken.

Christoph Dürdoth vom Vorstand des St. Josefshauses hob das wesentliche Anliegen der Ausstellung unter Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Klaus Eberhardt hervor, die dazu beitrage, "dass die oft gefühlte und erlebte Diskrepanz zwischen Menschen mit und ohne Handicap im täglichen Leben schrumpft".

Auf drei Stockwerken sind die in Stil und Technik vielgestaltigen Arbeiten zu entdecken. Elena Schmidts Porträts und Figurenbilder sind nach Fotografien entstanden und zeigen ein vertrautes Paar mit herzerfrischendem Lächeln, die Gesichter aneinander geschmiegt, ein Mädchen mit sonnigem Gemüt oder eine junge Frau mit einem jungen Mann im Rollstuhl, immer mit Blumenmotiven im Hintergrund. Durch die Malerei auf Teefiltern und die floralen Muster erhalten die Bilder besondere Farben und Strukturen.

Zeitkritisch und surreal mit starken Symbolen wirken die Ölgemälde von Cordula Heyl, in denen Computertastaturen, bröckelnde Mauern, leidende Menschen und Tiere sowie Szenen aus der aktuellen Gesellschaft zu einem futuristischen "Schicksalsspiel" verwoben sind. In den Bildern von Rainer Hoffelner sind lauter winzige, schwarze Figürchen zu sehen, die sich um Kreise, in Quadraten oder zwischen Punktrastern bewegen, springen und tanzen.

Poppige, kräftige Farben fallen in den Bildern und Objektkästen des Pop Art-Künstlers Della auf, in denen sich Figuren, Bauten und Symbole aus verschiedenen Ländern und Kulturen finden. Zdenka Marschalova stellt in farbintensiven Aquarellen Sportler im Rollstuhl dynamisch in Bewegung bei Wettkämpfen dar. Ihr Prager Kollege Krystof Marschal zeigt expressive Porträts. Hubert Resch setzt Figuren aus mehreren Generationen und Metaphern für Verzweiflung und Gebrochenheit ins Bild. Ingrid Kulf versinnbildlicht Einsamkeit und das Unterwegssein in weiter Landschaft. Berührend zart und feinfühlig sind die Zeichnungen von Stephanie Brachtl von einem Mädchen mit Beinprothese oder einem Mann mit Blindenhund.

Trauriges, Melancholisches als Sinnbild des Leidens und der Verletzlichkeit des Menschseins taucht in den eindringlichen, tiefsinnigen Textbildern und Zeichnungen von Sigrid Baumann Senn auf. Vieldeutige Arbeiten von Ilona Hofmann-Köhne und Renate Quast, Abstraktes von Frederick D. Bunsen, Radierungen von Bettina Baur sowie fantasievolle Skulpturen von Karl Vogt aus Holz, Silber und Stein machen die Fragilität des Lebens spürbar und sichtbar.

Die Vernissage wurde von der Sängerin Martina Hanßum, der Pianistin Esther Park und der Harfenistin Ulrike Neubacher mit zauberhaften Klängen mit gestaltet.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist bis 26. September zu sehen, werktags 9 bis 19, Sonn- und Feiertage 9 bis 15 Uhr.