Launiger Orgelschwung, geschmeidiger Bläserklang

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 02. Januar 2019

Rheinfelden

Die Eichsler Organistin Irmtraud Tarr und das Zürcher Quintetto Inflagranti geleiten unterhaltsam ins neue Jahr.

RHEINFELDEN. Immer wieder für Überraschungen gut ist die Organistin Irmtraud Tarr, die ihre Konzerte so kurzweilig und sprühend vital gestaltet wie man es sonst kaum erlebt. Beim Silvesterkonzert in der St. Josefskirche entlockte sie dem ehrwürdigen Instrument nicht nur tänzerische Klänge, Opern- und Musicalhaftes, sondern brachte zusammen mit dem Quintetto Inflagranti aus Zürich die Zuhörer zum Mitklatschen. Und legte bei der Zugabe der Blechbläser sogar noch ein bühnenreifes Tänzchen hin.

Bei dieser unkonventionellen Virtuosin darf es gern unterhaltsam und fröhlich zugehen, zumal am letzten Tag des Jahres. Und so hat sie mit dem Gastensemble aus der Schweiz ein tolles Programm gestaltet, das dramaturgisch so geschickt aufgebaut war wie eine gute Theaterinszenierung.

Es begann im Barockteil besinnlich mit dem Bach-Choral "Das alte Jahr vergangen ist", gespielt im Tutti von Orgel und Bläsern, und steigerte sich sukzessive zu immer klangmächtigeren Stücken wie einer Orgelbearbeitung der Sinfonia aus der Ratswahlkantate "Wir danken dir, Gott" von Bach, die Tarr mit zupackend dynamischem Zug, voller Verve und Power anging.

Zwischendurch wechselte das Quintett Inflagranti, besetzt mit den Trompetern Basil Hubatka und Bernhard Diehl, dem Hornisten Heiner Wanner, dem Posaunisten Niki Wüthrich und Karl Schimke an der Tuba, in den Altarraum und spielte Händels Aria mit Variationen "Der harmonische Grobschmied". In dieser Bearbeitung gefiel das Ensemble durch strahlkräftigen Klang, blitzsaubere Intonation, fein aufeinander abgestimmte Bläserstimmen und homogenes Zusammenspiel.

So richtig auftrumpfen konnten Tarr und die Blechbläser in der Toccata aus der Suite Gothique von Leon Boellmann, die sie mit furioser Klanggewalt zu bombastischer Wirkung brachten. Da zeigte sich, was ein solches Energiebündel an der Orgel im Verbund mit Blechblasbravour an wuchtiger Klangkraft und mitreißendem Sog bewirken kann. Einen puren Adrenalinschub gab es auch im ausladenden Allegro Vivace-Satz aus der fünften Sinfonie von Charles-Marie Widor, den Irmtraud Tarr mit überwältigendem sinfonischem Klang, zupackendem Virtuosentemperament und berauschender Klang- und Farbenfülle spielte.

In einer eigenen Bearbeitung der Ouvertüre zur Rossini-Oper "Wilhelm Tell" gesellte sich Edward H. Tarr an der Trompete zu seiner Frau an der Orgel. Reizvoll in den Farben, fantasievoll ausgeschmückt, rhythmisch vital und akzentuiert klang dieser Rossini.

Je später der Abend, desto heiterer und beschwingter wurden die Stücke. Als Hommage zum 100. Geburtstag von Leonard Bernstein führten Irmtraud Tarr und das Blechbläserensemble die bezaubernde Schlussnummer "Make Our Garden Grow" aus dem Musical "Candide" auf, schön differenziert in den feinen Tönen und schwelgerisch im Klang: ein liebenswürdiger Gruß an "Lenny"!

Derart in Schwung und Stimmung, setzte Irmtraud Tarr im "Säbeltanz" von Khatschaturian noch eins drauf mit wahnwitzigem Tempo und fulminantem Elan. Mit swingendem Sound machten die Orgelkünstlerin und die Blechbläser im "Ragtime Dance" von Scott Joplin gute Laune. Spritzig und pointiert war dieser Ragtime gespielt, mit launigem Orgelschwung und geschmeidigem Bläserklang. Voller tänzerischem Esprit, Humor und glänzender Spiellaune ging es in dem Stück "Aufforderung zum Tanz" weiter.

Zum krönenden Finale spielten Tarr und das Quintett mit schmissiger Verve den Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater, den unverwüstlichen "Rausschmeißer" bei allen Wiener Neujahrskonzerten, der auch an Silvester in Rheinfelden bestens zündete und das Publikum in der zu drei Viertel gefüllten Kirche zum Mitklatschen animierte. Als Zugabe hatten die Bläser noch Filmmusik aus "Star Wars" dabei, inklusive Tanzeinlage von Irmtraud Tarr, und die Organistin verabschiedete sich mit einer hinreißend fröhlichen Version von "Jingle Bells". Stehende Ovationen für diesen tollen Auftritt und herzliche Dankesworte von Bürgermeisterin Diana Stöcker für die Orgelkünstlerin aus Eichsel, die seit mehr als 30 Jahren für musikalisches Silvester-Vergnügen sorgt.